Energiewende: Netzagentur-Chef warnt vor Blackout-Panik

Neun Atomkraftwerke sind abgeschaltet, jetzt schüren Energielobbyisten Ängste vor dem großen Netzzusammenbruch - für Matthias Kurth eine Phantomdebatte. Im Interview warnt der Chef der Bundesnetzagentur vor Panikmache und erklärt, wie Deutschland die Energiewende schafft.

Strommasten: Hysterische Debatte um Netzausbau Zur Großansicht
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Strommasten: Hysterische Debatte um Netzausbau

SPIEGEL ONLINE: Herr Kurth, derzeit fragen sich viele Menschen, ob unsere Stromversorgung durch das Atommoratorium der Bundesregierung bedroht ist. Wie finden Sie die Blackout-Debatte?

Kurth: Oft oberflächlich und interessengeleitet.

SPIEGEL ONLINE: Ist die Angst vor dem großen Blackout nur ein Hirngespinst?

Kurth: Sie hat durchaus einen berechtigten Hintergrund. Aber die Art, wie über das Thema Versorgungssicherheit diskutiert wird, ist oft nicht hilfreich. Wir haben gerade einmal erste Daten gesammelt, welche Effekte der gleichzeitige Stillstand von acht Atomkraftwerken auf die Stromversorgung hat.

SPIEGEL ONLINE: So viel Unsicherheit trägt sicher nicht dazu bei, die Menschen zu beruhigen.

Kurth: Es wäre auch fatal, sich jetzt einfach zurückzulehnen und zu sagen: "Das wird schon alles." Meines Wissens wurde in Deutschland noch nie so viel zuverlässig abrufbarer Strom so schnell vom Netz abgeklemmt. Unsere Energieversorgung beruht zumindest für absehbare Zeit auf weniger Erzeugung. Jetzt aber in Panik zu verfallen, bringt nichts. Netz- und Kraftwerksbetreiber müssen analytisch und konsequent auf die neue Lage reagieren.

SPIEGEL ONLINE: Droht nun ein Blackout in Deutschland oder nicht?

Kurth: Nein. Nach allem, was unsere Erhebungen ergeben haben, sind die Effekte des Moratoriums auf die Netze beherrschbar. Verantwortungsvolles und umsichtiges Handeln ist allerdings mehr denn je gefragt.

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Grafiken: Wie das Moratorium die Stromnetze belastet
SPIEGEL ONLINE: E.on-Chef Johannes Teyssen und RWE-Boss Jürgen Großmann warnen vor dem Netzkollaps. Ist das verantwortungsvoll?

Kurth: Die Angst vor dem Blackout zu nutzen, halte ich für wenig zielführend. Sowohl technisch als auch rechtlich gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Kraftwerke anzuweisen und zu steuern, um einen Netzausfall zu verhindern.

SPIEGEL ONLINE: Diese Möglichkeiten zu benennen, ist auch Ihr Job, Herr Kurth. Was ist das größte Problem, das durch die Ausknips-Aktion der Regierung entsteht?

Kurth: Zum Beispiel muss die sogenannte Blindleistung im gesamten deutschen Netz erhalten bleiben. Das heißt: Es muss immer und überall eine ortsnahe Erzeugungskapazität gesichert sein, damit Strom ungehindert fließen kann.

SPIEGEL ONLINE: Warum ist dieser Zustand bedroht?

Kurth: Atomkraftwerke sind für die Blindleistung gut geeignet. Nun wurden vor allem im Süden Meiler vom Netz genommen. Kohle- und Gaskraftwerke müssen einspringen. Doch gerade im Süden stehen sie kurzfristig nicht so zahlreich als adäquater Ersatz bereit.

SPIEGEL ONLINE: Für die Betreiber von Kohlekraftwerken ist es obendrein ein Alptraum, dass sie jetzt die Netze stabilisieren müssen. Sie verkaufen durch den schwankenden Betrieb oft weniger Strom, verdienen also weniger Geld.

Kurth: Die Stabilität des Netzes hat absoluten Vorrang. Falls die nötige Kraftwerkleistung vorhanden ist, kann deren Schaltung im Bedarfsfall angeordnet werden. Die Kosten sind dann allerdings auch von den Verbrauchern zu tragen.

SPIEGEL ONLINE: Bislang sind die Netze stabil. Bleibt das so?

