Solarprojekt Helios Warum Griechenland vergeblich auf die Sonne hofft

Die Solarenergie gilt als Hoffnungsträger für die darbende griechische Wirtschaft. Mit hohen Subventionen will das Land zum Exporteur des grünen Stroms aufsteigen. Doch Experte Ernst Rauch fürchtet, die Griechen setzen auf die falsche Technik: Viel besser geeignet wäre die Windkraft.

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Solaranlage in Deutschland: Auch in Griechenland gibt es Wolken
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Solaranlage in Deutschland: Auch in Griechenland gibt es Wolken


München - Giorgos Papakonstantinou gab sich geradezu euphorisch: Bis 2013, verkündete der griechische Umweltminister vor wenigen Tagen in der "Wirtschaftswoche", solle die erste Anlage des staatlichen Helios-Projekts in Betrieb gehen - noch vor 2015 solle dann Solarstrom aus Griechenland nach Westeuropa fließen.

Mit schnellen Genehmigungsverfahren will Griechenland Solarinvestoren ins Land locken. Geführt werden solle die entstehende Industrie vom staatlichen Unternehmen Helios, das zusammen mit privaten Investoren Gemeinschaftsunternehmen zum Bau von Kraftwerken bilden soll.

Für Investoren könnte sich die Sache lohnen, schließlich winken in Griechenland staatliche Einspeisevergütungen: Für private Dachanlagen sind es rund 55 Cent pro Kilowattstunde, für große Solarparks immerhin noch mehr als 30 Cent. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es nach der jüngsten Förderkürzung je nach Größe der Anlage noch 13,5 bis 19,5 Cent pro Kilowattstunde.

Ob es für Griechenland aber langfristig sinnvoll ist, so stark auf Solarenergie zu setzen, halten Experten zumindest für zweifelhaft. "Sonne und Griechenland - das passt in der Vorstellung einfach schön zusammen", sagt Ernst Rauch. Als Leiter des Corporote Climate Centers beim Rückversicherer Munich Re beschäftigt er sich berufsmäßig mit den Chancen erneuerbarer Energien und vertritt den Konzern auch beim Desertec Projekt, das Solarstrom aus der Wüste Afrikas liefern soll.

Was Griechenland angeht ist Rauch aber skeptisch. "Natürlich könnte Griechenland Sonnenstrom exportieren. Aber jedem, der glaubt, dass man mit dem Verkauf von Solarstrom allein die griechische Finanzsituation verbessern kann, rate ich zum Nachrechnen."

"Griechenland hat hervorragende Windkraftstandorte"

Gleich mehrere Gründe sprechen laut Rauch gegen einen großen Erfolg der ehrgeizigen griechischen Solarpläne.

  • Da sei zum einen die Technologiefrage:"Griechenland selbst produziert keine Solaranlagen, das Land muss die Technik importieren", sagt Rauch. "Die Wertschöpfung bleibt deshalb am Ende sehr gering." Trotzdem hält Rauch einen Einstieg Griechenlands in die Produktion von Photovoltaikanlagen für nicht sinnvoll. "Das können die chinesischen Unternehmen billiger."
  • Das zweite Problem sind die Leitungen. "Bisher gibt es zwei mögliche Wege, den Strom aus Griechenland nach Westeuropa zu leiten", erklärt Rauch. "Der eine führt über Bulgarien, ist aber nur begrenzt belastbar." Der andere verlaufe über ein Seekabel direkt nach Italien. "Das würde bei einem starken Ausbau der erneuerbaren Energien in Griechenland sicher nicht ausreichen", sagt der Experte. "Das heißt, es wären sehr hohe Investitionen in die Netze nötig."
  • Das dritte Problem ist ein grundsätzliches: Griechenland ist längst kein so optimaler Solarstandort, wie es scheint. Für Solarthermie, die aus Sonnenkraft Wärme gewinnt, sei das Land "nur bedingt geeignet", meint Rauch. Um solarthermische Kraftwerke zu betreiben, brauche man einen stetig blauen Himmel. "Den gibt es in Griechenland nicht oft genug." Etwas vielversprechender sei da die Photovoltaik, also die Stromerzeugung aus Sonnenkraft. "Hier gibt es einige gute Standorte", sagt Rauch.

