Energiewende: Regierung erwartet stark steigenden Strompreis

Bis zu 175 Euro im Jahr: So viel könnte die Energiewende nach SPIEGEL-Informationen deutsche Haushalte kosten. Das Wirtschaftsministerium und ein Forschungsinstitut rechnen mit einem kräftigen Preisanstieg.

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DPA

Überlandleitungen in Sachsen:

Hamburg - Wie teuer wird die Energiewende wirklich? Diese Frage wird heiß diskutiert, seitdem die schwarz-gelbe Bundesregierung sich zum schnellen Ausstieg aus der Atomenergie entschieden hat. Bislang versichern Vertreter der Bundesregierung noch, dass die Energiewende die Bundesbürger kaum belaste.

Nach Informationen des SPIEGEL müssen die Deutschen in Folge der Beschlüsse jedoch mit drastisch steigenden Strompreisen rechnen. Das geht aus einer internen Berechnung des Bundeswirtschaftsministeriums hervor. Demnach wird erwartet, dass die Kilowattstunde Strom zunächst um 0,5 bis 1,5 Cent teurer wird. Mittelfristig könne der Strompreis um bis zu fünf Cent steigen.

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung rechnet laut SPIEGEL ebenfalls mit einem deutlichen Preisschub um bis zu fünf Cent. Ursache sei der planlose Ausbau der erneuerbaren Energien, vor allem der zu teuren und ineffizienten Photovoltaik.

Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden würde demnach um bis zu 175 Euro zusätzlich im Jahr belastet. Dieser Anstieg geht deutlich über frühere Vorhersagen hinaus. So hatte EU-Energiekommissar Günther Oettinger gesagt, es gehe "um ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde". Zwar sind die Deutschen laut einer Umfrage bereit, für atomkraftfreien Strom Mehrkosten in Kauf zu nehmen. Allerdings nannte eine Mehrheit dabei einen monatlichen Zusatzbetrag von zehn Euro als Schmerzgrenze.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lobte die Energiewende am Samstag als "einzigartige Chance" für ihre Partei. Beim Landesparteitag der baden-württembergischen CDU in Ludwigsburg sagte Merkel: "Ich traue Grünen und SPD nicht zu, dass sie die Energiewende schaffen, und dass Deutschland umweltfreundlich und Industrieland bleiben kann." Die CDU sei schon immer erfolgreich dabei gewesen, "wirtschaftliche Stärke, Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit zusammenzubringen".

dab/dpa

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insgesamt 2412 Beiträge
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1. ***
eulenspiegel 47 23.07.2011
Zitat von sysopBis zu 175 Euro im Jahr: So viel könnte die Energiewende nach SPIEGEL-Informationen deutsche Haushalte kosten. Das*Wirtschaftsministerium und ein Forschungsinstitut rechnen mit einem kräftigen Preisanstieg. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,776132,00.html
Dann aber schnell die Diäten erhöhen, Nicht dass es Euch schlechter geht.
2. Ja, da wird doch mal vorgebaut...
sappelkopp 23.07.2011
...denn die großen vier Energieerzeuger werden mit ihren Klagen gegen den Atomausstieg vor Gericht obsiegen. Weil das Gesetzt mit der heißen Nadel genäht wurde. Und der Verbraucher wird denen noch Schadenersatz zahlen dürfen.
3. Und ich traue dieser Madame alles zu...
Roueca 23.07.2011
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lobte die Energiewende am Samstag als "einzigartige Chance" für ihre Partei. Beim Landesparteitag der baden-württembergischen CDU in Ludwigsburg sagte Merkel: "Ich traue Grünen und SPD nicht zu, dass sie die Energiewende schaffen, und dass Deutschland umweltfreundlich und Industrieland bleiben kann." Die CDU sei schon immer erfolgreich dabei gewesen, "wirtschaftliche Stärke, Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit zusammenzubringen". ...nur nichts Gutes für das Volk, dieser Wendehals. Die gehört mitsamt ihren Hampelmännern auf den Mars geschossen, auf nimmer Wiedersehen. Schlimmer geht es nimmer!
4. Wer hätte das gedacht..
AUXEROIS 23.07.2011
Zitat von sysopBis zu 175 Euro im Jahr: So viel könnte die Energiewende nach SPIEGEL-Informationen deutsche Haushalte kosten. Das*Wirtschaftsministerium und ein Forschungsinstitut rechnen mit einem kräftigen Preisanstieg. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,776132,00.html
.. dass das mehr wird, als die paar 5 euro 20, die der Röttgen mit der Bundeshosenträgerin verzapfen. Da auch die energieintensive Industriefertigung massiv teurer wird, wird es erkleckliche Inflationsraten geben.
5. Gegenrechnung
weltbetrachter 23.07.2011
Eingespart werden die Mittel für Castor-Transporte und deren Polizeieinsätze, Energiekonzernsubventionen usw. usw. usw. An den Entlagerkosten muß man eben auch die Energieerzeuger beteiligen, die jahrzehntelang mit Atomkraft entsprechende Gelddruckmaschinen betrieben haben.
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Was kostet der Atomausstieg?
Zu den Kosten des Atomausstiegs kursieren verschiedene Zahlen. Die wichtigsten Werte im Überblick:
Privatwirtschaftliche Investitionen
Für den Atomausstieg müssen neue Windräder, Solaranlagen, Biomasseanlagen und Gaskraftwerke gebaut werden. Stromleitungen müssen ausgebaut werden. Hinzu kommen Investitionen in Energieeffizienz. Nach SPIEGEL-ONLINE-Berechnungen belaufen sich die Investitionen insgesamt auf rund 170 Milliarden Euro bis 2020. Andere Forschungsinstitute kommen auf ähnliche Werte.
Haushalt
Die Politik streitet vor allem darüber, was die Energiewende für Auswirkungen auf den Haushalt hat. Die im vergangenen Jahr beschlossene Brennelementesteuer etwa sollte der Regierung jährlich 2,3 Milliarden Euro bringen. Jetzt drohen die Energieversorger, gegen die Abgabe zu klagen - ihrer Ansicht nach war sie an die Laufzeitverlängerung gekoppelt. Manche fordern neue Subventionen für Industrien mit besonders hohem Energiebedarf.

Gleichzeitig verknüpft die Regierung Ausgaben mit dem Programm, die für den Atomausstieg gar nicht nötig sind: So will sie die Mittel für die Wärmedämmung alter Gebäude steigern. Generell gilt: Entschieden ist noch nichts - für Kostenberechnungen in puncto Haushalt ist es noch zu früh.
Strompreis
Die Preise für Endverbraucher werden auf absehbare Zeit nur wenig steigen. Denn der Strom, den sie beziehen, wird stets über mehrere Jahre eingekauft. Der aktuelle Preisschub fällt vorerst kaum ins Gewicht.

Bis Ende des Jahrzehnts könnte der Preis indes um mehrere Cent steigen. Allein durch den Netzausbau und die Großhandelspreise wäre ein Anstieg um drei Cent möglich - dazu kämen Milliardenkosten aus der EEG-Umlage.ssu