Kurth: Bestimmte Belastungssituationen müssen rechtzeitig analysiert werden, um vorbeugende Schritte festzulegen. Zum Beispiel im Sommer im Großraum Hamburg: Die Meiler Krümmel und Brunsbüttel sind wegen Reparaturen vom Netz, das AKW Unterweser wegen des Moratoriums. Jetzt soll auch noch der Meiler Brokdorf vom 11. bis zum 30. Juni in Revision. Die Netzstabilität ist dadurch gefährdet.

SPIEGEL ONLINE: Was schlagen Sie vor?

Kurth: Man könnte versuchen, Revisionen auf die Zeit nach dem Moratorium zu verschieben oder andere Zu- und Abschaltungen von Kraftwerken erwägen. Es ist wichtig, dass wir derartige Situationen schon jetzt bewerten.

SPIEGEL ONLINE: Versorgungssicherheit gegen Reaktorsicherheit - das ist nicht wirklich ein guter Tausch.

Kurth: Nicht jede verschobene Revision gefährdet die Sicherheit. Den Wechsel von Brennelementen etwa kann man verzögern, indem man Kraftwerke weniger auslastet oder andere Kraftwerke mobilisiert.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem - ist das nicht zu kurz gedacht? Immerhin ist davon auszugehen, dass fünf bis acht AKW nach dem Moratorium komplett stillgelegt werden. Ewig können Sie Revisionen nicht hinausschieben.

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Grafiken: Deutschlands Energiewirtschaft
Kurth: Nein, aber es kommen auch andere Maßnahmen zur Netzstabilisierung in Betracht. So könnten einige längst eingemottete Kohlekraftwerke wiederbelebt werden, um die Stromnetze zu stabilisieren. Das Wiederanfahren dauert allerdings einige Zeit.

SPIEGEL ONLINE: Klingt auch nicht besonders toll. Jetzt wollen Sie uralte CO2-Schleudern wiederbeleben, um aus der Kernkraft auszusteigen.

Kurth: Es geht nicht um ideale Lösungen, sondern darum, Schwankungen in den Netzen so lange auszugleichen, bis modernere neue Kraftwerke diese Aufgabe übernehmen. 2011 und 2012 gehen bereits einige ans Netz.

SPIEGEL ONLINE: Aber nur, wenn alles glattläuft. Nach SPIEGEL-Informationen verzögert sich der Bau mehrerer Kohlekraftwerke.

Kurth: Solche Probleme gilt es rasch zu beheben. Der Bau moderner Kraftwerke - vor allem moderner Gaskraftwerke - muss so weit wie möglich beschleunigt werden. Nur so kann der Atomausstieg funktionieren.

SPIEGEL ONLINE: Durch die erhöhten Stromflüsse ist in den Leitungen weniger Platz, um Ökostrom aus dem windreichen Norden in den stark industrialisierten Süden des Landes zu transportieren. Wie begegnet man diesem Problem?

Kurth: Zum einen wird zurzeit mehr Strom über Tschechien und Frankreich nach Deutschland geleitet. Zum anderen müssen Windräder bei Netzengpässen wohl in Zukunft weit öfter vom Netz abgeklemmt werden. Das ist für uns als Stromkunden ärgerlich, denn wir müssen den nichtabgenommenen Ökostrom trotzdem bezahlen.

SPIEGEL ONLINE: Klingt nach Verschwendung.

Kurth: In der Tat. Um diese zu verhindern, müssen rasch zahlreiche neue Stromleitungen gebaut werden, durch die der zusätzliche Windstrom dann fließen kann.

SPIEGEL ONLINE: Es wird viel darüber diskutiert, dass Deutschlands Stromimporte gestiegen sind (siehe Grafiken oben). Ist durch das Moratorium eine Stromlücke entstanden?

Kurth: Nein, alle deutschen Kraftwerke produzieren ohne die acht abgeschalteten Meiler noch immer etwas mehr Strom als Deutschland insgesamt verbraucht. Dass wir teilweise Elektrizität auch importieren, hat wirtschaftliche Gründe: Strom wird dort eingekauft, wo er am günstigsten ist. Das kann auch mal Frankreich oder Tschechien sein.

SPIEGEL ONLINE: Lobbyisten sagen, dass der Strompreis durch den Atomausstieg stark steigt. Aber stimmt das?