Am besten zu Griechenland passt nach Meinung des Munich-Re-Experten aber eine erneuerbare Energie, die auch im Land selbst kaum jemand im Blick hat: "Griechenland hat hervorragende Windkraftstandorte", schwärmt Rauch, "vor allem entlang der langen Küstenlinie". Dort ließen sich Stromleistungen erzielen, wie sonst nur in Windparks auf dem Meer, deren Bau viel teurer ist als von Anlagen auf dem Land. "In Griechenland", sagt Rauch, "bekommt man Offshore-Leistung zu Onshore-Preisen."

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idealist100 31.03.2012
1. Frage
Zitat von sysopDPADie Solarenergie gilt als Hoffnungsträger für die darbende griechische Wirtschaft. Mit hohen Subventionen will das Land zum Exporteur des grünen Stroms aufsteigen. Doch Experte Ernst Rauch fürchtet, die Griechen setzen auf die falsche Technik: Viel besser geeignet wäre die Windkraft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,824391,00.html
Wer soll den Griechen denn den Strom für 0,55€ /kwh abkaufen, wenn ich anderweitig für 0,10 €/Kwh und für Solarstrom 0,20€/KWh bezahle. Schicken wir dann die Differenz von 40 CENT mittels Steuergeld jetzt nach Helas. Also kein Rettungsschirm sondern ein Solarschirm hört sich auch viel schöner an.
holzweg13 31.03.2012
2. Gut, Problem 3 fällt weg. Bleiben Probleme 1 und 2
Zitat von sysopDPADie Solarenergie gilt als Hoffnungsträger für die darbende griechische Wirtschaft. Mit hohen Subventionen will das Land zum Exporteur des grünen Stroms aufsteigen. Doch Experte Ernst Rauch fürchtet, die Griechen setzen auf die falsche Technik: Viel besser geeignet wäre die Windkraft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,824391,00.html
qranqe, 31.03.2012
3.
Zitat von idealist100Wer soll den Griechen denn den Strom für 0,55€ /kwh abkaufen, wenn ich anderweitig für 0,10 €/Kwh und für Solarstrom 0,20€/KWh bezahle. Schicken wir dann die Differenz von 40 CENT mittels Steuergeld jetzt nach Helas. Also kein Rettungsschirm sondern ein Solarschirm hört sich auch viel schöner an.
Exakt so läuft es! Die 55 Cent Einspeiseprämie werden über Subventionen bezahlt. Der Strompreis auf Abnehmerseite ist auf normalem Niveau. Die Differenz kommt aus dem restlichen Europa - es ist zum Kotzen!
kurtwied3 31.03.2012
4. Wenn ...
Zitat von sysopDPADie Solarenergie gilt als Hoffnungsträger für die darbende griechische Wirtschaft. Mit hohen Subventionen will das Land zum Exporteur des grünen Stroms aufsteigen. Doch Experte Ernst Rauch fürchtet, die Griechen setzen auf die falsche Technik: Viel besser geeignet wäre die Windkraft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,824391,00.html
... sich nicht mal für Griechenland Photovoltaik lohnt ... Aber in Deutschland ist es ja eine Erfolgsgeschichte - wie man an den Pleiten unschwer erkennen kann ;) Steigen wir jetzt eigentlich nach dem Chemieunfall auch aus der Chemieindustrie aus?
Privatier 31.03.2012
5. Unbestechliche Grundrechenfähigkeiten gegen Grüne Spinnerei - 1:0
Zitat von sysopDPADie Solarenergie gilt als Hoffnungsträger für die darbende griechische Wirtschaft. Mit hohen Subventionen will das Land zum Exporteur des grünen Stroms aufsteigen. Doch Experte Ernst Rauch fürchtet, die Griechen setzen auf die falsche Technik: Viel besser geeignet wäre die Windkraft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,824391,00.html
So ein ungläubiger Spielverderber! Rechnet einfach vor, daß Photovoltaik gesamtwirtschaftlich alles andere als gewinnbringend ist, sondern lediglich durch die Verfeuerung von Subventionen zwangsbeatmet und künstlich am Leben gehalten werden kann. Und dies nicht etwa nur aufgrund der vergleichweise bescheidenen Sonneneinstrahlung in Deutschland, sondern selbst im unter der gleichen Sonne erheblich besser plazierten, ja bereits vor Erschöpfung stöhnendem Griechenland. In wievielen Träumen technisch und ökonomisch völlig ahnungsloser Alternativer mag diese kühle Rechner wohl als "Staatsfeind Nr. 1" die Hauptrolle spielen? MfG
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