Prüfung der US-Börsenaufsicht: JP Morgan stellte Kinder einflussreicher Chinesen ein

Zentrale von JP Morgan Chase in New York: Ärger mit der US-Finanzaufsicht Zur Großansicht
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Zentrale von JP Morgan Chase in New York: Ärger mit der US-Finanzaufsicht

Hat die US-Bank JP Morgan Chase den Kindern mächtiger chinesischer Manager einen Job bei sich besorgt, um lukrative Aufträge zu ergattern? Laut einem Zeitungsbericht gibt es Verdachtsfälle. Die US-Börsenaufsicht prüft die Angelegenheit.

New York - Die US-Behörden untersuchen Geschäfte der amerikanischen Investmentbank JP Morgan Chase in China. Es geht um den Verdacht auf Korruption. Konkret werfen sie dem Geldhaus laut "New York Times" vor, die Kinder einflussreicher Chinesen eingestellt zu haben, um lukrative Aufträge zu ergattern: Die Väter der jungen Mitarbeiter hatten wichtige Positionen in staatlich kontrollierten Firmen der Volksrepublik inne.

Zwei Fälle beschreiben die Ermittler in ihrem vertraulichen Bericht, der der Zeitung vorlag.

  • Der erste Fall betrifft einen Mann namens Tang Xiaoning, der bis 2012 bei JP Morgan in China arbeitete. Er ist der Sohn von Tang Shuangning, der seit 2007 den Finanzdienstleister China Everbright Group leitet und zuvor eine einflussreiche Position bei der staatlichen Finanzaufsicht hatte. JP Morgan konnte sich in den folgenden Jahren wichtige Aufträge der China Everbright Group sichern. Die Finanzaufsicht untersucht jetzt alle Verträge und Vereinbarungen zwischen den Firmen und hat von JP Morgan dazu Dokumente angefordert.

  • Der zweite Fall ist ähnlich. Es geht um Zhang Xixi, die einen begehrten Job im JP-Morgan-Büro in Hongkong ergatterte. Ihr Vater bekleidete zeitleich einen einflussreichen Posten bei der China Railway Group, die im Auftrag der Regierung das staatliche Eisenbahnnetz ausbaut. Er verlor später zwar wegen Bestechlichkeit seinen Posten, doch zuvor gewann JP Morgan 2007 noch den Auftrag, den Börsengang des Unternehmens zu begleiten.

Über die früheren Mitarbeiter - beide arbeiten nicht mehr bei JP Morgan - möchte die US-Finanzaufsicht SEC jetzt offenbar mehr wissen. Sie hat demnach alle Akten über Tang und Zhang angefordert, unter anderem Informationen über ihre Gehälter. Zhang gilt als gut ausgebildet, sie soll an der renommierten amerikanischen Stanford University studiert haben.

Warum gerade JP Morgan den Argwohn der Ermittler weckt, geht aus dem Artikel der "New York Times" nicht hervor. Wie die Zeitung betont, gilt die Einstellung von Familienmitgliedern einflussreicher chinesischer Manager für westliche Konzerne regelmäßig als probates Mittel, ihren Einfluss auf dem so wichtigen Zukunftsmarkt auszubauen. Unüblich in diesem Fall sei, dass es sich um staatlich kontrollierte Unternehmen handelte.

"Wir arbeiten mit den Behörden zusammen"

JP Morgan Chase reagierte auf die Meldung mit einer Erklärung, dass die Bank mit den Behörden kooperiere. In dem vertraulichen Untersuchungsbericht wird betont, dass zwar gegen JP Morgan ermittelt wird, es aber keinen konkreten strafrechtlichen Vorwurf gegen das Unternehmen gebe. Die "New York Times" konnte Zhang und Tang nicht für eine Stellungnahme erreichen.

Das Thema Korruptionsbekämpfung ist für die US-Börsenaufsicht SEC und das US-Justizministerium ein kompliziertes Spannungsfeld. Auf der einen Seite steht das staatliche Interesse, amerikanischen Konzernen den Weg auf die internationalen Märkte zu erleichtern, wobei dem chinesischen Markt noch einmal besondere Bedeutung zukommt. Auf der anderen gilt es, Verstöße gegen das Korruptionsgesetz zu ahnen.

Ab wann die Einstellung von Mitarbeitern, die über wichtige Verbindungen verfügen, diesen Tatbestand erfüllt, darüber streiten Juristen. Manager werden oft gerade deshalb eingestellt, weil sie über gute Beziehungen verfügen. Schwierig wird es, wenn den Betreffenden die Verbindungen lediglich von Geburts wegen zugewachsen sind. Rechtskräftige Beweise für Korruption dürften sich in solchen Fällen schwer finden lassen.

mik/kgp

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insgesamt 24 Beiträge
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1. paypal
robbyy 18.08.2013
Paypal wird auch über JP Morgan abgewickelt.... Das muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen.... Da ist wohl eine einfache Bezahlmöglichkeit nun außer Diskussion.
2. Unsinn
Marellon 18.08.2013
Wem ist ein Schaden erwachsen? Niemandem. Wer hat etwas bekommen und nichts dafür getan? Niemand. Es sind Leute eingegestellt worden, denen man nicht vorwirft, nichts für ihr Gehalt getan zu haben. Diese Leute sind eingestellt worden, weil sie einen einflussreichen Papa haben. Und nun? Unsinn, dieser Korruptionsvorwurf. PS. Ich mag JP Morgan überhaupt nicht, bin als nicht deren Verteidiger.
3. Wo ist das Problem?
Moridin 18.08.2013
Ich sehe hier kein Problem, sowas sollte legitim sein. Sowas ist doch auch in Deutschland übliche Praxis, nennt sich dann ganz einfach persönlicher Kontakt.
4. Unsinn zum 2.
Terabyte 18.08.2013
Evtl. sind dem chinesischen Steuerzahler Schäden entstanden. Uns natürlich nicht.
5. Nicht doof
LinkesBazillchen 18.08.2013
Zitat von sysopAFPHat die US-Bank JP Morgan Chase den Kindern mächtiger chinesischer Manager einen Job bei sich besorgt, um lukrative Aufträge zu ergattern? Laut einem Zeitungsbericht gibt es Verdachtsfälle. Die US-Börsenaufsicht prüft die Angelegenheit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ermittlungen-jpmorgan-stellte-kinder-einflussreicher-chinesen-ein-a-917197.html
Nicht doof, was JP Morgan macht. Wie soll man das verurteilen? Ich hoffe, die Unternehmen sind noch so frei, einzustellen wen sie wolllen. Sicher haben sie lange nachgedacht, ob sie die Kinder von nichteinflussreichen Eltern einstellen sollen - sie haben sich nun mal anders entschieden.
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