Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Erneuerbare Energien: Solarboom lässt Strompreise explodieren

Der Solarboom wird 2011 teuer für alle Stromkunden. Einem Zeitungsbericht zufolge rechnen Stromriesen und Wissenschaftler mit Preiserhöhungen von zehn Prozent. Die Zahl der Öko-Anlagen ist stärker gestiegen als gedacht - die höheren Förderkosten werden auf die Verbraucher umgelegt.

Solaranlage mit Windrädern bei Mainz: Preissteigerung bis 100 Euro Zur Großansicht
REUTERS

Solaranlage mit Windrädern bei Mainz: Preissteigerung bis 100 Euro

Berlin - Für den Klimaschutz ist es eine gute Nachricht, für die Verbraucher nicht: Da die Zahl neuer Solaranlagen stärker zugenommen hat als geplant, dürften die Strompreise für kommendes Jahr um etwa zehn Prozent steigen. Das geht aus einer Berechnung des Energiekonzerns Vattenfall hervor, über die die "Berliner Zeitung" berichtet.

Die Belastung für alle deutschen Stromkunden durch die Förderung erneuerbarer Energien steigt demnach 2011 um 1,8 bis 2 Cent pro Kilowattstunde auf insgesamt bis zu 4,4 Cent einschließlich Mehrwertsteuer. Für ein Einfamilienhaus mit 5000 Kilowattstunden Verbrauch würden sich demnach die Strompreise um rund 100 Euro pro Jahr erhöhen.

"Rechnung durchaus realistisch"

In der Berechnung sei die von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) geplante Senkung der Solar-Förderung zur Jahresmitte um rund 15 Prozent bereits berücksichtigt. Das an den offiziellen Ökostrom-Prognosen beteiligte Leipziger Institut für Energie bestätigte der "Berliner Zeitung", dass die Vattenfall-Rechnung "durchaus realistisch ist". Die Prognose von Vattenfall wird laut Bericht in Teilen der Branche zur Kalkulation verwendet und gilt als zuverlässig.

Fotostrecke

10  Bilder
Grafiken: Solarenergie in Deutschland

Hauptgrund für den starken Preisanstieg sei die große Zahl neuer Solaranlagen, schreibt die Zeitung. Bei der Kalkulation habe man angenommen, dass 2009 und 2010 Solarstromanlagen mit einer Leistung von insgesamt 4400 Megawatt installiert werden. Diese Zahl sei aber bereits 2009 knapp erreicht worden. 2010 dürften noch einmal mindestens 5000 Megawatt hinzukommen.

"Drastische Absenkung der Förderung notwendig"

Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz dürfen Solaranlagenbetreiber ihren Strom zwanzig Jahre lang zu konstanten Preisen ins Stromnetz einspeisen. Die Kosten werden auf die Stromverbraucher umgeschlagen.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen halte die Berechnung für korrekt, schreibt die Zeitung. Experte Holger Krawinkel sagte ihr: "Die Belastungen sind für die Verbraucher kaum noch tragbar, eine drastische Absenkung der Förderung ist notwendig."

Ursprünglich wollte Röttgen ab dem 1. April 2010 die Hilfen für Sonnenstrom von Dachanlagen um 15 Prozent kappen. Den Vertretern der Solarlobby ging das zu schnell: Sie warfen Röttgen vor, die deutsche Photovoltaik-Industrie "existentiell" zu gefährden und Tausende Jobs aufs Spiel zu setzen. Auch beim Koalitionspartner FDP und in der CDU regte sich zum Teil vehementer Widerstand.

Nun soll die Solarförderung für Dachanlagen doch erst ab Juli sinken, dafür um 16 statt 15 Prozent.

