Rio de Janeiro - Es ist ein Riesengeschäft: Brasiliens Ölkonzern Petrobras hat Verträge im Wert von 3,46 Milliarden Dollar zum Bau von acht Förderplattformen unterzeichnet. Die Plattformen sollen bis 2017 in Betrieb gehen und zur Ausbeutung der vor Brasiliens Küste liegenden Ölvorkommen eingesetzt werden, wie der staatliche Konzern am Donnerstag mitteilte.
Die zwei Verträge mit der brasilianischen Herstellerfirma Engevix Engenharía wurden von Petrobras und den an der Förderung beteiligten Partnerkonzernen BG (Großbritannien), Repsol (Spanien) und Galp Energía (Portugal) unterschrieben.
Die Plattformen werden auf einer Werft im Bundesstaat Rio Grande do Sul gebaut und sollen nach Fertigstellung täglich jeweils bis zu 150.000 Barrel Öl und sechs Millionen Kubikmeter Gas fördern. Ein Barrel sind 159 Liter.
Das Unternehmen Petrobras will seine Ölförderung rasch ausbauen, es plant zahllose Bohrungen in der Tiefsee. Laut aktuellem Business-Plan will Petrobras bis 2014 gut 224 Milliarden Dollar in die Erkundung und Förderung neuer Tiefsee-Ölfelder investieren. Kürzlich hat das Unternehmen dafür an der Börse fast 70 Milliarden Dollar eingesammelt.
Durch die Erschließung der Tiefseefelder will Brasilien zu einem der größten Ölexporteure der Welt werden. Derzeit produziert Petrobras rund zwei Millionen Barrel pro Tag (ein Barrel sind 159 Liter) - genug für die Selbstversorgung Brasiliens. Bis 2014 will der Konzern die Produktion auf gut 3,15 Millionen Barrel ausweiten - bis 2020 gar auf 4,15 Millionen Barrel. Petrobras wäre dann nach Saudi-Arabien, Russland und den USA der weltweit viertgrößte Ölproduzent.
Das überschüssige Öl will Brasilien exportieren und damit den eigenen Aufstieg finanzieren. Die Exporte würden Brasiliens Handelsbilanz deutlich verbessern - und mit dem Geld könnte das Wachstum in anderen Wirtschaftssektoren angekurbelt werden. Die Tiefseeförderung ist zudem eines der größten Konjunkturprogramme der Republik. Zahlreiche Industrien wie die Petrochemie, die Werftindustrie und Zulieferbetriebe sowie zahlreiche Dienstleister sollen einen gewaltigen Schub bekommen, Zehntausende Jobs sollen entstehen.
Der Boom indes birgt auch Gefahren. Die Projekte, die Petrobras plant, sind noch viel riskanter als jene BP-Bohrungen im Golf von Mexiko, die zu dem verheerenden Unglück auf der Förderinsel "Deepwater Horizon" geführt haben. Der Konzern stößt bei der Erschließung des Pré-Sal-Gebiets in bislang unerschlossene Tiefen vor: Bis zu 2000 Meter unter dem Meeresspiegel will sich der Konzern durch eine kilometerdicke Salzschicht bohren, manche Vorkommen liegen 7000 Meter tief.
ssu/dpa
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