Billiges Erdöl Energieagentur warnt vor Risiken des Ölpreisverfalls

Seit Monaten wird Erdöl billiger, und das ist nicht nur für Exportstaaten und Konzerne bedrohlich: Die Abhängigkeit von Öl aus Krisenregionen könne zunehmen, mahnt die Internationale Energieagentur.

Ölarbeiter am Persischen Golf: Niedriger Preis, hohes Risiko
AP

Ölarbeiter am Persischen Golf: Niedriger Preis, hohes Risiko


Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt vor negativen Folgen der andauernd niedrigen Ölpreise. Es bestehe etwa die Gefahr, dass notwendige Investitionen in die Ölförderung aufgeschoben werden. Dies könne später zu einem enormen Preisanstieg führen, heißt es im Weltenergieausblick der Organisation.

Die aktuellen Niedrigpreise hätten zur Folge, dass die Nachfrage zunehmend durch Öl gedeckt werde, dessen Förderung vergleichsweise günstig sei. Dies bedeute, dass die Abhängigkeit von Öl aus Nahost zunehme, heißt es dem Bericht.

"Derzeit ist keine Zeit, sich auszuruhen", betonte IEA-Chef Fatih Birol. Vielmehr müsse die Phase niedriger Ölpreise genutzt werden, um mit künftigen Bedrohungen für die Energiesicherheit fertig zu werden. Die Experten gehen jedoch davon aus, dass die Ölpreise bis 2020 wieder auf rund 80 Dollar pro Barrel steigen könnten - derzeit liegt der Preis bei etwa 45 Dollar.

"Klare Richtung im weltweiten Energiesektor"

Falls sich der Trend zu billigem Öl allerdings fortsetze, könne das Umsteigen auf saubere, erneuerbare Energie hinausgezögert werden. Hier müsse der Staat mit gezielte Maßnahmen nachhelfen. Mit Blick auf den bevorstehenden Klimagipfel in Paris meinte Birol, die Staats- und Regierungschefs "müssen eine klare Richtung für die beschleunigte Transformation im weltweiten Energiesektor vorgeben".

Der Ölpreis nähert sich dem tiefsten Stand seit mehr als zehn Jahren, in diesem Jahr ist er bereits von 110 auf etwa 40 Dollar pro Fass gestürzt. Was für Autofahrer positive Auswirkungen hat, ist unter anderem ein wirtschaftliches Desaster für Exporteure wie Russland. Wegen der Billigenergie fehlen vielen Staaten Milliardensummen, mancherorts drohen sogar Unruhen.

Der Ölpreisverfall setzt auch die großen Ölkonzerne unter Druck. Der Quartalsgewinn des US-Konzerns Chevron schrumpfte zuletzt verglichen mit dem Vorjahreswert von 5,6 auf 2 Milliarden Dollar zusammen, Chevron will daher bis zu 7000 Stellen streichen und Neuinvestitionen im kommenden Jahr um ein Viertel kürzen. Beim weltgrößten Ölkonzern ExxonMobil brach im dritten Quartal der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 47 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar ein.

Am Dienstag fing sich der Ölpreis jedoch zunächst: Nach vier Handelstagen mit Preisrückgängen ging es am Dienstagmorgen leicht nach oben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 47,32 Dollar.

mxw/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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dipl.inge82 10.11.2015
1.
Wenn Lagerstätten und Fördertechniken bekannt sind ist es doch einfach die Fördermengen wieder hochzufahren wenn die Preise steigen. Zeitlicher und finanzieller Aufwand sind schon jetzt kalkulierbar. Als Ölexporteur hätte ich vor allem Angst wenn die Importeure die Zeit und die Ersparnisse nutzen um sich noch unabhängiger zu machen.
Oberleerer 10.11.2015
2.
Ich behaupte mal, das deutsche EE ist wichtige Ursache. Wenn in einem ausgeglichenen Markt plötzlich 10% Nachfrage wegbrechen, ist das ein Desaster. Nachdem durch den deutschen Vorstoß die Windtechnik und vor allem die PV-Technik gewaltig im Preis gefallen ist und dies großtechnisch aus China kommt, ist das weltweit eine Alternative, zumindest für abgelegene Regionen, wo man sonst einen Dieselgenerator stehen hatte. Auch China selbst setzt mittlerweile auf Wind und Sonne. Alarmierend ist, daß nicht mal die Destabilisierung des Irak und Syriens durch die Saudis den Preisverfall stoppen konnte. Nicht auszudenken, wenn es dort dank Russland wieder geordneter zugehen sollte. Russland fährt in dem Sinne die cleverere Strategie. Sie befreunden sich mit allen wichtigen Akteuren (Iran, Syrien, Türkei) und werden im Irak ebenso mitmischen. Dann schmieden die eine wirksamere OPEC. Man wird sehen, ob das aufgeht oder die technik weiter voranschreitet.
ekomet 10.11.2015
3. Ist das eur Ernst?
Chevron muss 7000 Stellen streichen, weil sie nur noch 2 Milliarden im Quartal Gewinn machen? Und "Beim weltgrößten Ölkonzern ExxonMobil brach im dritten Quartal der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 47 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar ein." Ich muss mich richtig anstrengen, um bei solchen Aussagen nicht zu würgen!
GrinderFX 10.11.2015
4.
Zitat von OberleererIch behaupte mal, das deutsche EE ist wichtige Ursache. Wenn in einem ausgeglichenen Markt plötzlich 10% Nachfrage wegbrechen, ist das ein Desaster. Nachdem durch den deutschen Vorstoß die Windtechnik und vor allem die PV-Technik gewaltig im Preis gefallen ist und dies großtechnisch aus China kommt, ist das weltweit eine Alternative, zumindest für abgelegene Regionen, wo man sonst einen Dieselgenerator stehen hatte. Auch China selbst setzt mittlerweile auf Wind und Sonne. Alarmierend ist, daß nicht mal die Destabilisierung des Irak und Syriens durch die Saudis den Preisverfall stoppen konnte. Nicht auszudenken, wenn es dort dank Russland wieder geordneter zugehen sollte. Russland fährt in dem Sinne die cleverere Strategie. Sie befreunden sich mit allen wichtigen Akteuren (Iran, Syrien, Türkei) und werden im Irak ebenso mitmischen. Dann schmieden die eine wirksamere OPEC. Man wird sehen, ob das aufgeht oder die technik weiter voranschreitet.
In Deutschland sind aber keine 10% Nachfrage weggebrochen, denn wir haben so einen winzigen Teil an Öl und Gaskraftwerken, die immer noch laufen und die Autos fahren auch immer noch mit Öl / Benzin und das macht definitiv den größten Teil aus.
chris_siegen 10.11.2015
5. Gewinneinbruch!
Ist natürlich Wahnsinn, wenn der QuartalsGEWINN auf 2 bzw. 4 Milliarden fällt! Da muss man sofort über Stellenabbau nachdenken! Wofür waren die Mitarbeiter den im Unternehmen tätig? Ausschließlich Geld zählen? Dann würde ich verstehen, dass man weniger benötigt...
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