Ernst & Young Wirtschaftsprüfern droht Klage wegen Lehman-Pleite

Jahrelang hatte Ernst & Young der Lehman-Bank eine saubere Buchführung attestiert - dann kam der große Crash: Laut "Wall Street Journal" droht den Wirtschaftsprüfern nun eine Klage. Ihnen wird eine zu lasche Kontrolle des Pleitehauses vorgeworfen.

Ex-Lehman-Zentrale in New York: Anklage könnte sehr bald erfolgen
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Ex-Lehman-Zentrale in New York: Anklage könnte sehr bald erfolgen


New York - Die Pleite der US-Skandalbank Lehman Brothers könnte für die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young ein böses Nachspiel haben: Mehr als zwei Jahre nach dem folgenschweren Kollaps stehe der New Yorker Staatsanwalt Andrew Cuomo kurz vor der Veröffentlichung einer Anklage, berichtet das "Wall Street Journal". Er will Ernst & Young demnach dafür belangen, dass die Buchprüfer die Bilanzierungstricks von Lehman haben durchgehen lassen.

Lehman hatte sich mit umstrittenen Geldgeschäften namens "Repo 105" schöngerechnet und dadurch die wahre Finanzlage verschleiert, die am Ende in die Pleite führte. Ein Sonderermittler war dem Treiben im Nachhinein auf die Schliche gekommen und hatte die Verfehlungen im März diesen Jahres öffentlich gemacht.

Sonderermittler Anton Valukas hatte bereits damals Ernst & Young scharf kritisiert. Nach Informationen des "Wall Street Journals" könnte die Anklage nun diese Woche erfolgen, wenn sich Ernst & Young nicht vorher mit den Ermittlern auf einen Vergleich einigt. Es wäre das erste Mal, dass eine der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften für ihre Rolle in der Finanzkrise belangt wird.

Lehman hatte am 15. September 2008 nach 158 Jahren Insolvenz anmelden müssen. Die Investmentbank hatte sich massiv am US-Hypothekenmarkt verspekuliert - und löste mit ihrer Pleite die schwerste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg aus.

Ernst & Young hatte Lehman Brothers über Jahre eine saubere Buchführung attestiert. Die Investmentbank war einer der größten Kunden der Wirtschaftsprüfer. Die Bank of America Chart zeigenhatte ähnliche Bilanzierungstricks wie Lehman benutzt und steht nun ebenfalls unter Beobachtung. Sie musste vom Steuerzahler mit 45 Milliarden Dollar vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Die Hilfen sind allerdings wieder zurückgeflossen.

yes/dpa-AFX



insgesamt 3 Beiträge
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atomkraftwerk, 20.12.2010
1. .
Dann geben sie eben einen Bruchteil des Schmiergeldes das sie fürs Weggucken bekommen haben wieder ab. Sowas wird doch vorher schon mit eingerechnet.
Rolle123 20.12.2010
2. Der Staat sollte solche Prüfungen übernehmen
Hier zeigt sich wieder ein grundsätzliches Problem: Der Auftragnehmer wird seinem Geldgeber stets das attestieren, was er von ihm verlangt. Sonst hat er bei der nächsten Ausschreibung bereits verloren. Daher sollte der Staat bei diesen Prüfungen eine Prüfpflicht einführen und v.a. diese auch selbst durchführen, um so Schäden, wie sie die Lehman Katastrophe gebracht hat, von der Gesellschaft abzuwenden. Umso mehr spricht in den USA die Tatsache dafür, dass eine kapitalgedeckte Rente üblich ist und somit - wie geschehen - einer breiten Bevölkerungsgruppen die Altersarmut droht. Zugleich würde der marode US-Staat eine neue wichtige Einahmequelle akquirieren, wobei er vermutlich nicht nur objektiver wäre, wie windige Finanzjongleure (Ernst & Young oder Goldman Sachs in Griechenland), sondern auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit günstiger wäre. Win-Win-Situation also, oder???
silenced 20.12.2010
3. <->
Wenn mich wer dafür bezahlen würde, dass ich ihm eine saubere Buchführung bestätige, ich würde auch das Geld nehmen und Danke sagen. Weil wenn man das nicht macht, dann macht es jemand anderes. Ist doch überall das Gleiche.
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