Energiewende: E.on droht mit Baustopp bei Offshore-Windkraft

Der Energieriese E.on macht Druck auf die Bundesregierung. Probleme beim Anschluss der Hochsee-Windparks könnten die Energiewende gefährden, sagt ein Manager des Konzerns. Seine Drohung: Wenn die Lage sich nicht bessere, werde niemand mehr neue Anlagen bauen.

Fotostrecke: Offshore Windpark Alpha Ventus Fotos
DDP / DOTI / Matthias Ibeler

Berlin - Der Energiekonzern E.on warnt die Bundesregierung vor einem Scheitern ihrer Ausbaupläne für Offshore-Windkraft. Die Stromnetzbetreiber kämen mit dem Anschluss der Windparks nicht hinterher, sagte der Chef der Sparte Climate & Renewables, Mike Winkel, der "Berliner Zeitung". Die Situation sei katastrophal, so der Manager. "Niemand wird weiter investieren, wenn der Netzanschluss so unsicher ist wie derzeit, weder E.on noch andere."

Das Problem gefährde die Energiewende in Deutschland ganz akut. Der von E.on geplante Offshore-Windpark Amrumbank werde vom zuständigen Stromnetzbetreiber Tennet nach derzeitigem Stand erst mit rund 15 Monaten Verspätung angeschlossen - geplant sei März 2015, sagte Winkel.

Die Netzbetreiber hätten sich selbst über- und die Probleme unterschätzt. Zweitens seien die finanziellen Anreize für die Netzbetreiber unzureichend, da die Regulierungsbehörde ihnen Investitionen nicht besonders hoch vergüte. Drittens schafften die Lieferanten es nicht, die benötigten Kabel herzustellen. Überdies beklagte Winkel ein "großes Durcheinander an Zuständigkeiten" der Behörden.

Ernüchternde Bilanz

Die Bundesregierung will bis 2020 den Anteil von Ökostrom am Verbrauch auf mindestens 35 von derzeit 20 Prozent erhöhen. Dazu sollen Windkraftanlagen auf dem Meer einen wesentlichen Teil beitragen. Die Hochsee-Windparks eignen sich besonders gut: Auf dem Meer weht der Wind recht stetig. Hochsee-Wind ist damit eine zuverlässigere Energiequelle als Solarenergie oder Windräder an Land.

In den vergangenen Wochen gab es wiederholt Kritik an Problemen beim Aufbau von Windkraftparks in Nord- und Ostsee. Im Januar zog ein Staatssekretär im Verkehrsministerium eine ernüchternde Zwischenbilanz: Demnach sollen im deutschen Gebiet der Nord- und Ostsee bis 2030 10.000 Windräder gebaut werden - bislang stehen davon gerade mal 27. Die Hochsee-Windparks sollen 25.000 Megawatt Leistung bringen - bislang sind es 135 Megawatt.

Auch der Energiekonzern RWE beklagte den Zeitverzug beim Anschluss der Windräder. Die RWE-Manager Leonhard Birnbaum und Fritz Vahrenholt haben bereits im Dezember einen Brandbrief an die Bundesregierung geschickt. Darin warnen sie davor, dass die Ziele bei der Offshore-Windkraft "bei weitem verfehlt" werden könnten.

