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Ermittlungen gegen griechische Bank: Bombenanschlag in Athen gibt Rätsel auf

Faule Kredite, Verdacht auf Geldwäsche und nun ein Bombenanschlag: In Griechenland sorgt die Proton-Bank für einen handfesten Skandal. Das Institut war mit EU-Geldern vor der Pleite gerettet worden. Die Zentralbank vermutet krumme Geschäfte - und wurde offenbar Ziel einer Attacke.

Griechische Hauptstadt Athen: Im Vorort Chalandri soll es einen Anschlag gegeben haben Zur Großansicht
GZF / dapd

Griechische Hauptstadt Athen: Im Vorort Chalandri soll es einen Anschlag gegeben haben

Hamburg/München - In normalen Zeiten würde die Privatbank Proton nicht weiter auffallen. Das griechische Geldhaus hat gerade einmal 31 Filialen und gehört damit zu den eher kleinen Banken des Landes. Doch nun ist das Institut in einen Skandal verwickelt, der große Wellen schlagen könnte.

Laut "Süddeutscher Zeitung" soll die Bank, die kürzlich mit europäischen Geldern vor der Pleite gerettet wurde, zuvor 700 Millionen Euro ins Ausland verschoben haben. Das gehe aus einem Untersuchungsbericht der Griechischen Zentralbank hervor. Sogar ein Bombenanschlag in Athen soll mit dem Fall zu tun haben.

Vor wenigen Tagen explodierte demnach vor einem Wohnblock im Vorort Chalandri eine Ladung Dynamit, vier Autos wurden beschädigt. Wie die Zeitung berichtet, wohne in dem Gebäude ein leitender Mitarbeiter der Zentralbank, der zusammen mit Kollegen die Proton-Bank wegen des Verdachts illegaler Geschäfte geprüft habe. Die Polizei in Athen gehe davon aus, dass es sich bei dem Anschlag um eine Warnung davor handelt, diesen Fall weiter zu untersuchen.

Die Zentralbank stufte das Geschäft als "hochriskant" ein

Dem Prüfbericht der Zentralbank zufolge habe Proton viele hoch riskante Darlehen an neu gegründete Gesellschaften wie Cyprus Properties vergeben, berichtet die Zeitung. Zudem seien Offshore-Firmen finanziert worden, von denen keine ausreichenden Wirtschaftsdaten vorgelegen hätten, oder deren wirkliche Inhaber gar nicht bekannt gewesen seien. Die Zentralbank stuft auch das als "hochriskant" ein. Außerdem sollen mehrere hundert Millionen Euro an Firmen geflossen sein, die dem ehemaligen Hauptinhaber und Chef der Bank, Lavrentis Lavrentiadis, zugerechnet werden.

Auch die Athener Staatsanwaltschaft ermittelt seit längerem gegen Lavrentiadis und andere frühere Proton-Verantwortliche. Sie wirft ihnen unter anderem Geldwäsche vor.

Die Privatbank Proton war erst kürzlich vor dem Bankrott gerettet werden - und zwar gleich zweimal: Im Juli spendierte der griechische Staat 120 Millionen Euro, um das taumelnde Geldhaus zu stabilisieren, im Oktober erhielt die Bank fast 900 Millionen Euro aus einem Rettungsfonds, den die Euro-Staaten und der Internationalen Währungsfonds ( IWF) im Rahmen ihres Griechenland-Hilfspakets aufgelegt hatten.

stk/AFP

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Ob Frau Merkel diesen Bericht
whitewolfe 17.11.2011
auch kennt?Wenn der Bericht den Tatsachen entspricht dann ist es zumindest zweifelhaft wohin unsere Steuergelder fliessen.
2. Titel? Lieber nicht, sonst isser wech...
orion4713 17.11.2011
Zitat von sysopFaule Kredite, Verdacht auf Geldwäsche und nun ein Bombenanschlag: In Griechenland sorgt die Proton-Bank für einen handfesten Skandal. Das Institut war mit EU-Geldern vor der Pleite gerettet worden. Die Zentralbank vermutet krumme Geschäfte - und wurde offenbar Ziel einer Attacke. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,798307,00.html
Waren das vermögensbildende Maßnahmen der EU für vermögende Griechen?
3. Steuergelder
Beo21 17.11.2011
..interessant zu wissen, dass die EU/IMF nun durch die Bankenrettung auch Geldwäsche & Terrorismus finanziert. ...mit Steuergeldern!
4. .
FrieFie 17.11.2011
Rätsel geben doch eher die Kriterien auf, nach denen 900 Millionen Euro aus dem Rettungsfonds an eine Bank vergeben werden, die so zwielichtige, hochriskante Geschäfte macht und gegen die bereits "seit langem" die Athener Staatsanwaltschaft ermittelt. Ach, was soll´s: ist ja nur unser Geld ...
5. Wundert das jemanden?
nic, 17.11.2011
... Europa als Gelddruckmaschine für Reiche und Superreiche. Wundert das jemanden?
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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