Kurth: Die Auswirkungen des Moratoriums auf den Strompreis sind zurzeit nicht dramatisch. Ob sich das ändert, hängt von einer Fülle von Variablen ab, die schwer abschätzbar sind. Seriöse Berechnungen dazu sind derzeit noch nicht möglich.

Revisions- und moratoriumsbedingt nichtverfügbare Kraftwerksleistung
Kraftwerk Leistung Primärenergie Beginn Ende
Philippsburg / KKP Block 1 890 Kernkraft Moratorium --
KW Biblis / Block A 1167 Kernkraft Moratorium --
KW Biblis / Block B 1240 Kernkraft Moratorium --
Unterweser 1345 Kernkraft Moratorium --
Neckarwestheim / GKN Block1 645 Kernkraft Moratorium --
Isar / Block 1 878 Kernkraft Moratorium --
KKW Krümmel 1345 Kernkraft Moratorium --
Brunsbüttel 771 Kernkraft Moratorium --
Lippendorf / Block R 890 Braunkohle 05.03.2011 07.06.2011
KW Heilbronn / Block 7 812 Steinkohle 19.03.2011 17.04.2011
Grafenrheinfeld / Block 1 1275 Kernkraft 26.03.2011 13.05.2011
Rostock / Block A 490 Steinkohle 02.04.2011 01.05.2011
KW Niederaußem / Block G 591 Braunkohle 09.04.2011 20.06.2011
KW Voerde / Block A 694 Steinkohle 09.04.2011 25.04.2011
KW Scholven / Block F 676 Steinkohle 16.04.2011 21.04.2011
KW Voerde / Block B 694 Steinkohle 30.04.2011 16.05.2011
KW Gundremmingen / Block B 1345 Kernkraft 02.05.2011 26.05.2011
Grohnde 1360 Kernkraft 03.05.2011 28.05.2011
Heyden 875 Steinkohle 07.05.2011 15.05.2011
KW Gersteinwerk / Block K2 588 Steinkohle 12.05.2011 15.07.2011
Philippsburg / KKP Block 2 1379 Kernkraft 14.05.2011 04.06.2011
Staudinger / Block 5 510 Steinkohle 14.05.2011 25.05.2011
KW KKE / Block A 1.400 Kernkraft 21.05.2011 08.06.2011
KW Ibbenbüren / Block B 709 Steinkohle 28.05.2011 08.06.2011
Boxberg / Block N 489 Braunkohle 29.05.2011 13.06.2011
KW Scholven / Block F 676 Steinkohle 04.06.2011 06.06.2011
Jänschwalde / Block B 490 Braunkohle 10.06.2011 21.06.2011
Brokdorf 1.410 Kernkraft 11.06.2011 30.06.2011
Lippendorf / Block S 890 Braunkohle 11.06.2011 26.06.2011
KW Zolling 450 Steinkohle 25.06.2011 03.10.2011
Quelle: Bundesnetzagentur

