Von Stefan Kaiser
Hamburg - Martin Winterkorn steht alleine an der Spitze. Knapp 17,5 Millionen Euro kassierte der Vorstandsvorsitzende des Volkswagen-Konzerns im vergangenen Jahr - so viel wie kein anderer Chef eines Dax-Unternehmens. Doch der Trend ist eindeutig: Seit Jahren steigen die Bezüge der Konzernlenker kräftig an - selbst die tiefe Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 hat nur eine kleine Delle in der Gehaltsentwicklung hinterlassen.
Die Löhne der normalen Beschäftigten sind laut dem Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung zwischen 2003 und 2011 nur um rund 18 Prozent gestiegen. Inflationsbereinigt ist von diesen Gehaltssteigerungen kaum etwas übrig geblieben. Die Einkommen der Konzernchefs hingegen haben sich im gleichen Zeitraum etwa verdoppelt.
Das geht aus den Daten der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hervor, die jährlich die Gehälter der Vorstandschefs zusammenträgt. In den ersten Jahren war das noch ziemlich schwierig, da die Unternehmen häufig noch keine individuellen Vorstandsgehälter veröffentlichten. Auch die aktienkursbezogene Vergütung ist erst seit 2006 Bestandteil der Daten.
Demnach zahlten die 24 Konzerne, die seit dem Jahr 2003 ununterbrochen dem wichtigsten deutschen Aktienindex Dax angehören, ihren Vorstandschefs damals im Schnitt 2,6 Millionen Euro. Im Jahr 2010 waren es schon 5,1 Millionen Euro. Für das Jahr 2011 hat erst gut die Hälfte der Konzerne die Gehälter veröffentlicht. Doch der Trend ist eindeutig: Bisher liegt der Durchschnitt laut Daten der Unternehmensberatung Towers Watson bei 6,6 Millionen Euro pro Konzernchef.
Von der Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 haben sich die Großunternehmen zumindest bei der Bezahlung ihrer Top-Kräfte nur vorübergehend beeindrucken lassen. Zwar sank das durchschnittliche Gehalt in diesen beiden Jahren leicht, doch schon 2010 erreichte es wieder einen neuen Rekordwert. Damit haben sich die Gehälter der Bosse deutlich schneller erholt, als die deutsche Wirtschaftsleistung, die 2009 um fünf Prozent eingebrochen war und erst 2011 wieder ihr Vorkrisenniveau erreichte.
Am steilsten nach oben ging es für VW-Chef Winterkorn, aber auch Wolfgang Reitzle von Linde
und Herbert Hainer von Adidas
konnten ihre Gehälter seit 2003 mehr als verdreifachen. Für Ben Lipps, den Chef des Medizintechnikkonzerns Fresenius Medical Care
, steht sogar eine Steigerung um 400 Prozent zu Buche - also eine Verfünffachung.
Größter Verlierer ist Commerzbank
-Chef Martin Blessing. Während sein Vorgänger Klaus-Peter Müller im Jahr 2006 noch 3,8 Millionen Euro einstrich, muss sich Blessing seit 2008 mit einem Minigehalt zwischen 500.000 und 600.000 Euro zufrieden geben. Der Bund hatte die Vorstandsgehälter entsprechend gedeckelt, als er die Bank 2008 mit Milliardenhilfen vor dem Zusammenbruch rettete.
SPIEGEL ONLINE zeigt, wie sich die Gehälter der wichtigsten Dax-Konzerne seit 2003 entwickelt haben. Klicken Sie sich durch die Grafiken.
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