fro/ddp

Diesen Artikel...
Forum - Muss die Solarförderung drastisch gesenkt werden?
insgesamt 2358 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Die Solarförderung hätte bereits im letzten Jahr drastisch reduziert gehört
Eppelein von Gailingen 19.03.2010
Zitat von sysopDer Solarboom wird 2011 teuer für alle Stromkunden. Einem Zeitungsbericht zufolge rechnen Stromriesen und Wissenschaftler mit Preiserhöhungen von zehn Prozent. Die Zahl der Öko-Anlagen ist stärker gestiegen als gedacht - die höheren Förderkosten werden auf die Verbraucher umgelegt. Muss die Förderung gesenkt werden?
Wo gibt es so eine Idiotie, den Einspeisestrom aus Solarenergie so hoch festzulegen, dass die Allgemeinheit darunter büßen wird. Dann soll Merkel die erhöhten Strompreise privat bezahlen! Mit dieser Katastrophenregierung und dieser Kanzlerin, kann die Republik sicher keinen Blumenstrauß gewinnen. Man hat manchmal das Gefühl, man könnte unseren Politikern während sie Gehen, ihre Schuhe doppeln. Alles was die in Berlin anfassen, geht in die Hose. Nur schade, dass wir diesen Albtraum, oder Nightmare noch bis Herbst 2013 ertragen müssen.
2.
jackson86 19.03.2010
Ich finde hier wird immer sehr die Lobby der Energiefirmen unterstützt und sehr einseitig berichtet. Allein wenn man sich den Herausgeber der Studie anschaut sollten alle Alarmglocken läuten. Warum wird nie Aufgezählt was die Entwicklung und Unterhaltung der Atomkraftwerke gekostet hat und kostet? Das dürfte die Förderung der sauberen Solarenergy um einiges Übersteigen.
3.
Arthi, 19.03.2010
Zitat von sysopDer Solarboom wird 2011 teuer für alle Stromkunden. Einem Zeitungsbericht zufolge rechnen Stromriesen und Wissenschaftler mit Preiserhöhungen von zehn Prozent. Die Zahl der Öko-Anlagen ist stärker gestiegen als gedacht - die höheren Förderkosten werden auf die Verbraucher umgelegt. Muss die Förderung gesenkt werden?
Nicht gesenkt sondern unverzüglich gestoppt.
4.
Agent K 19.03.2010
Zitat von sysopDer Solarboom wird 2011 teuer für alle Stromkunden. Einem Zeitungsbericht zufolge rechnen Stromriesen und Wissenschaftler mit Preiserhöhungen von zehn Prozent. Die Zahl der Öko-Anlagen ist stärker gestiegen als gedacht - die höheren Förderkosten werden auf die Verbraucher umgelegt. Muss die Förderung gesenkt werden?
Man könnte auch den Zubau begrenzen....
5.
Agent K 19.03.2010
Zitat von jackson86Ich finde hier wird immer sehr die Lobby der Energiefirmen unterstützt und sehr einseitig berichtet. Allein wenn man sich den Herausgeber der Studie anschaut sollten alle Alarmglocken läuten. Warum wird nie Aufgezählt was die Entwicklung und Unterhaltung der Atomkraftwerke gekostet hat und kostet? Das dürfte die Förderung der sauberen Solarenergy um einiges Übersteigen.
Da gibt es auch innerhalb der betroffenen Branche andere Meinungen. Schauen Sie sich mal diesen 3 Jahre alten Bericht an (http://www.photon.de/presse/mitteilungen/Hintergrund_RWI-Studie.pdf). Der ist in dieser Diskussion hoch aktuell....
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Was sind Solarschulden?
Der Preis
Wer eine Solaranlage betreibt, darf seinen Strom unabhängig vom tatsächlichen Bedarf jederzeit ins Netz einspeisen. Die Vergütung wird durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt, im Jahr 2009 liegt sie für Dachanlagen bei rund 43 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Konventioneller Strom kostet an der Energiebörse rund acht Cent. Die Differenz, also die Mehrkosten, tragen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.
Die Laufzeit
Die Solarvergütung ist für 20 Jahre garantiert. Das heißt: Eine Solaranlage, die heute installiert wird, verursacht auch in 20 Jahren noch Kosten. Diese langfristigen Kosten werden als "Solarschulden" bezeichnet.
Die Kosten
Die Höhe der Solarschulden hängt von zwei Faktoren ab: vom Preis für konventionellen Strom und von der Gesamtzahl der installierten Solaranlagen. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und das Solarmagazin "Photon" kommen daher zu unterschiedlichen Ergebnissen. Laut einer Berechnungstabelle von "Photon" belaufen sich die Solarschulden für die bis 2008 installierten Solaranlagen auf 33,7 Milliarden Euro. Das RWI gibt einen Wert von 35 Milliarden Euro an. Manche Anlagen sind schon seit einigen Jahren in Betrieb. Deshalb wurde ein Teil der Solarschulden bereits abgetragen. Das RWI beziffert die Summe mit sechs Milliarden Euro. Unter dem Strich bleiben damit noch mindestens 27 Milliarden Euro, die auf die Stromkunden in den nächsten 20 Jahren zukommen.
Der Schuldenberg
Bei den errechneten Solarschulden geht es nur um die bereits installierten Module. Jedes Jahr gehen jedoch weitere Solaranlagen ans Netz. Laut RWI wächst der Solarschuldenberg deshalb jedes Jahr um neun bis zehn Milliarden Euro.

