Energiewirtschaft: Wie eine Sicherheitsfirma Öko-Aktivisten ausspähte
Brisante Enthüllung im Energiesektor: Eine Sicherheitsfirma hat E-Mail-Verteiler und geheime Strategiegespräche von Öko-Aktivisten ausgespäht. Hinter dem Auftrag soll, neben zwei britischen Unternehmen, auch der deutsche E.on-Konzern stecken. Dieser relativiert die Vorwürfe.
Hamburg - Es ist eine Enthüllung, die für alle Seiten peinlich ist: für diejenigen, die spioniert haben ebenso wie für die, die sich haben ausspionieren lassen. Laut einem Bericht des "Guardian" haben drei Großkonzerne eine Sicherheitsfirma bezahlt, die verschiedene Umweltaktivisten-Gruppen ausspioniert hat.
Bei der Firma handelt es sich um das Unternehmen Vericola, das nach eigenen Angaben "Risikomanagement" betreibt. Auftraggeber waren laut "Guardian" zwei britische Unternehmen und der deutsche Energieriese E.on.
Die Zeitung beruft sich auf zahlreiche Dokumente, laut denen Vericola-Chefin Rebecca Todd auf vielfältige Weise versucht hat, Aktivistennetzwerke auszuspähen. In den vergangenen drei Jahren habe sie unter anderem folgendes getan:
- Sie habe sich mehrere E-Mail-Adressen zugelegt und sich auf die Verteiler von Öko- und Anti-Kapitalismusaktivisten setzen lassen, um frühzeitig Informationen über Protestaktionen abzugreifen. Unter anderem sei es um Demonstrationen gegen den G-20-Gipfel in London, gegen E.ons Kraftwerk Kingsnorth und gegen die Expansion des Heathrow-Flughafens gegangen.
- Vergangenen Juli habe Vericola Details über Aktivisten der Bürgerbewegung Climate Camp an zwei britische Energiemanager weitergeleitet.
- Aktivisten gaben zudem an, Todd habe 2007 bis 2008 regelmäßig an Treffen der Umweltschutzorganisation Rising Tide teilgenommen.
- Die Papiere, die dem "Guardian" vorliegen, sollen zudem dokumentieren, wie Todd Kollegen Anweisungen gab, wie man sich bei Aktivistentreffen möglichst unauffällig einschmuggeln kann.
Öffentlich wurden die Dokumente offenbar, nachdem Vertreter der britischen Polizei sich darüber rechtfertigen mussten, dass ihre eigenen verdeckten Ermittler in Umweltorganisationen aufgeflogen seien. Für Furore sorgte vor allem die Enttarnung des Ermittlers Mark Kennedy, der jahrelang unter dem Alias Mark Stone linke Protestgruppen in Europa infiltrierte und sich letztlich wohl etwas zu stark mit einigen davon identifizierte. In privater Runde hätten sich Polizisten darüber beschwert, dass Unternehmen mittlerweile weit mehr Spitzel in den Netzwerken hätten als sie selbst - und dass dies ein Problem sei, weil sich diese freien Ermittler kaum kontrollieren ließen.
Todd bestätigte gegenüber dem "Guardian", für Energiekonzerne Informationen zusammenzutragen. Sie betonte jedoch, keine Treffen von Aktivisten zu infiltrieren - obwohl die vorliegenden Dokumente genau das belegen sollen.
Die Organisation Climate Camp zeigt sich erbost über die Aktivitäten der Firma Vericola. Es sei gar nicht möglich gewesen, auf einige E-Mail-Verteiler zu kommen, ohne an bestimmten Treffen teilgenommen zu haben. Auf den Zusammenkünften seien zum Teil zentrale Strategien besprochen worden. Wie gut oder schlecht die Sicherheitsvorkehrungen für solch offenkundig wichtige Treffen waren, sagte der Sprecher nicht.
E.on bestätigte dem "Guardian", die Firma beauftragt zu haben - allerdings habe man nur darum gebeten, öffentlich zugängliche Informationen zu bündeln. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, wie E.on sichergestellt hat, dass keine Informationen verwertet worden sind, die durch heimliche Spitzelaktionen gesammelt wurden, sagte ein Konzernsprecher, Vericola sei ausschließlich damit beauftragt worden, "Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen, insbesondere Websites, zu sammeln, zu bewerten und zur Verfügung zu stellen". Es habe keinen Auftrag gegeben, hierzu E-Mail-Services zu nutzen oder an Veranstaltungen teilzunehmen.
ssu
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- Dienstag, 15.02.2011 – 18:34 Uhr
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Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.
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