Das Interview führte Stefan Schultz

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1. ot
Gast100100, 24.04.2011
Herr Kurth widerspricht sich, wenn er die Blackout-Gefahr herunterspielt: SPIEGEL ONLINE: Diese Möglichkeiten zu benennen, ist auch Ihr Job, Herr Kurth. Was ist das größte Problem, das durch die Ausknips-Aktion der Regierung entsteht? Kurth: Zum Beispiel muss die sogenannte Blindleistung im gesamten deutschen Netz erhalten bleiben. Das heißt: Es muss immer und überall eine ortsnahe Erzeugungskapazität gesichert sein, damit Strom ungehindert fließen kann. SPIEGEL ONLINE: Warum ist dieser Zustand bedroht? Kurth: Atomkraftwerke sind für die Blindleistung gut geeignet. Nun wurden vor allem im Süden Meiler vom Netz genommen. Kohle- und Gaskraftwerke müssen einspringen. Doch gerade im Süden stehen sie kurzfristig nicht so zahlreich als adäquater Ersatz bereit
2. Verschiebebahnhof kaschiert Stromimporte
enlightenment 24.04.2011
Zitat von sysopNeun Atomkraftwerke sind abgeschaltet, jetzt schüren Energielobbyisten Ängste vor dem großen Netzzusammenbruch - für Matthias Kurth eine Phantomdebatte.*Im Interview*warnt der Chef der Bundesnetzagentur vor Panikmache und erklärt, wie Deutschland die Energiewende schafft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,758403,00.html
Augenwischerei! Der folgende Satz deutet die Wahrheit an: > Kurth: Zum einen wird zur Zeit mehr Strom > über Tschechien und Frankreich nach Deutschland geleitet. Es ist schlicht nicht wahr, dass hier Strom "geleitet" würde. Vielmehr läuft es physikalisch so: Norddeutschland liefert Strom an Frankreich und Tschechien. Dafür liefern Frankreich und Tschechien ihren Atomstrom nach Süddeutschland. Weil es ein Verschiebebahnhof ist, gilt es dann nicht als Stromimport. Aber klar ist: Ohne die Atomkraftwerke um uns herum gingen bei uns die Lichter aus. Da sollte sich niemand in die Tasche lügen.
3. Panik wurde vorher schon betrieben
Moebius07 24.04.2011
Zitat von sysopNeun Atomkraftwerke sind abgeschaltet, jetzt schüren Energielobbyisten Ängste vor dem großen Netzzusammenbruch - für Matthias Kurth eine Phantomdebatte.*Im Interview*warnt der Chef der Bundesnetzagentur vor Panikmache und erklärt, wie Deutschland die Energiewende schafft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,758403,00.html
Herr Kurth als SPD-Mitglied sollte nicht vergessen, das es gerade seine Partei, die Grünen und Greenpeace waren, die Panikmache vor einem Super-GAU betrieben haben. Wenn jetzt die Gegenseite vor einem Netzzusammenbruch in Folge von Abschaltungen warnt, ist es das gleiche gute Recht in einer Demokratie. Mir hat bis heute noch niemand plausibel von der Antienergielobbyisten erklärt, wie der schnelle Wegfall der Atomenergie aufgefangen werden soll. Insofern ist die Warnung vor einem Netzzusammenbruch gar nicht so abwägig...
4. Blackout
Zyklotron, 24.04.2011
Ein Blackout wird eher auftreten, weil die Netzbetreiber die Infrastruktur ihrer Netze sträflich vernachlässigen, die Wartung verschlampen und sich nicht gegen Katastrophen absichern. Ein Winter hat bereits gezeigt, was er mit Strommasten anstellt. Und auch in Deutschland musste die Feuerwehr schon zu brennenden Atomkraftwerksequipment ausrücken. Ein starker Ausbruch auf der Sonnenoberfläche und die daraus resultierenden EM-Störungen des Erdmagnetfeldes könnte die europäischen Stromnetze lahmlegen. Die Betreiber sichern nicht ab. In den USA ist so etwas bereits geschehen. Nordeuropa hat damit naturgegeben auch schon Erfahrungen.
5. Mainstream
Lobesamen 24.04.2011
Zitat von Gast100100Herr Kurth widerspricht sich, wenn er die Blackout-Gefahr herunterspielt: SPIEGEL ONLINE: Diese Möglichkeiten zu benennen, ist auch Ihr Job, Herr Kurth. Was ist das größte Problem, das durch die Ausknips-Aktion der Regierung entsteht? Kurth: Zum Beispiel muss die sogenannte Blindleistung im gesamten deutschen Netz erhalten bleiben. Das heißt: Es muss immer und überall eine ortsnahe Erzeugungskapazität gesichert sein, damit Strom ungehindert fließen kann. SPIEGEL ONLINE: Warum ist dieser Zustand bedroht? Kurth: Atomkraftwerke sind für die Blindleistung gut geeignet. Nun wurden vor allem im Süden Meiler vom Netz genommen. Kohle- und Gaskraftwerke müssen einspringen. Doch gerade im Süden stehen sie kurzfristig nicht so zahlreich als adäquater Ersatz bereit
Herr Kurth versucht halt reichlich ungeschickt, sich einem naiven Mainstream anzupassen, der da sagt: wer vor Blackout warnt, wenn die Atommeiler abgeschaltet werden, ist ein schlechter Mensch oder noch viel, viel schlimmer, ein unverbesserlicher, betonköpfiger Atomlobbyist.
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Zur Person
Bundesnetzagentur
Matthias Kurth ist seit 2001 Präsident der Bundesnetzagentur und bemüht sich dort unter anderem, den Wettbewerb im Energiesektor zu stärken. Er ist zudem Lehrbeauftragter an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Zuvor arbeitete er unter anderem als Richter am Landgericht Darmstadt und als Staatssekretät im hessischen Wirtschaftsministerium.

