Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Schleppender Ausbau: Oettinger schlägt Verstaatlichung der Stromnetze vor

Der Öko-Boom erfordert einen Ausbau der Stromnetze, nun bringt der deutsche EU-Energiekommissar Günther Oettinger eine radikale Lösung ins Spiel: Die Leitungen könnten künftig vom Staat betrieben werden. Als Vorbild nennt der CDU-Politiker Spanien.

Überland-Leitungen in Hessen: Nicht billiger, aber schneller Zur Großansicht
DPA

Überland-Leitungen in Hessen: Nicht billiger, aber schneller

Hamburg - Es sollte das Vorzeigeprojekt der Regierung werden, doch bei der Energiewende hakt es überall. Besonders große Probleme bereitet der Ausbau der Stromnetze, mit denen künftig vor allem Windstrom von der Küste in den wirtschaftsstarken Süden transportiert werden soll. Rund 3800 Kilometer neue Hochspannungsnetze sollen in Deutschland gebaut werden, weitere 4400 Kilometer müssen optimiert werden. Die Kosten könnten bei bis zu 30 Milliarden Euro liegen.

Um den Ausbau zu beschleunigen, schlägt EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) nun vor, die bislang privaten Stromnetze teilweise zu verstaatlichen. "Das wäre vielleicht nicht billiger für die Verbraucher, aber der Netzausbau verliefe schneller und homogener", sagte Oettinger dem Magazin "Stern".

Als gelungenes Beispiel nannte Oettinger Spanien. Dort gebe es eine einzige Netzgesellschaft, an der der Staat maßgeblich beteiligt ist: Das funktioniere bestens, sagte der EU-Kommissar.

Zuletzt sorgten die Netzbetreiber in Deutschland mit der stark gestiegenen Ökostrom-Umlage für Schlagzeilen. Angesichts der steigenden Ausgaben forderte Oettinger eine Deckelung der öffentlichen Abgaben auf Strom. Diese müssten "endlich" begrenzt werden. In der Vergangenheit habe der Staat "immer, wenn ein Loch in der Kasse war, mit großem Erfindungsreichtum neue Energiesteuern eingeführt", kritisierte Oettinger. Das müsse ein Ende haben, um eine soziale Spaltung und ein Abwandern der Industrie zu verhindern.

Die Europäische Union hatte den Versorgern vorgeschrieben, ihre Stromnetze geschäftlich abzutrennen. Drei der vier großen Versorger in Deutschland haben sie bereits an private Unternehmen verkauft: So ging das Netz von E.on an die niederländische Firma Tennet, das von RWE an die Commerzbank und das von Vattenfall an einen Finanzinvestor. Eine Neuordnung unter einem gemeinsamen Dach sei noch möglich und nach europäischem Recht auch zulässig, sagte Oettinger.

Auf die deutschen Verbraucher kommen im nächsten Jahr voraussichtlich Mehrkosten beim Strom zu. Über sie werden die Kosten für die garantierte Einspeisevergütung für Ökostrom auf die Stromkunden verteilt. Aber auch andere Kosten haben Einfluss auf den Strompreis, zum Beispiel der Netzausbau. Laut "Stern" ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage, dass 71 Prozent der Deutschen künftig Strom sparen wollen. 45 Prozent planen, sich energieeffiziente Geräte zu kaufen.

dab/dpa/AFP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 75 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Titelzwang
inhabitant001 17.10.2012
Mit anderen Worten: Kosten sozialisieren, Profite privatisieren.
2.
CaptainSubtext 17.10.2012
---Zitat von Artikel--- Deutschland kämpft mit dem Netzausbau. Der deutsche EU-Energiekommissar Günther Oettinger bringt eine radikale Lösung ins Spiel: Die Leitungen könnten künftig vom Staat betrieben werden. Als Vorbild nennt Oettinger Spanien.] ---Zitatende--- Ich habe eine viel radikalere Idee. 1. Wir verstaatlichen komplett. 2. Wir investieren Milliarden in den Netzausbau. 3. Wir verkaufen das Netz für nen Appel un nen Ei an irgendwelche Politiker-Spezies, die dafür diesen Politikern Beraterverträge nach Ende ihrer Laufbahn anbieten. Infrastruktur gehört in Staatshand. Basta. Da ist nichts radikal dran.
3. Ja genau...
fatherted98 17.10.2012
...wenn die Infrastruktur Geld kostet...diese schnell verstaatlichen und die Kosten sozialisieren...sind die Infrastrukturen da und vom Bürger bezahlt, gleich wieder privatisieren....und Oettinger in den Vorstand....
4. Oettinger....
Highfreq 17.10.2012
....hat wohl zuviel an demselbigen gelutscht. Der bringt einen Brüller nach dem anderen. Weil der Staat den Ausbau dann auch vorantreiben wird.
5.
a-synchron 17.10.2012
Zitat von sysopDPADeutschland kämpft mit dem Netzausbau. Der deutsche EU-Energiekommissar Günther Oettinger bringt eine radikale Lösung ins Spiel: Die Leitungen könnten künftig vom Staat betrieben werden. Als Vorbild nennt Oettinger Spanien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/energiewende-oettinger-schlaegt-teilverstaatlichung-der-stromnetze-vor-a-861831.html
Bestens für wen? (Doch nicht etwa für den Endverbraucher?)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Interaktive Grafik
Fotostrecke
Grafiken: Wo kommt 2030 unsere Energie her?


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: