Energiewende: Vorwärts in die Schwarmstrom-Revolution

Von

E-Autos, intelligente Waschmaschinen, Kleinkraftwerke im Keller: Deutschland steht vor einer Energierevolution. SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Zukunftsmärkte in der neuen Superbranche entstehen - und wie sich die Machtverhältnisse zwischen Verbrauchern und Versorgern ändern.

E-Auto und Co.: Bausteine der Energie-Revolution Fotos
MeRegio

Hamburg - Das Energienetz der Zukunft ist eine der kühnsten Visionen der Menschheit. Gigantische Windparks auf dem Meer und riesige Solarfelder in der Wüste sollen künftig den Großteil unseres Stroms produzieren. Auch Verbraucher und Firmen erzeugen durch Mini-Kraftwerke im eigenen Keller oder durch Solarpanels auf dem Dach Energie. Und in den Häusern arbeiten schlaue Geräte: Waschmaschinen, Trockner oder Kühlschränke, die miteinander kommunizieren - und die immer dann waschen, trocknen oder kühlen, wenn Strom am günstigsten ist. Das Informationszeitalter erreicht eine neue Stufe: Es wird zum Elektrozeitalter.

In sechs Regionen Deutschlands steht dieses Zeitalter unmittelbar bevor: Die Zukunftstechnologie für schlaues Energiemanagement wird unter dem Label E-Energy in mehreren Städten entwickelt und getestet. Ab Oktober gehen viele der Projekte in die heiße Phase. Zigtausende Haushalte und Hunderte Unternehmen werden bis 2011 in Feldversuche eingebunden. Erforscht werden dabei etwa Häuser, die den eigenen Stromhaushalt weitgehend automatisch managen, und Energiebörsen, an denen Verbraucher selbstproduzierten Ökostrom möglichst gewinnbringend verkaufen.

Für die Entwicklung der Technologie und die Tests haben Wirtschafts- und Umweltministerium gemeinsam mit IT-Konzernen wie Siemens Chart zeigen, SAP Chart zeigen oder IBM Chart zeigen und Stromriesen wie EnBW Chart zeigen, RWE Chart zeigen oder Vattenfall Chart zeigen rund 140 Millionen Euro mobilisiert. 60 Millionen stellt der Staat zur Verfügung; den Rest bringen die großen Industriepartner zusammen mit Stadtwerken und kleineren, innovativen Technologiepartnern auf. Nach den Worten von Ludwig Karg, der mit einer Gruppe von Wissenschaftlern und Kommunikationsexperten die Feldversuche in den Modellregionen erforscht, soll E-Energy zur Initialzündung der deutschen Energierevolution werden. "Wir eröffnen für deutsche Unternehmen den Zugang zu neuen Milliardenmärkten", kündigt er an.

Konzerne formen neue Superbranche

Tatsächlich kann das Projekt E-Energy vieles beschleunigen. Es kann helfen, die Bevölkerung über neue Technologie aufzuklären. Die Energierevolution indes ist bereits im vollen Gange. In den vergangenen Monaten sind zahlreiche spektakuläre Zukunftsprojekte gestartet:

  • Das Bundeskabinett hat Mitte September einen massiven Ausbau der Stromerzeugung durch Meereswindparks abgesegnet.
  • Konzerne wie die Münchner Rück, Siemens, die Deutsche Bank, E.on oder RWE wollen unter dem Namen Desertec riesige Sonnenkraftwerke in der Sahara bauen.
  • Der Autobauer Volkswagen will zusammen mit dem Ökostromerzeuger Lichtblick 100.000 Mini-Kraftwerke direkt beim Verbraucher installieren - und stößt bereits wenige Tage nach Ankündigung des Projekts auf rege Nachfrage.
  • Der Zulieferer Bosch übernahm 2008 den Solarzellenhersteller Ersol - und schraubt Marktgerüchten zufolge bereits an einem Auto, das Strom aus der Sonne tankt.
  • Der IT-Riese Cisco testet zusammen mit einem großen europäischen Netzbetreiber das Stromnetz der Zukunft. Bis Mitte 2010 will der Konzern die Stromleitungen, Umspannwerke und Ortsstationen einer ganzen Region mit Informationstechnologie aufgerüstet haben.
  • Der Suchmaschinengigant Google drängt ins schlaue Stromnetz. Das US-Unternehmen tüftelt an einer ans Internet gekoppelten Überwachungstechnik, mit der Haushalte ihren Energieverbrauch genau prüfen und schon mit einfachen Maßnahmen um durchschnittlich 15 Prozent senken sollen.

Die Umwälzungen, die diese Projekte in Gang setzen, sind gewaltig: Strom- und IT-Märkte bewegen sich aufeinander zu, die Autoindustrie wird mittelfristig folgen. Eine neue Superbranche mit erweiterten Konkurrenzverhältnissen und potentiellen Partnerschaften entsteht. Der schwächelnden Autoindustrie bieten sich neue Geschäftsfelder, Strom- und IT-Konzernen sowie innovativen Start-ups eröffnen sich gewaltige Wachstumsmöglichkeiten.

"Das größte Infrastukturprojekt aller Zeiten"

Auch die Verbraucher profitieren von der Energiewende - und mit ihnen die Umwelt: Schätzungen der Regierung zufolge könnten durch ein effizienteres Management der Stromversorgung jährlich zehn Terawatt-Stunden Energie eingespart werden. Das entspricht dem Jahresverbrauch von 2,5 Millionen Haushalten. Márta Nagy-Rothengass, Referatsleiterin für Informationstechnologie bei der Europäischen Kommission, nennt die Modernisierung des Energienetzes eine "Win-Win-Situation" für alle Beteiligten.