Eckpunkte der Solarförderung
Die Koalition hat sich auf ein Paket geeinigt, mit dem die Förderung von Solarstrom gekürzt werden soll - die Eckpunkte im Überblick (Stand: 24 April 2010)
Dachanlagen
Etwa 80 Prozent aller Solaranlagen in Deutschland sind auf Dächern installiert. Offiziell soll ihre Förderung zum 1. Juli um 16 Prozent gesenkt werden - faktisch ist die Kürzung durch die höhere Förderung des Eigenverbrauchs allerdings weit niedriger.
Eigenverbrauch
Solarstrom, der selbst verbraucht wird, wird um acht Cent besser vergütet werden als ins Netz gespeister Strom, sobald die Jahres-Stromerzeugung 30 Prozent überschreitet. Betroffen sind fast alle Anlagen: Die Regelung gilt bis 500 Kilowatt. Eine durchschnittliche Dachanlage hat eine Leistung von fünf Kilowatt, das Fußballstadion Letzigrund in Zürich kommt auf 223 Kilowatt. Die Eigenverbrauchsförderung ist zunächst bis Ende 2011 befristet.
Ackerflächen
Die Förderung entfällt ab Juli 2010, um eine Konkurrenz zum Lebensmittelanbau zu verhindern.
Freiflächen
Die Kürzung für Solarparks soll 15 Prozent ab dem 1. Juli betragen. Auf Konversionsflächen wie Mülldeponien, alten Industrie- oder Gewerbeflächen oder Militärgeländen beträgt die Kürzung nur elf Prozent, da Investoren wegen der Beseitigung von Altlasten höhere Aufwendungen haben.
Deckelung ab 2011
Ab Anfang 2011 wird von einem Zubau von 3500 Megawatt ausgegangen - bei diesem würde die Förderung um weitere neun Prozent gekürzt. Bei Zielüberschreitung verschärft sich die Förderkürzung alle 1000 Megawatt um ein weiteres Prozent. Sprich: Ab 4500 Megwatt Ausbau beträgt sie zehn Prozent, ab 5500 Megawatt Ausbau elf Prozent, etc. Bleibt der Zubau unter der Zielmarke von 3500 Megawatt, wird die Förderkürzung abgemildert. Sie kann damit 2011 zwischen sechs und 13 Prozent schwanken.
Deckelung ab 2012
Auch für 2012 wird von einem Zubau von 3500 Megawatt ausgegangen. Bei Zielüberschreitung verschärft sich die Förderkürzung alle 1000 Megawatt um drei Prozent. ssu
Was Solarstrom kostet
Im Jahr 2009 gingen in Deutschland Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 3000 Megawatt ans Netz. Dies entspricht 3.000.000 Kilowatt. Pro Kilowatt liegt der durchschnittliche Stromertrag - konservativ gerechnet - bei 900 Kilowattstunden im Jahr. Die Vergütung laut Erneuerbare-Energien-Gesetz ist für 20 Jahre garantiert. Sie beträgt - je nach Anlagengröße - 32 bis 43 Cent pro Kilowattstunde. Im Durchschnitt sind es rund 36 Cent.
Um die tatsächlichen Mehrkosten des Solarstroms zu ermitteln, muss man von diesem Wert den Börsenpreis für konventionellen Strom abziehen. Aktuell liegt dieser bei etwa 5 Cent pro Kilowattstunde, in den kommenden 20 Jahren dürfte er um jährlich fünf Prozent steigen. Damit ergibt sich ein durchschnittlicher Börsenpreis von 9 Cent je Kilowattstunde. Die Differenzkosten pro Kilowattstunde belaufen sich damit auf 36 Cent minus 9 Cent, also auf 0,27 Euro.
Damit lässt sich folgende Rechnung aufstellen: 3.000.000 kW * 900 kWh/kW pro Jahr * 20 Jahre * 0,27 Euro/kWh = 14,58 Milliarden Euro. Mit anderen Worten: Die Verbraucher müssen in den kommenden 20 Jahren mehr als 14 Milliarden Euro zahlen - wohlgemerkt: nur für die Anlagen, die 2009 ans Netz gingen. In heutigen Preisen entspricht dies einer Summe von 10,4 Milliarden Euro (bei einer großzügigen Abzinsung von jährlich vier Prozent).
Die entscheidende Größe ist dabei der Zubau neuer Solaranlagen im Jahr 2009, also 3000 Megawatt. Setzt man statt dieser tatsächlich erreichten Menge den Wert ein, den der Bundesverband Solarwirtschaft in seinen bisherigen Planungen angegeben hat - nämlich 682 Megawatt -, so ergeben sich abgezinste Gesamtkosten von lediglich 2,4 Milliarden Euro. Das heißt: Im Vergleich zur ursprünglichen Prognose müssen die Verbraucher gut viermal mehr zahlen.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: