Ermittlungen gegen US-Bank Morgan Stanley droht Klage wegen Betrug

Erst Goldman Sachs, nun Morgan Stanley? Offenbar weitet die US-Justiz ihre Ermittlungen gegen Großbanken aus: Laut "Wall Street Journal" prüfen die Behörden Vorwürfe, nach denen das Kreditinstitut Kunden getäuscht haben soll, Bankchef Gorman nennt den Bericht substanzlos.

Morgan-Stanley-Zentrale in New York: "Keine Informationen"
REUTERS

Morgan-Stanley-Zentrale in New York: "Keine Informationen"


New York - Nach Goldman Sachs gerät nun offenbar die nächste große Bank unter Betrugsverdacht: Laut "Wall Street Journal" untersuchen die US-Bundesbehörden, ob Morgan Stanley Investoren mit verschachtelten Hypothekenderivaten in die Irre geführt hat. Demnach hätten Händler ausgesagt, dass die Bank ihren Kunden die sogenannten CDOs (siehe Infobox in der linke Spalte) verkauft habe und gleichzeitig darauf setzte, dass deren Wert fallen werde.

Die Ermittlungen sind Teil einer größeren Untersuchung der US-Börsenaufsicht SEC, die bereits 2009 begonnen hat. Mitte April hatte die SEC Anklage gegen die größte Investmentbank Goldman Sachs erhoben - ebenfalls wegen des Verdachts, Kunden mit CDOs getäuscht zu haben. Investoren sollen rund eine Milliarde Dollar verloren haben. Zu den Anlegern, die mit Goldman-Geschäften viel Geld verloren haben, gehörte auch die ehemals bundeseigene Mittelstandsbank IKB.

James Gorman, Konzernchef von Morgan Stanley, erklärte am Rande einer Pressekonferenz in Tokio, die Vorwürfe hätten "keinerlei Substanz". "Wir wurden vom Justizministerium nicht zu den Transaktionen kontaktiert, die der Artikel erwähnt, und wir wissen absolut nichts über eine Ermittlung des Ministeriums." Die US-Behörden haben den Bericht bislang nicht kommentiert.

Die Untersuchung ist laut der US-Zeitung in einer frühen Phase. Um eine Strafanzeige erheben zu können, müssen die Behörden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit beweisen können, dass ein Unternehmen Investoren getäuscht hat.

Im Fall von Goldman Sachs läuft eine Zivilklage, die juristischen Hürden sind niedriger. Goldman hatte sich ebenfalls zuerst gegen die Vorwürfe gewehrt, verhandelt aber nun mit den Justizbehörden über einen Vergleich.

cte/Reuters/dpa

insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
zaphod1965 12.05.2010
1. Wieso überrascht mich das nicht?
Es mag moralisch verwerflich sein, gegen den Erfolg der eigenen Kundschaft zu wetten. Im Kapitalismus des 21. Jahrhunderts ist das aber völlig normal und die beschuldigten Banker sind sich wahrscheinlich keines Verstoßes bewusst. Moral spielt im Finanzmarkt schon längst keine Rolle mehr. Weder Morgan Stanley, noch Goldman Sachs werden juristisch für ihr mieses Spiel gegen die Kunden belangt werden. Gesetze, die aufrgund der Vorfälle geändert werden, greifen dann erst in der Zukunft - vielleicht - wenn sie denn tatsächlich mal beschlossen werden.
Schleswig 12.05.2010
2.
Glückliche Amerikanische Bankkunden. Während hierzulande immer noch Bankkunden vor Gericht mehr oder minder noch rechtlos gemacht werden, haben die Gerichte der Amis keine großen Hemmungen die Banken zu Belangen. Die geschädigten Kunden wurden vielmehr erst von den Banken an den Nasenring geführt, dann die Gerichte. Ich weiß es nicht ob Richter Rechtsgutachten für Firmen und private Institutionen erstellen dürfen, und diese auch privat verrechnen könne.?????
heuwender 12.05.2010
3. ohje
Bis deutsche Gerichte gegen Ackermann und Konsorten vorgehen werden,wird die Menscheit durch die Gier der Bankraffkes ausgerottet sein.Deutsche Richter fürchten sich vor Bänkern,wie der Teufel vor dem Weihwasserkessel,warum ist mir schleierhaft,die werden doch nicht von den Herren geschmiert sein als Landschaftspfleger. Ha das wäre aber ein Ding ,Mann oh Mann.
orion4713 12.05.2010
4. welch Glück!
was bin ich froh, dass deutsche Banken solche Betrügereien nicht gemacht haben! lol Oder hat schon mal jemand was von der deutschen Börsenaufsicht oder der Frankfurter Staatsanwaltschaft gehört? Deshalb darf auch Ackermann seinen Geburtstag im Bundeskanzleramt feiern und Schäuble bedankt sich noch, das die deutsche Finanzwirtschaft der Politik bei der Bewältigung der Finanzkrise hilft ........
blücher 13.05.2010
5. Ermittlungen gegen US-Banken u.a.
Ist ja alles ganz niedlich, wie sich die Diskutanten hier im Forum naiv-empört auslassen. Glaubt wirklich jemand daran, ein Herr Soros z.B. ließe sich durch dieses "Zirpen der Ameisen unter seinen Füßen" beeindrucken ? Um gegen Bilderberger, Trilaterale und ähnliche organisierte Kriminalität vorzugehen, bedarf es wesentlich mehr, als vereinzelter Klagen gegen einzelne Mitglieder dieser weltweit operierenden "Gemeinschaft". Wir, die Ameisen, müssen die Tatsachen zur Kenntnis nehmen wie sie sind. Die derzeitige Demokratie hat keine Instrumente, um Beherrschung dieser subtilen Art abzuwerfen. Weswegen die "Akteure" sie ja auch überall einführen wollen. Es erhebt sich die grundsätzliche Frage, welche Regierungsform für die globale Ordnung überhaupt in Frage kommt. Möglicherweise liegen die Herren Soros, Rockefeller, Bernanke & Co. ja richtig und wir, die Ameisen, erkennen das wieder mal nicht, weil zu dämlich. Wäre ja nicht das erste Mal........
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.