Wirtschaft


Rohstoffe: Experten rechnen mit deutlich sinkenden Ölpreisen

Sinken Benzin- und Erdölpreise bald wieder? Das 159-Liter-Fass Öl kostet derzeit rund 125 Dollar - Händler rechnen aber mit einem deutlichen Rückgang. Der Futures-Preis für Lieferungen in einigen Jahren liegt laut "Financial Times" bei 95 Dollar.

Warenterminbörse in New York: Wette auf billiges Öl in der ZukunftZur Großansicht
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Warenterminbörse in New York: Wette auf billiges Öl in der Zukunft

London - Der Ölpreis scheint zuletzt immer weiter zu steigen: Seit Jahresbeginn ist der Preis für ein Barrel Erdöl (159 Liter) um 20 Dollar auf nun mehr als 125 Dollar geklettert und ein Ende der Rallye ist nicht in Sicht - eigentlich. Dagegen sprechen laut "Financial Times" die Termingeschäfte der Händler: Mit Festpreis-Verträgen, die erst in ein paar Jahren fällig werden, so genannten Futures, wetten sie gleichsam auf den zukünftigen Ölpreis.

Der Unterschied zwischen aktuellem Preis am Spotmarkt für Erdöl und den Futures ist laut "FT" so groß wie nie zuvor - die Zeit der dreistelligen Ölpreise, so die Schlussfolgerung, könnte bald vorbei sein. Während das Öl am Spotmarkt ein Viertel teurer wurde, stieg der Futures-Preis für die Lieferung im Dezember 2018 nur um 1 Dollar auf rund 95 Dollar. Der enorme Preisabstand zwischen Spotmarkt und Futures von 30 Dollar ist deutlich höher als zu früheren Phasen teuren Öls.

Händler erwarten Ölschwemme

Der Markt habe den Eindruck, dass die Verfügbarkeit von Öl in Zukunft noch zunehmen werde, zitiert die "FT" einen Rohstoffanalysten, das bremse den Preis der Terminkontrakte. Tatsächlich setzen einige Experten große Hoffnungen auf höhere Förderquoten in Brasilien, den USA, Kanada und Irak. Auch Saudi-Arabien hat angekündigt, mit höherer Förderung die "ungerechtfertigten Ölpreise" zu senken, gleichzeitig ist die US-Förderung auf ein Zehn-Jahres-Hoch gestiegen.

Dennoch sind die Prognosen recht unsicher: Der Ölpreis wird nicht durch die Termingeschäfte der Händler, sondern durch eine ganze Reihe von Faktoren bestimmt. So ist die Nachfrage seit dem Tiefpunkt der weltweiten Rezession deutlich gestiegen und derzeit treibt vor allem der Konflikt mit Iran den Preis nach oben.

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) warnte zudem jüngst, dass es unwahrscheinlich sei, dass der Förderanstieg in den USA "die globale Ölversorgung nachhaltig beeinflussen" könne. Auch der Chefökonom des Öl-Multis BP, Christof Rühl rechnet damit, dass der Ölpreis dauerhaft über 100 Dollar liegen wird.

Frankreich will Ölvorräte anzapfen

Kurzfristig will sich allerdings die Politik gegen die hohen Preise stellen: Die Regierungen von Frankreich, Großbritannien und den USA planen einem Bericht der französischen Tagezeitung "Le Monde" zufolge eine Freigabe der strategischen Ölreserven, um den Ölpreis zu drücken. Dies sei "eine Frage von Wochen, nicht Tagen", berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen Insider im Präsidialamt.

Eine offizielle Bestätigung gab es zwar nicht, schon früher aber hatte es aus Kreisen in Großbritannien geheißen, London stimme sich mit den USA über eine Freigabe der strategischen Reserven in den kommenden Monaten ab. Damit soll vermieden werden, dass der hohe Ölpreis das Wirtschaftswachstum in den USA vor der Präsidentenwahl abwürgt.