Branchenexperten drängen darauf, dass Deutschland eine internationale Spitzenreiterrolle in diesem Zukunftsmarkt einnimmt, dass die Technologien, die aktuell getestet werden, zum Exportschlager werden. Und E-Energy-Experte Karg, der das Projekt gerade auf der Messe GridWeek in Washington vorgestellt hat, berichtet, dass die Amerikaner bei der Modernisierung der Stromnetze intensiv mit deutschen Unternehmen zusammenarbeiten wollen.

Riesige Wachstumspotentiale in China und Amerika

Doch die Konkurrenz ist groß: Die Internationale Energieagentur rechnet bis 2030 weltweit mit Investitionen von mehreren Billionen Dollar in Energieerzeugung, Verbrauchsmanagement und die Modernisierung der Stromnetze. "Die Energiewende ist das größte Infrastrukturprojekt des nächsten Jahrzehnts", sagt Christian Feißt, Leiter Geschäftsentwicklung SmartGrid bei Cisco.

In Ländern wie China gibt es nicht nur den größten Bedarf für ein intelligentes Stromnetz; die Volksrepublik arbeitet auch selbst intensiv an den technischen Bausteinen dafür. Auch die Amerikaner steigen im großen Stil in die Zukunftstechnologie ein. Von den 39 Milliarden Dollar, die Präsident Barack Obama in seinem Konjunkturpaket zur Förderung grüner Technologien bereitstellt, sollen mehr als vier Milliarden in den Strommarkt fließen. Hunderte von Förderanträgen sind eingereicht worden. Dutzende US-Start-ups produzieren Hard- und Software, mit der Endverbraucher ihren Energiebedarf in Echtzeit überwachen oder den Verbrauch automatisch regulieren können.

Lesen Sie auf SPIEGEL ONLINE, wie sich Deutschland für das Energiezeitalter rüstet, welche Zukunftsmärkte dabei entstehen - und wie sich die Machverhältnisse zwischen Verbrauchern und Energieerzeugern verändern.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Verlieren die Energieriesen die Kontrolle?
insgesamt 459 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Die werden nicht weniger verdienen!!!
querdenker13 30.09.2009
Zitat von sysopEE-Autos, intelligente Waschmaschinen, Kleinkraftwerke im Keller: Deutschland steht vor einer Energierevolution. Die Kräfteverhältnisse zwischen Verbrauchern und Versorgern verschieben sich dabei grundlegend. verlieren die Konzerne die Kontrolle? Oder werden sie ihre Macht zementieren?
Die großem 4 werden immer Mittel und Wege finden der Bevölkerung das Geld aus der Tasche zu ziehen.
2.
Rainer Daeschler 30.09.2009
Zitat von sysopverlieren die Konzerne die Kontrolle? Oder werden sie ihre Macht zementieren?
So lange sie Mittel und Wege finden politische Entscheidungsträger zu verwöhnen, wird ihnen die Kontrolle nicht entgleiten. Man muss sie nur in Beiräten einbinden und kann sie so mit verhältnismäßig geringen Beträgen, wie 3100,- € im Jahr, gewogen halten. Erwartet man mehr von den Begünstigten, offeriert man Aufsichtsratssitze in Töchtern, das ist nicht so auffällig wie bei der Konzernmutter selber, oder auch berufliche Perspektiven.
3.
Hartmut Dresia 01.10.2009
Zitat von querdenker13Die großem 4 werden immer Mittel und Wege finden der Bevölkerung das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Grundsätzlich gehören Energieversorgungsunternehmen in öffentliche Hände. Hier sind die Kommunen besonders gefordert, da zum Beispiel über Gewinne der Energieversorger der öffentliche Personennahverkehr gefördert werden kann. Gerdae jetzt, da dem Arbeitsmarkt das Wasser bis zum Hals steht (http://www.plantor.de/2009/dem-arbeitsmarkt-steht-das-wasser-bis-zum-hals/), wären EVU in öffentlicher Hand auch sehr geeignet, um wirkungsvolle arbeitsmarktpolitische Impulse zu unterstützen.
4.
AndyH 01.10.2009
Zitat von Hartmut DresiaGrundsätzlich gehören Energieversorgungsunternehmen in öffentliche Hände. Hier sind die Kommunen besonders gefordert, da zum Beispiel über Gewinne der Energieversorger der öffentliche Personennahverkehr gefördert werden kann.
Das hatten wir schon. Soll man zurückverstatlichen?
5.
Rainer Daeschler 01.10.2009
Zitat von AndyHDas hatten wir schon. Soll man zurückverstatlichen?
Dafür spricht einiges, doch in der Praxis nicht in allen Fällen machbar. Schließlich wurden auch ausländische Staastunternehmen eingeladen, sich in Deutschland dumm und dämlich zu verdienen. Frankreich mit 45,01% an der EnBW Schweden mit 100% an Vattenfall Das gibt einen internationalen Scherbenhaufen, wenn man versucht ihnen diese Pfründe wieder zu entreißen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Erneuerbare Energien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
VERALTET Ökostrom: Kosten und Nutzen im Überblick

Fotostrecke
Windräder vor der Küste: Ökostrom aus Nord- und Ostsee
Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.