Offshore-Windpark in der Nordsee EnBW stoppt Milliarden-Projekt

Der Energiekonzern EnBW legt die Pläne für seinen dritten Nordsee-Windpark vorerst auf Eis. Die Anbindung an das Stromnetz verzögert sich. Der Konzern fürchtet, auf seinen Investitionskosten sitzenzubleiben.

Windpark "Baltic 1": Vorläufiges Aus für den dritten Nordsee-Windpark von EnBW
Getty Images

Windpark "Baltic 1": Vorläufiges Aus für den dritten Nordsee-Windpark von EnBW


Karlsruhe - Der Energiekonzern EnBW lässt seine Pläne für den Nordsee-Windpark "Hohe See" für unbestimmte Zeit ruhen. Der Konzern brauche gesetzgeberische Klarheit, bevor er rund 1,5 Milliarden Euro in den Windpark investiere, sagte Technikvorstand Hans-Josef Zimmer.

Da der Netzbetreiber Tennet nach derzeitiger Lage die Netzanbindung hinausschieben könne, drohe eine Verzögerung des Projekts um zwei Jahre. Damit würde der Windpark mit seinen 80 Windrädern 90 Kilometer vor der Küste erst 2017 statt 2015 ans Netz gehen.

Hintergrund für den Investitionsstopp ist, dass der Windpark mit der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes nicht mehr unter den dort vorgesehenen Bestandschutz für die Offshore-Netzanbindung fällt. Für Verzögerungen beim Netzanschluss von Windparks haftet seitdem zu großen Teilen die Verbraucher, Netzbetreiber wie Tennet haben zudem mehr Spielraum beim Termin für den Anschluss von Windparks auf hoher See.

Aufgrund dieser politischen Rahmenbedingungen fehle laut EnBW nun die Basis für das Projekt. Brisant ist diese Entscheidung, da die grün-rote Landesregierung einer der Mehrheitseigner des Unternehmens ist und mit Hilfe der EnBW die Energiewende umsetzen will.

Mit dem Investitionsstopp setzt der seit Oktober amtierende neue Vorstandschef des staatlich kontrollierten Energieriesens, Frank Mastiaux, den Kurs seines Vorgängers fort: Hans-Peter Villis hatte bereits im August die Bundesregierung kritisiert, Zusagen für den Netzausbau nicht eingehalten zu haben.

Grundsätzlich halte EnBW aber an dem Ziel fest, den Park mit einer installierten Leistung von rund 500 Megawatt zu bauen.

EnBW baut nach dem Stopp von zwei seiner vier Atomkraftwerksblöcke im Jahr 2011 vor allem die erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung aus. Bis 2020 will der drittgrößte deutsche Energiekonzern deren Anteil verdoppeln.

Mit "Baltic 1" betreibt EnBW seit 2011 bereits einen Offshore-Windpark vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Es war der erste kommerzielle Windpark in der Ostsee, ist aber mit 21 Windrädern deutlich kleiner als der geplante "Hohe See". Zudem baut der Konzern derzeit bereits an "Baltic 2", der mit einer Leistung von 288 Megawatt bis zu 340.000 Haushalten versorgen soll. Der neue Park vor Rügen fällt noch unter den Bestandsschutz für die Offshore-Netzanbindung.

sun/dpa/dapd/Reuters



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 175 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Horst Pelzig 14.11.2012
1. Gut so!
Hier im Süden gibt's genug Wind(krafträder). Wozu denn teuer von zentralen Anbietern aus dem Norden per Kabel importieren?
ir² 14.11.2012
2.
Zitat von sysopGetty ImagesDer Energiekonzern EnBW legt die Pläne für seinen dritten Nordsee-Windpark vorerst auf Eis. Die Anbindung an das Stromnetz verzögert sich. Der Konzern fürchtet, auf seinen Investitionskosten sitzenzubleiben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/energiewende-enbw-stoppt-milliarden-windkraftprojekt-in-der-nordsee-a-867202.html
Das Abschalten im Panikgewitter nach Fukushima, das ging ganz schnell. Jetzt kommt der Katzenjammer, denn so wie geträumt funktioniert die "Energiewende" eben doch nicht. Hat im Etikrat wohl niemand so richtig verstanden.
ir² 14.11.2012
3.
Zitat von Horst PelzigHier im Süden gibt's genug Wind(krafträder). Wozu denn teuer von zentralen Anbietern aus dem Norden per Kabel importieren?
Hat was mit Windhöfigkeit, Jahresvollaststunden, Wirtschaftlichkeit ...zu tun, also alles Dinge, die bei den Protagonisten der "Energiewende" sowieso unverstanden sind.
acusticusneurinom 14.11.2012
4.
Zitat von ir²Hat was mit Windhöfigkeit, Jahresvollaststunden, Wirtschaftlichkeit ...zu tun, also alles Dinge, die bei den Protagonisten der "Energiewende" sowieso unverstanden sind.
...in anderen Regionen vom gleichen Unternehmen sehr wohl verstanden sind: Energiewende: EnBW stoppt Milliarden-Windkraftprojekt in der Nordsee - SPIEGEL ONLINE: Mit "Baltic 1" betreibt EnBW seit 2011 bereits einen Offshore-Windpark vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Es war der erste kommerzielle Windpark in der Ostsee, ist aber mit 21 Windrädern deutlich kleiner als der geplante "Hohe See". Zudem baut der Konzern derzeit bereits an "Baltic 2", der mit einer Leistung von 288 Megawatt bis zu 340.000 Haushalten versorgen soll. (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/energiewende-enbw-stoppt-milliarden-windkraftprojekt-in-der-nordsee-a-867202.html) Das alles ist natürlich "überhaupt nicht wirtschaftlich". Der Rückzug hat wohl eher damit zu tun, daß sich FDP-Kernkraftlobbyisten mal wieder profilieren wollen. Es geht nicht um Wirtschaftlichkeit sondern politische Machtspielchen. Die sind fern jeder Wirtschaftlichkeit. So einfach ist das - vor 2013.
u.loose 14.11.2012
5. Richtig formuliert...
der mit einer Leistung von 0,0 bis 288 Megawatt zwischen 0.0 und 340.000 Haushalte versorgen soll.... Wobei da auch noch die Frage zu stellen ist, wie man denn einen "Haushalt" berechnet. 288.000.000 Watt / 340.000 Haushalte sind nach meiner Sicht keine 850 Watt pro Nase.... ABer vielleicht komme ich ja mit den vielen Mega-Dingsbums durcheinander...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.