Paris - Der für einen der größten Spekulationsverluste aller Zeiten verantwortliche französische Börsenhändler Jérôme Kerviel hat kurz vor seinem Prozess ein Enthüllungsbuch geschrieben. Auf 270 Seiten berichtet er nach eigenen Angaben detailliert über seine verhängnisvolle Zeit bei der Pariser Großbank Société Générale. Zwei Jahre lang sei sein Name durch den Schmutz gezogen worden. Er sei ein Mann, der zu seinen Fehlern stehe, lehne es jedoch ab, für ein verrückt gewordenes Finanzsystem zu büßen, schreibt der 33-Jährige.
In dem Buch, das unter dem Titel "L'engrenage - Mémoires d'un trader" (deutsch: Das Räderwerk - Erinnerungen eines Traders) im Verlag Flammarion erscheint, thematisiert er die Vorwürfe gegen seine Person sowie seine Zeit im Gefängnis. Er hoffe, damit einen Beitrag zur öffentlichen Diskussion über Bankerpraktiken leisten zu können, zitiert die französische Zeitung "Le Figaro".
Kerviel hatte bei der Société Générale auf die Entwicklung von Aktienindizes wie den deutschen DAX spekuliert und den für seine Position zulässigen Rahmen weit überschritten. Nach Milliardengewinnen im Jahr 2007 hatte er kein glückliches Händchen mehr und verlor. Mit immer höheren Einsätzen versuchte er die Verluste wettzumachen. Als die Affäre aufflog, schloss die Bank alle offenen Positionen Kerviels und verbuchte insgesamt einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro.
Jetzt drohen Kerviel fünf Jahre Haft sowie 375.000 Euro Geldstrafe wegen Untreue, Dokumentenfälschung und Manipulation von Computerdaten. Der Prozess gegen ihn soll am 8. Juni beginnen. Dem "Figaro"-Bericht zufolge soll Kerviel sein Buch am Sonntagabend im französischen Fernsehen vorstellen.
can/dpa
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