Transparenzoffensive: Ergo veröffentlicht eigene Skandälchen-Liste

Nach Skandalgeschichten um Sex-Sausen geht die Ergo-Versicherung in die Offensive: Der Konzern hat eine Website freigeschaltet, die Fehltritte von Mitarbeitern öffentlich macht. Dazu gehören Besuche von Striptease-Clubs, aber auch Belästigungen des Servicepersonals.

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Ergo-Zentrale in Düsseldorf: "Wir haben verstanden"

Hamburg - Es gilt zu retten, was noch zu retten ist: Der Ruf der Ergo-Versicherung wurde durch mehrere Sexskandale ruiniert, zig Kunden kündigten aus Protest ihre Policen, jetzt will der Konzern mit einer ungewöhnlichen Aktion Vertrauen zurückgewinnen. Auf einer am Sonntag freigeschalteten Internetseite legt das Unternehmen alle geprüften Vorfälle der vergangenen zehn Jahre offen - und will nach eigenen Angaben rechtzeitig auf neue Fehltritte aufmerksam machen. "Wir haben verstanden, dass wir unseren eigenen Ansprüchen an eine transparente Kommunikation nicht in allen Punkten gerecht geworden sind", schreibt Ergo-Chef Torsten Oletzky in einem offenen Brief.

Schwerpunkt der Liste ist die Sex-Party in Budapest, die 2011 ans Licht kam und den Ergo-Skandal auslöste. Hierzu gibt der Konzern nun den internen Revisionsbericht frei, der bereits von anderen Medien veröffentlicht wurde.

Auch auf die bekannten Fälle der Reisen in den Swingerclub Hedonism II auf Jamaika in den Jahren 2009, 2010 und 2011 geht Ergo auf der Website ein.

Bisher unbekannt dagegen ist diese Liste "nachgewiesener Fehlverhalten":

  • Sardinien 2012: Ungebührliches Verhalten eines Reiseteilnehmers gegenüber einer weiblichen Begleitperson und einer Servicekraft.
  • Kitzbühel 2010 und 2011: Es liegen Taxi-Rechnungen vor, denen zufolge Reiseteilnehmer von einer Tabledance-Bar ins Hotel zurückgefahren sind. Belege der Bar liegen nicht vor.
  • Hamburg (2010): Eine Außendienstführungskraft rechnete per Eigenbeleg vier Eintrittskarten sowie Getränke über insgesamt 69,50 Euro von einem Striptease-Nachtclub ab.
  • New York (2010): Bei einer Wettbewerbsreise ging eine Gruppe von Teilnehmern nach dem offiziellen Programm in einen Club mit Striptease-Programm; dabei wurden seitens der Reisebegleitung Getränke bezahlt. Die Kosten beliefen sich auf etwa 900 Euro.
  • Rio de Janeiro (2010): Die Revision fand Belege über Getränke über zirka 300 Euro von einem Nachtclub, die dem Unternehmen in Rechnung gestellt wurden.
  • Tallinn (2009): Es wurden zehn Eintrittstickets über zusammen 100 Euro von einem Striptease-Nachtclub abgerechnet.
  • Wien (2008): Reiseteilnehmer rechneten Belege über Getränke in Höhe von etwa 250 Euro von einer Nachtbar ab.
  • Hamburg (2007): Ein Geschäftsstellenleiter besuchte mit Seminarteilnehmern einen Erotik-Club auf der Reeperbahn.

Die neu veröffentlichten Skandälchen sind laut Ergo aus rund 500 Stichproben aller Reisen der vergangenen zehn Jahre hervorgegangen - und sollen vermutlich vor allem eins beweisen: Die Lustreise in Budapest war in Form und Größe einmalig.

Dennoch will Ergo künftig auf Nummer sicher gehen und kündigt weitere Änderungen für die Vertriebsmitarbeiter an. So werden beispielsweise Reisen nur noch in Europa und mit Ehe- oder Lebenspartner angeboten.

Ergo-Chef Oletzky, dem in der Affäre wiederholt ungeschicktes Verhalten vorgeworfen wurde und nun offenbar vorsichtiger geworden ist, will weitere Skandale nicht kategorisch ausschließen. "Natürlich kennen wir selbst nicht immer alle Missstände. Und selbst die besten Regelwerke werden nicht verhindern, dass es auch künftig zu Fehlverhalten kommt."