cte/Reuters

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1. Es geht nur übers Geld
ditor 14.02.2012
Zitat von sysopDDP / DOTI / Matthias IbelerDer Energieriese E.on macht Druck auf die Bundesregierung. Probleme beim Anschluss der Hochsee-Windparks könnten die Energiewende gefährden, sagt ein Manager des Konzerns. Seine Drohung: Wenn die Lage sich nicht bessere, werde niemand mehr neue Anlagen bauen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,815093,00.html
Wenn die Netzbetreiber ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind, dan muss man ihnen die garantierte Rendite kürzen und das gesparte Geld dort einsetzen wo es hakt.
2. Chroniken einer Bananenrepublik.
karlgutknecht 14.02.2012
Zitat von sysopDDP / DOTI / Matthias IbelerDer Energieriese E.on macht Druck auf die Bundesregierung. Probleme beim Anschluss der Hochsee-Windparks könnten die Energiewende gefährden, sagt ein Manager des Konzerns. Seine Drohung: Wenn die Lage sich nicht bessere, werde niemand mehr neue Anlagen bauen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,815093,00.html
Erst der Kosten-Gau bei der Solarenergie und nun weitere Problemstellungen im Offshore-Geschäft. Jetzt muss auch Mutti einsehen, dass die hinlänglich so einfache angekündigte Energiewende doch mehr Fragen und technische Probleme aufwirft, als die treuen, aber unbedarften Mitarbeiter und verdienten Parteigenossen in den Ministerien u. a. des Umweltministeriums des Sonnenkönigs Dr. Röttgen, erklären können. Aber Hauptsache die Umfrageergebnisse stimmen, den Rest kann man dann den Deppen in den Ministerien aufbürden, die dann - dank ihrer überbordenden Kenntnisse in der Sache, wiederum es den Lobbisten überlassen, die Gesetzte und Verordnungen, sowie die Subventionen selbst festzuschreiben. Was macht man nicht alles für den weiteren Machterhalt verspricht, blühende Landschaften, eine sichere Rente und nun die Energiewende. Hurra Deutschland!
3. Überflüssig
yggdra 14.02.2012
sind RWEon und Offshore-Windkraft. An Binnenlandstandorten in Deutschland kann fünfmal soviel Windstrom geerntet werden wie im deutschen Offshore-Bereich, und das zum halben Preis pro kWh. RWEon und Stadtwerke werden von den Altparteien SPD, CDU und Die Grünen mit Geld zugeschüttet, damit sie doch bitte bitte sich selbst ins Knie schießen und Windanlagen bauen. Und auf jeden Fall sollen sie systemrelevant bleiben, also unser Gemeinwesen erpressen können. Liebe Piraten, bitte kümmert Euch um die Energiepolitik!
4. Energiewende abwracken!
FreieWelt 14.02.2012
Dieser Winter hat deutlich gezeigt, welche miserable Arbeit die erneuerbaren Energien leisten. Ökowatch protokollierte vor ein paar Tagen auf ihrer Web Seite: “Stromproduktion in Deutschland, 6. Februar 2012, 18 Uhr: Stromproduktion insgesamt: 65 Gigawatt (GW) Davon Wind: 2 GW aus 28 GW installierter Kapazität. Nichtverfügbar: 26 GW Davon Solar: 0 GW aus 25 GW installierter Kapazität. Nichtverfügbar: 25 GW.” Erneuerbare Energien sind wirtschaftlicher Irrsinn und helfen nicht, die Energieprobleme dieses Landes zu lösen. Je schneller wir die erneuerbaren Energien bzw. deren Sonderstatus ohne Wettbewerb wieder los sind, desto schneller geht es mit Deutschland wieder bergauf.
5. Wie bitte!
ash26e 14.02.2012
Zitat von yggdrasind RWEon und Offshore-Windkraft. An Binnenlandstandorten in Deutschland kann fünfmal soviel Windstrom geerntet werden wie im deutschen Offshore-Bereich, und das zum halben Preis pro kWh. RWEon und Stadtwerke werden von den Altparteien SPD, CDU und Die Grünen mit Geld zugeschüttet, damit sie doch bitte bitte sich selbst ins Knie schießen und Windanlagen bauen. Und auf jeden Fall sollen sie systemrelevant bleiben, also unser Gemeinwesen erpressen können. Liebe Piraten, bitte kümmert Euch um die Energiepolitik!
Auslastung einer WKA an Land beträgt nur 16% der installierten Leistung. Diesen Wert " hoffen" die Betreiber von off-shore WKA´s zu verdoppeln. Auf dieser Verdopplung beruht deren Kalkulation. Nicht auf Ihrer Milchmädchenrechnung.
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