Kiel - Gewerkschaften und Angestellten hatten lange protestiert, die Politik übte ebenfalls Druck aus - jetzt ist der Verkauf der öffentlich-rechtlichen Versicherung Provinzial Nordwest an einen privaten Konkurrenten wie die Allianz endgültig vom Tisch. Nach dem Nein der Anteilseigner aus Nordrhein-Westfalen fasste am Mittwoch auch der Vorstand des Sparkassen- und Giroverbandes Schleswig-Holstein einen entsprechenden Beschluss.
Vor dem Verbandsitz in Kiel hatten seit dem frühen Morgen knapp zweitausend Beschäftigte bei klirrender Kälte lautstark gegen einen Verkauf demonstriert. Laut Medienberichten soll die Allianz deutlich mehr als 2,25 Milliarden Euro geboten haben. Die Provinzial hat in Norddeutschland 3000 Mitarbeiter, zwei Drittel davon in Schleswig-Holstein.
Mit der Vorstandsentscheidung sei ein Verkauf "definitiv vom Tisch", sagte der Präsident des Verbandes, Reinhard Boll. Die Entscheidung sei mit den anderen Anteilseignern zwar noch nicht besprochen worden, für einen Verkauf wäre aber ein einstimmiger Beschluss notwendig. Der Kieler Verband will zusammen mit den anderen Anteilseignern nun eine Fusion der Provinzial Nordwest mit der Provinzial Rheinland anstreben. Bis Ende März sollte ein Zusammenschluss ausgelotet und bis dahin das Thema Verkauf auf Eis gelegt werden.
Unklar war am Mittwoch, ob Vorstandschef Ulrich Rüther weiter die Geschicke der Provinzial Nordwest leiten würde, nachdem er am vorigen Mittwoch einen tätlichen Angriff auf sich selbst erfunden hatte. "Der Druck auf Herrn Rüther muss unendlich gewesen sein", sagte die Kieler Betriebsratsvorsitzende Kerstin David. "Wir hoffen, dass er weiterhin unser Vorstandsvorsitzender bleiben kann." Boll ließ offen, ob Rüther, der zurzeit arbeitsunfähig sei, zur Umsetzung der angestrebten Fusion die beste Lösung wäre.
Ver.di kritisierte am Mittwoch in Münster, dass die Verkaufsgespräche lediglich ausgesetzt werden, bei einer Fusion könnten zudem ebenfalls Arbeitsplätze in Münster und Düsseldorf bedroht sein.
nck/dpa
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