Bundesnetzagentur
Die Behörde existiert unter diesem Namen seit Juli 2005. Die Bundesnetzagentur, die vorher Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hieß, ist für die Beaufsichtigung und Regulierung der Energie-, Telekommunikations-, Post-, und Bahnnetze in Deutschland zuständig. Aufgabe der Bundesnetzagentur ist es, Wettbewerb in Monopolen zu ermöglichen und die Entstehung von Monopolen zu verhindern. Deswegen werden Märkte beobachtet, wettbewerbsgerechte Preise ermittelt und durchgesetzt. Die Bundesnetzagentur arbeitet weitgehend autark, ist aber hinsichtlich der politischen Hierarchie dem Bundeswirtschaftsministerium untergeordnet. ssu
Erwartete kommerzielle Inbetriebnahmen und endgültige Stilllegungen von Kraftwerken an den Netzen der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber
Kraftwerk Zubau* Rückbau* Zeitpunkt Energie-
träger
Neurath F 1050 2011/2012 Braunkohle
Neurath G 1050 2011/2012 Braunkohle
Walsum 10 750 2011/2012 Steinkohle
Westfalen D 750 2011/2012 Steinkohle
Westfalen E 750 2011/2012 Steinkohle
Lünen (TKL) 800 2011/2012 Steinkohle
Frimmersdorf E -150 2011/2012 Braunkohle
Frimmersdorf F -150 2011/2012 Braunkohle
Frimmersdorf I -150 2011/2012 Braunkohle
Frimmersdorf K -150 2011/2012 Braunkohle
Frimmersdorf L -150 2011/2012 Braunkohle
Frimmersdorf M -150 2011/2012 Braunkohle
Frimmersdorf N -150 2011/2012 Braunkohle
Frimmersdorf O -150 2011/2012 Braunkohle
Wilhelmshaven 750 2012 Steinkohle
Pleinting -694 2011 Öl
Staudinger 3 -293 2012 Steinkohle
Moorburg 1520 4. Quartal 2012 Steinkohle
Boxberg Block R 640 2. Quartal 2011 Braunkohle
Summe 8060 -2187
* Leistung in MW
Quelle: Bundesnetzagentur

Was kostet der Atomausstieg?
Zu den Kosten des Atomausstiegs kursieren verschiedene Zahlen. Die wichtigsten Werte im Überblick:
Privatwirtschaftliche Investitionen
Für den Atomausstieg müssen neue Windräder, Solaranlagen, Biomasseanlagen und Gaskraftwerke gebaut werden. Stromleitungen müssen ausgebaut werden. Hinzu kommen Investitionen in Energieeffizienz. Nach SPIEGEL-ONLINE-Berechnungen belaufen sich die Investitionen insgesamt auf rund 170 Milliarden Euro bis 2020. Andere Forschungsinstitute kommen auf ähnliche Werte.
Haushalt
Die Politik streitet vor allem darüber, was die Energiewende für Auswirkungen auf den Haushalt hat. Die im vergangenen Jahr beschlossene Brennelementesteuer etwa sollte der Regierung jährlich 2,3 Milliarden Euro bringen. Jetzt drohen die Energieversorger, gegen die Abgabe zu klagen - ihrer Ansicht nach war sie an die Laufzeitverlängerung gekoppelt. Manche fordern neue Subventionen für Industrien mit besonders hohem Energiebedarf.

Gleichzeitig verknüpft die Regierung Ausgaben mit dem Programm, die für den Atomausstieg gar nicht nötig sind: So will sie die Mittel für die Wärmedämmung alter Gebäude steigern. Generell gilt: Entschieden ist noch nichts - für Kostenberechnungen in puncto Haushalt ist es noch zu früh.
Strompreis
Die Preise für Endverbraucher werden auf absehbare Zeit nur wenig steigen. Denn der Strom, den sie beziehen, wird stets über mehrere Jahre eingekauft. Der aktuelle Preisschub fällt vorerst kaum ins Gewicht.

Bis Ende des Jahrzehnts könnte der Preis indes um mehrere Cent steigen. Allein durch den Netzausbau und die Großhandelspreise wäre ein Anstieg um drei Cent möglich - dazu kämen Milliardenkosten aus der EEG-Umlage.ssu