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Erdgas Förder-Boom lässt Rohstoffjäger träumen

Gas aus der Tiefe: Unkonventionelle Vorkommen
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3. Teil: Wie der Gas-Boom die Welt verändern würde

Sollten in Europa und Asien tatsächlich große Gasfelder erschlossen werden, hätte das weitreichende Folgen - drei Szenarien für die zwanziger Jahre des 21. Jahrhunderts:

1. Gazprom schrumpft, Russlands Wirtschaft stockt

Für den russischen Monopolisten Gazprom wäre eine anhaltende Gasschwemme ein gewaltiges Problem. "Das Geschäftsmodell des Staatskonzerns basiert auf der Annahme, dass die Nachfrage und der Gaspreis beständig steigen", sagt Michail Kortschemkin, Direktor des East-European-Gas-Analysis-Instituts. Während andere Energieriesen ihre operativen Kosten drücken, seien Gazproms Produktionsausgaben von Januar bis September 2009 um 35 Prozent gestiegen.

Auch beim Transport gebe der Konzern zu viel Geld aus. Manche Pipelines seien nur zur Hälfte ausgelastet, trotzdem baue Gazprom derzeit neue Röhren. Die Erschließung neuer Gasfelder in Jamal und Schtokman hat der Konzern bis auf weiteres verschoben. "Geht das so weiter, ist russisches Gas bald nicht mehr wettbewerbsfähig", sagt Kortschemkin.

Ein Wandel in der Konzernstrategie deutet sich bislang nicht an. Gazprom nennt die Erwartungen an unkonventionelles Gas überzogen. Man rechne weiterhin mit einer steigenden Nachfrage in Europa. Kortschemkin hält es allerdings für möglich, dass der Konzern doch noch reagiert. "Gazprom könnte eine Lobbyorganisation gegen Wasserverschmutzung ins Leben rufen, um die unkonventionelle Gasförderung zu bekämpfen."

Ein möglichst weitreichendes Förderverbot wäre auch im Interesse Russlands. Rund 20 Prozent des Staatshaushalts werden aus Gazproms Steuerzahlungen gespeist. Schrumpft der Energieriese, trudelt Russlands Wirtschaft. Sie kann erst wachsen, wenn Europas Gasnachfrage auf Vorkrisenniveau steigt.

2. Die geopolitischen Machtverhältnisse verschieben sich

Wenn es den Rohstoff Gas plötzlich überall gibt, taugt er nicht mehr als geopolitisches Druckmittel. Derzeit kann Russland noch Polen oder der Ukraine mit Lieferstopps drohen, nach dem Gasrausch ginge das nicht mehr. "Es besteht Hoffnung, dass sich der Gashandel deutlich entpolitisiert", sagt Müller-Kirchenbauer von der TU Clausthal.

Der polnische Regierungsberater Maciej Wozniak träumt laut "Capital" bereits davon, dass sein Land zum Gasexporteur aufsteigt. Polen, das seit jeher für seine Unabhängigkeit kämpft, könnte sich aus der Umklammerung des Gasexporteurs Russland befreien.

Doch auch ohne unkonventionelle Gasförderung in Europa dürften sich die Machtverhältnisse im kommenden Jahrzehnt ändern - durch LNG. Je mehr Gas per Schiff um die Welt reist, desto unabhängiger werden Länder ohne eigene Gasvorkommen von ihren regionalen Versorgern.

3. Der Niedergang der Kohleindustrie beschleunigt sich

Den Ölmultis bietet die unkonventionelle Gasförderung Wachstumschancen, für die Kohlekonzerne dagegen ist sie eine Bedrohung. Durch immer neue CO2-Auflagen sind Investitionen in neue Kohlekraftwerke schon jetzt riskant, in Zukunft bietet sich potentiellen Geldgebern eine attraktive Alternative. Eine globale Gasschwemme dürfte den Energiekonsum verändern.

Bislang sei Kohle der einzige Rohstoff gewesen, der fast überall verfügbar ist, sagt Oxford-Professor Stern. Durch LNG und unkonventionelle Förderung ändere sich das. "Europa etwa könnte künftig mehr Strom aus Gas produzieren, ohne sich zu stark von Russland abhängig zu machen."

Ihre CO2-Bilanz könnten die Staaten dadurch kräftig frisieren: Wer Energie aus Gas statt aus Kohle gewinnt, bläst nur etwa halb so viel Kohlendioxid in die Atmosphäre. Das Einsparpotential ist groß: In Deutschland etwa wird gut die Hälfte aller Elektrizität in Kohlekraftwerken produziert.

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insgesamt 219 Beiträge
gurkengezwack 09.04.2010
Was ist das für eine Frage: "Welche Zukunft hat das Erdgas?" Wie die Hexen im Mittelalter - es wird BRENNEN. Gruß g.
Zitat von sysopErdgas ist extrem wichtig für die deutsche Energieversorgung. Aber welche Zukunft hat der Rohstoff? Ist die Abhängigkeit von Russland zu groß?
Was ist das für eine Frage: "Welche Zukunft hat das Erdgas?" Wie die Hexen im Mittelalter - es wird BRENNEN. Gruß g.
Ich bin überzeugt, man wir es zur Gänze verbrennen !
Ich bin überzeugt, man wir es zur Gänze verbrennen !
stanis laus 12.04.2010
Mit dieser Kamelle wollten schon die Nazis die Holzvergaserautos befeuern. Im Schwäbischen haben die 44/45 ein Ölschiefervorkommen unter grauseligen Umständen von KZ-Häftlingen abbauen lassen. Mit in jeder Weise katastrophalen [...]
Mit dieser Kamelle wollten schon die Nazis die Holzvergaserautos befeuern. Im Schwäbischen haben die 44/45 ein Ölschiefervorkommen unter grauseligen Umständen von KZ-Häftlingen abbauen lassen. Mit in jeder Weise katastrophalen Ergebnissen. Ein gutes Archiv sollte solche Informationen eigentlich liefern.....
darkmaan 12.04.2010
Sie meinen bestimmt den Abbau in Dotternhausen bei Balingen, aber was hat das mit diesem Thema hier zu tun?
Sie meinen bestimmt den Abbau in Dotternhausen bei Balingen, aber was hat das mit diesem Thema hier zu tun?
Methusalixchen 12.04.2010
... Ölschiefer wird noch heute abgebaut und im Zementwerk als Roh- und Brennstoff genutzt.
Zitat von darkmaanSie meinen bestimmt den Abbau in Dotternhausen bei Balingen, aber was hat das mit diesem Thema hier zu tun?
... Ölschiefer wird noch heute abgebaut und im Zementwerk als Roh- und Brennstoff genutzt.
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