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1. Kotz
jaugstetter 30.09.2012
Stinkt Scheisse weniger, wenn man darauf hinweist? ERGO ist ein absolutes NO GO, kündigt die Versicherungen bei ERGO, und stimmt damit ab für Menschenrecht generell und bei Frauen im besonderen.
2. ich arbeite...
derlabbecker 30.09.2012
Zitat von sysopNach Skandalgeschichten um Sex-Sausen geht die Ergo-Versicherung in die Offensive: Der Konzern hat eine Website freigeschaltet, die Fehltritte von Mitarbeitern öffentlich macht. Dazu gehören Besuche von Striptease-Clubs, aber auch Belästigungen des Servicepersonals. Ergo startet Transparenzoffensive - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ergo-startet-transparenzoffensive-a-858779.html)
... im Aussendienst in der IT Branche und habe demnach auch eine entsprechende Reisekostenabrechnung jeden Monat. Wenn bei mir auch nur eine Getränkerechnung aus einem Puff dabei wäre hätte ich am nächsten Tag die fristlose Kündigung in der Post. ERGO kann das jetzt schön auf die Mitarbeiter schieben, aber wenn diese Belege so abgerechnet werden konnten dann hat das Unternehmen die Schuld. Bei mir in der Firma gibt es klare Ansage was ich als Reisekosten abrechnen kann und was nicht, klare Ansage an die Mitarbeiter UND an die Reisekostenabrechnung (die bei uns by the way ein externer Dienstleister macht). Sorry, aber ERGO hat das zumindest geduldet, dass die Mitarbeiter sowas abrechnen, und soll nun mal hier nicht auf Transparenz machen. Der Fisch stinkt immer vom Kopf her. Aber es ist einfach das immer als Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter darzustellen. Frage mich nur was diesen 'tollen' Chef des Ladens davon abhält einfach mal an die Öffentlichkeit zu gehen und zu sagen 'sorry, das war nicht korrekt, wir sind Schuld, tut uns leid, und wir führen ab sofort folgende Massnahmen ein, damit das nicht mehr passiert'. Statt dessen dann wieder gestammelt von 'einzelne Mitarbeiter', 'das war vor meiner Zeit' usw..... komisch, wenn es um Boni und Gehaltserhöhung geht sind diese Manager doch auch nicht so zurückhaltend... da wird getrommelt und gepfiffen.
3. Warum New York, Wien und Tallinn?
afp223 30.09.2012
Als Kunde der ERGO (der ich glücklicherweise nicht bin) würde ich mich weniger über den Besuch von Stripclubs aufregen als mich über die Tatsache, dass Außendienstmitarbeiter mit meinen Versicherungsbeiträgen offenbar Dienstreisen in die USA und nach Estland unternehmen. Was machen die da? Stripclubs gäbe es ja auch in Frankfurt.....
4. *lol*
hau-drauf 30.09.2012
Ergo = Hamburg Mannheimer = HMI Den AWD bzw. Maschy haben sie in den Medien seit Jahren am Wickel . . . das es neben dem AWD aber noch viele andere gibt, die es genau so bzw. kein Stück besser machen, ist doch wohl klar. Was meint ihr, wie es z.B. bei der HMI zugeht, darum sollte sich auch mal jemand im großen Stil kümmern @Panorama
5. Ja !
AndyDaWiz 30.09.2012
Zitat von afp223Als Kunde der ERGO (der ich glücklicherweise nicht bin) würde ich mich weniger über den Besuch von Stripclubs aufregen als mich über die Tatsache, dass Außendienstmitarbeiter mit meinen Versicherungsbeiträgen offenbar Dienstreisen in die USA und nach Estland unternehmen. Was machen die da? Stripclubs gäbe es ja auch in Frankfurt.....
DAS ist die eigentliche Frage. Und versteckt sind diese Dinge in gerade 500 Stichproben ueber 10 Jahre. D.h. 2-3% bei 10-15 Faellen. Heisst bei 100.000 Reisekostenabrechnungen pro Jahr in Talinn, New York und Kreta ca. 2.000 bis 3.000 Stripbar-Besuche. Leute, was machen die mit unserem Geld ???
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