nck

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insgesamt 18 Beiträge
longhoishong 28.03.2012
langfristig kennt der ölpreis nur eine richtung und zwar nach oben! strategische ölreserven anzuzapfen, damit benzin ein paar wochen ein paar cent günstiger wird, ist purer aktionismus. je größer unsere abhängigkeit vom öl sein [...]
langfristig kennt der ölpreis nur eine richtung und zwar nach oben! strategische ölreserven anzuzapfen, damit benzin ein paar wochen ein paar cent günstiger wird, ist purer aktionismus. je größer unsere abhängigkeit vom öl sein wird, desto problemematischer wird der ausstieg.
irgendwer_bln 28.03.2012
Da sollten die Mineralölkonzerne aber mal schnell bei Barack anrufen und n neuen Krieg bestellen. Nicht das denen die Rechtfertigungen und Ausreden ausgehen... Ach was red ich - die lassen sich was einfallen. Ich glaub's [...]
Zitat von sysopSinken Benzin- und Erdölpreise bald wieder? Das 159-Liter-Fass Öl kostet derzeit rund 125 Dollar - Händler rechnen aber mit einem deutlichen Rückgang. Der Futures-Preis für Lieferungen in einigen Jahren liegt laut "Financial Times" bei 95 Dollar.
Da sollten die Mineralölkonzerne aber mal schnell bei Barack anrufen und n neuen Krieg bestellen. Nicht das denen die Rechtfertigungen und Ausreden ausgehen... Ach was red ich - die lassen sich was einfallen. Ich glaub's jedenfalls erst, wenn ich es auf meiner Tankquittung sehe!
marthaimschnee 28.03.2012
Die gleichen Experten, die die Finanzkrise nicht kommen sahen?
Die gleichen Experten, die die Finanzkrise nicht kommen sahen?
Bildungselite 28.03.2012
Experten rechnen mit deutlich sinkenden Ölpreisen Immer wenn "Experten" mit igendetwas rechnen, kann man getrost mit dem weiterlesen aufhören.
Experten rechnen mit deutlich sinkenden Ölpreisen Immer wenn "Experten" mit igendetwas rechnen, kann man getrost mit dem weiterlesen aufhören.
wll 28.03.2012
Na wunderbar, die strategischen Reserven anzapfen, um den Ölpreis bis zur Wahl einigermaßen niedrig zu halten. Und dann sind sie leer und müssen wieder aufgefüllt werden - der Effekt auf den Ölpreis dürfte absehbar sein. Das ist [...]
Na wunderbar, die strategischen Reserven anzapfen, um den Ölpreis bis zur Wahl einigermaßen niedrig zu halten. Und dann sind sie leer und müssen wieder aufgefüllt werden - der Effekt auf den Ölpreis dürfte absehbar sein. Das ist eine leicht durchschaubare Beruhigungspille, weiter nichts. Viel gewichtiger als der Ölpreis selbst, ist aber die Frage nach den verfügbaren Raffinieriekapazitäten. Schon jetzt kaufen die USA vor den großen Reisewellen (Ostern, Independence Day etc.) regelmäßig in Rotterdam den Spotmarkt für Benzin leer, weil die eigenen Kapazitäten bei weitem nicht mehr ausreichen - mit entsprechenden Folgen für die Preise bei uns. Gleichbleibende oder bestenfalls leicht wachsende Kapazitäten bei ständig steigender Nachfrage nach Mineralöldestillaten bedeuten entsprechend stark wachsende Preise. Schon jetzt bedeutet ein kalter Winter bei uns eine Verdrängungskonkurrenz zwischen Diesel und Heizöl, und damit verbunden Dieselpreise nahe bei oder sogar über dem Benzinpreis - trotz des erheblichen Rabatts bei der Energiesteuer für Diesel. Der Ölpreis hat nur mittelbaren Einfluß auf die Preise der für den Verbraucher relevanten Mineralölprodukte - die wenigsten Autos dürften z. B. direkt mit Erdöl betankt werden. Entscheidend ist das Verhältnis der Produktionskapazitäten und der verfügbaren Lagerbstände zur Nachfrage nach diesen Produkten. Und dieses Verhältnis verschlechtert sich leider laufend...
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  • Mittwoch, 28.03.2012 – 13:12 Uhr
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Brent, WTI, Bonny Light - Die Ölsorten und ihr Preis
Die Erdölindustrie klassifiziert ihr Rohöl nach drei Kriterien: Herkunft, Dichte (Gewicht im Verhältnis zu Wasser) und Schwefelgehalt. Rohöl mit einer hohen Dichte wird entsprechend als "schwer" ("heavy"), mit einer geringeren Dichte als leicht ("light") bezeichnet. Rohöl mit einem hohen Schwefelgehalt gilt als "sauer", ein geringer Schwefelgehalt macht das Öl "süß". Je schwerer und saurer das Rohöl ist, desto aufwendiger ist seine Verarbeitung zum Beispiel zu Benzin oder Kerosin. Leichtes und schwefelarmes Rohöl ist gefragter und damit teurer als schweres.

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