Wegen Trockenheit Ernteausfälle bedrohen Bauern in ihrer Existenz

Teile Ostdeutschlands erleben derzeit eine der schlimmsten Trockenperioden seit Jahrzehnten. Wegen massiver Ernteausfälle fordert der Bauernverband jetzt Hilfe für Landwirte. Einige Betriebe konnten nur häckseln.

Feldbrand in Brandenburg
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Feldbrand in Brandenburg


Die deutschen Bauern erwarten wegen der anhaltenden Trockenheit in weiten Teilen Deutschlands erhebliche Ernteausfälle, vor allem bei Getreide und Raps. Existenzen seien bedroht, warnte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands - und verlangt deshalb Hilfen für Landwirte.

"Einige Betriebe haben wegen der Dürre nicht geerntet, sondern den Bestand direkt gehäckselt", sagte Rukwied einer Mitteilung zufolge. Das Ernteergebnis von Getreide liege mit 42 Millionen Tonnen unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre von knapp 48 Millionen Tonnen.

Wegen des schwierigen Wetters vor allem im Norden und Osten Deutschlands gab es einen außergewöhnlich frühen Erntebeginn. Nach einem nassen Winterhalbjahr herrscht nun seit Langem zu viel Hitze - und vor allem zu wenig Regen. Seit Wochen bereits kämpfen die Bauern mit den Folgen dieses ungewöhnlichen Wetters. Die Körner des Getreides seien häufig nicht ausreichend gereift.

Wetterdienst: "Nah an den Extremwerten"

Gewitter und Schauer sorgten bei den Bauern bisher nur punktuell für Entspannung. "Lokale Starkregenereignisse von bis zu 100 Litern innerhalb einer Stunde konnten die ausgetrockneten Böden nicht aufnehmen", wird Rukwied zitiert. Wo es trocken bleibt, reicht vielerorts ein Funke, um ein ganzes Feld in Brand zu setzen. Zahlreiche Hektar fielen bereits den Flammen zum Opfer.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bestätigt, was viele bereits ahnten: Teile Ostdeutschlands erleben derzeit eine der schlimmsten Trockenperioden seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen vor mehr als 55 Jahren. DWD-Agrarmeteorologe Hans Helmut Schmitt sagte: "An einzelnen Punkten sind wir ganz nah an den Extremwerten dran."

Östlich der Weser sei es bereits seit Ende April zu trocken. Berechnet werde in der Agrarmeteorologie die Bodenfeuchte, genaue Daten gebe es seit 1961. Die Werte des für Pflanzen nutzbaren Wassers seien in Ostdeutschland punktuell auf unter 30 Prozent gesunken. "Das ist dann einfach nur knochentrocken", sagte Schmitt. Aussicht auf Regen gibt es für die betroffenen Gebiete laut dem Meteorologen vorerst nicht.

hej/apr/dpa



insgesamt 109 Beiträge
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mborevi 05.07.2018
1. Welch eine Überraschung, hat doch ...
... bisher noch niemand etwas von der laufenden Klimaveränderung gehört. Liebe Bauern, oder besser: Liebe Landwirtschaftsindustrie, beruhigt Euch, Euere Lobby wird schon dafür sorgen, dass es Euch gut geht. Die Politik wird von sich aus bestimmt nichts gegen den Klimawandel unternehmen, es sei denn, sie wird zum Jagen getragen ...
justlive 05.07.2018
2. Haarausfall
Sollen wir auch Friseuren helfen, weil immer mehr Menschen an Haarausfall leiden? Es ist und bleibt ein Betriebsrisiko. Rücklagen sollten mindestens für eine ausbleibende Ernte vorhanden sein...
GrüneLeuchte 05.07.2018
3. Das ist nur der Anfang
Was im Osten Deutschlands passiert ist exakt das, dass die Klimamodelle für die Folgen des Klimawandels in Deutschland voraus gesagt haben. Trotzdem ist es erst der Anfang. Es wird so kommen, dass das die Regel wird. Mit noch länger andauernden Hitze u. Trockenzeiten. Aber wen juckt das schon. Ist doch so ein schöner Sommer. Und in den Urlaub fliegt man natürlich oder besser noch fährt mit seinen Diesel.
ramuz 05.07.2018
4. Auftragsausfall!
Wir haben hier grade auch ein paar Auftragsausfälle zu gewärtigen, der Umsatz in diesem Jahr wird wohl ca. 42 Tonnen unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre von knapp 48 Tonnen liegen. Wo kann ich meine Zuschüsse für notleidendes Gewerbe beantragen? Festes Versprechen meinerseits ( was die Bauernschaft nach meiner Kenntnis NOCH NIE! angeboten hat ... horribile dictu! ): sobald ich im nächsten Jahr mehr als 48 Tonnen mache, zahle ich den Zuschuss anteilig so lange zurück, bis alles wieder vollständig ausgeglichen ist - und darüber hinaus ein Zehntel des zusätzlichen Gewinns in die Gemeinschaftskasse! Die Gemeinschaft hätte mir schliesslich per Zuschuss ermöglicht zu überleben und in den kommenden Jahren Gewinne zu machen - das gebe ich gerne zurück. Und nun, Herr Rukwied? Ist Ihre Klientel auch bereit dazu? z.B. wenn es zu viel Wasser im Herbst, zu viel Kälte im Winter und zu viel Sonne im Frühjahr gibt?? Sie und Ihre barmende Klientel sind ein Ärgernis für die Gesellschaft, mein lieber Herr Rukwied! Hätten sie halt nicht alle Böschungen und Buschreihen und Baumreihen planiert - dann hätten sie jetzt auch ein anderes Mikroklima, gesunde Böden und genügend Wasser.
halihalo52 05.07.2018
5.
…..wenn der Bauer nicht mehr klagt und der Pastor nicht mehr fragt, dann ist Weltuntergang... wenn man die Maschinen und Geräte auf den Höfen sieht, dann sind die meisten Bauern keine Armen....
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