Streit um Stromsubventionen Vattenfall stellt sich gegen RWE und E.on

Der Energieriese Vattenfall widerspricht Konkurrenten wie E.on und RWE. Anders als die deutschen Unternehmen erklärt der schwedische Staatskonzern sogenannte Kapazitätsmärkte für alte Kraftwerke in einer internen Analyse bis mindestens 2020 für überflüssig.

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Windrad gegen Steinkohle: Die Branche streitet um Kapazitätsmärkte
dapd

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Hamburg - Der Energieversorger Vattenfall hält sogenannte Kapazitätsmärkte zur Unterstützung der Energiewende nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen vorerst für überflüssig. Deutschland habe noch "bis mindestens 2020" große Überkapazitäten bei den fossilen Kraftwerken, heißt es in einer internen Analyse des Konzerns. Es gebe bis dahin "allenfalls regionale Kapazitätsprobleme", die sich aber durch einen "zügigen Ausbau der Übertragungsnetze" lösen ließen.

Die Einschätzung von Vattenfall ist bemerkenswert, denn sie widerspricht der Darstellung der Konkurrenten E.on und RWE Chart zeigen, eine rasche Einführung von Kapazitätsmärkten sei dringend erforderlich. Bei Vattenfall dringt der schwedische Staat, der Eigentümer des Konzerns ist, auf eine klimafreundliche Ausrichtung des Energiegeschäfts

Hinter dem Stichwort der Kapazitätsmärkte steckt die Idee, Kraftwerksbetreiber für das Vorhalten von Energiekapazitäten finanziell zu entlohnen. Hintergrund ist der stetig steigende Anteil erneuerbarer Energien, während zugleich konventionelle Kraftwerke vom Netz gehen. Wegen der Schwankungen bei Wind- und Sonnenenergie, so die Argumentation, müssten teilweise fossile Kraftwerke als Reservekapazitäten verfügbar sein, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Vattenfall Chart zeigen erwartet nicht, dass mehr Kraftwerke vom Netz gehen, als die deutsche Stromversorgung verkraften kann. "Wenn die unwirtschaftlichsten Kraftwerke ausscheiden, erholt sich das Strompreisniveau wieder, und die verbleibenden vorher unwirtschaftlichen Kraftwerke erlösen wieder ihre fixen Kosten", heißt es in dem Positionspapier. Die "sofortige Einführung von flächendeckenden Kapazitätsmechanismen" sei daher "nicht zielführend". Es sei vorerst ausreichend, dass die Regierung einige Kraftwerke bestimme, die in Phasen besonders hohen Stromverbrauchs als strategische Reserve bereitstehen könnten.

Das Positionspapier ist Vattenfall-Europe-Chef Tuomo Hatakka bekannt. Allerdings wolle sich der Manager öffentlich nicht völlig auf diese Position festlegen, heißt es in Konzernkreisen. Die Analyse gebe nur den aktuellen Informationsstand wieder, der rasante Wandel am Energiemarkt mache dauerhafte Prognosen schwierig. Ein Sprecher von Vattenfall wollte sich zu dem Papier auf Anfrage nicht äußern.

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