Eröffnung des neuen Konzernsitzes: Deutsche Börse flieht aus Frankfurt

Die Deutsche Börse kehrt der Finanzmetropole Frankfurt den Rücken: Sie hat seinen neuen Konzernsitz Eschborn eröffnet, weil sie dort deutlich weniger Steuern zahlen muss. Wenig Grund zum Feiern sehen die Mitarbeiter - sie fürchten um ihre Stellen.

Neuer Hauptsitz der Deutschen Börse in Eschborn: "The Cube" Zur Großansicht
dpa

Neuer Hauptsitz der Deutschen Börse in Eschborn: "The Cube"

Eschborn - Begleitet von Mitarbeiterprotesten hat die Deutsche Börse am Donnerstag ihre neue Zentrale eröffnet: Mit dem Umzug von Frankfurt-Hausen ins etwa fünf Kilometer entfernte Eschborn spart der Konzern jährlich etwa 60 Millionen Euro Gewerbesteuer.

Die Börse kehrt Deutschlands Finanzmetropole damit symbolisch den Rücken. Juristischer Sitz der Gesellschaft ist allerdings weiter Frankfurt, auch der im Fernsehen als Kulisse genutzte Handelssaal in der Frankfurter Innenstadt bleibt erhalten.

Die Mitarbeiter sehen den Umzug skeptisch: Die Börse wechselt nicht nur die Immobilie, sondern baut auch ihre Struktur um: 370 der insgesamt 3300 Stellen sollen vor allem in Frankfurt und Luxemburg gestrichen oder an den billigeren Standort Prag verlagert werden.

Die Gewerkschaft Ver.di und der Betriebsrat werfen dem Management vor, die Kostenschraube zu überdrehen. Mehr als 100 Mitarbeiter protestierten am Donnerstag gegen Stellenabbau und für den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. "Eine schöne neue Fassade und dahinter Arbeitsplatzabbau - das passt nicht zusammen", sagte Verdi-Vertreter Herbert Bayer. Er vertritt die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat der Deutschen Börse AG.

Börsenchef Reto Francioni dagegen sagte: "Wir bleiben nicht nur in Hessen, wir bleiben im Rhein-Main-Gebiet. Wir bleiben auch Frankfurt eng verbunden." Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Manfred Gentz, versicherte: "Der Kern unserer Aktivitäten bleibt hier, in dieser Region, von hier aus steuern wir unsere globalen Aktivitäten."

Nach Angaben eines Konzernsprechers sind die anfallenden Gebäudekosten für den auf 15 Jahre angemieteten Neubau niedriger als am alten Standort in Frankfurt. 200 Millionen Euro investierte der Konzern in seinen neuen Hauptsitz, das würfelförmige, verglaste Gebäude "The Cube"

wit/dapd/dpa

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1. -
semper fi, 04.11.2010
Zitat von sysopDie Deutsche Börse kehrt der Finanzmetropole Frankfurt den Rücken: Es hat seinen neuen Konzernsitz Eschborn eröffnet, weil es dort deutlich weniger Steuern zahlen muss. Wenig Grund zum Feiern sehen die Mitarbeiter -*sie fürchten um ihre Stellen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,727294,00.html
Die Deutsche Börse AG ist selbst ein börsennotiertes Unternehmen und muss ihre Kosten unter Kontrolle halten. Deshalb verstehe ich nicht, wo das Problem liegt.
2. Versuch macht Kluch ;-)
Flans 04.11.2010
Zitat von sysopDie Deutsche Börse kehrt der Finanzmetropole Frankfurt den Rücken: Es hat seinen neuen Konzernsitz Eschborn eröffnet, weil es dort deutlich weniger Steuern zahlen muss. Wenig Grund zum Feiern sehen die Mitarbeiter -*sie fürchten um ihre Stellen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,727294,00.html
Zitat aus dem Text: "Die Deutsche Börse kehrt der Finanzmetropole Frankfurt den Rücken: Sie hat seinen neuen Konzernsitz Eschborn eröffnet..." Wie wäre es mit einem dritten Versuch? Vielleicht klappt's dann auch mit der Grammatik...
3. Aber wie lange noch Eschborn?
paretooptimal 04.11.2010
Auch Eschborn wird nicht von Dauer sein. Weltweit werden ohnehin nur die Börsenplätze New York, London und Hongkong übrig bleiben.
4. Trittbrettfahrer raus...
conny2, 04.11.2010
Zitat: Börsenchef Reto Francioni dagegen sagte: "Wir bleiben nicht nur in Hessen, wir bleiben im Rhein-Main-Gebiet. Wir bleiben auch Frankfurt eng verbunden." Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Manfred Gentz, versicherte: "Der Kern unserer Aktivitäten bleibt hier, in dieser Region, von hier aus steuern wir unsere globalen Aktivitäten." Zitatende Wie lieb. Allerdings: Wenn sie schon nach Eschborn gehen, sollten sie auch ihren Börsenplatz nach Eschborn verlagern. Eschborn in einem Atemzug mit New York City, London, Paris, Honkong, Schanghai, das wär' doch gut, oder? Das freundliche Trabantenstädtchen am Fuße des Taunus kennt schließlich jeder: http://www.mtk-physio.de/Bilder-Galerie/Schwalbach_am_Taunus/Nachbarn/Eschborn/Foto_Eschborn_400_x_300.jpg Fragt sich nur, ob es nicht eine Nummer zu groß ist, für die künftige Umsatzentwicklung.
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semper fi, 04.11.2010
Zitat von conny2Zitat: Börsenchef Reto Francioni dagegen sagte: "Wir bleiben nicht nur in Hessen, wir bleiben im Rhein-Main-Gebiet. Wir bleiben auch Frankfurt eng verbunden." Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Manfred Gentz, versicherte: "Der Kern unserer Aktivitäten bleibt hier, in dieser Region, von hier aus steuern wir unsere globalen Aktivitäten." Zitatende Wie lieb. Allerdings: Wenn sie schon nach Eschborn gehen, sollten sie auch ihren Börsenplatz nach Eschborn verlagern. Eschborn in einem Atemzug mit New York City, London, Paris, Honkong, Schanghai, das wär' doch gut, oder? Das freundliche Trabantenstädtchen am Fuße des Taunus kennt schließlich jeder: http://www.mtk-physio.de/Bilder-Galerie/Schwalbach_am_Taunus/Nachbarn/Eschborn/Foto_Eschborn_400_x_300.jpg Fragt sich nur, ob es nicht eine Nummer zu groß ist, für die künftige Umsatzentwicklung.
Warum denn das? In Deutschland gibt es die Niederlassungsfreiheit auch für Unternehmen. Wollen Sie das ändern? Frankfurt sollte etwas weniger Geld für den Kultur-Klimbim ausgeben, dann können die auch auf ein paar Punkte Gewerbesteuer verzichten. Dann gäbe es das "Problem" mutmasslich überhaupt nicht.
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