Erst Rettung, dann Rechnung: Karstadt-Insolvenzverwalter bekommt Millionen

Karstadt ist dem Aus gerade noch entkommen - für Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hat sich das gelohnt. Er bekommt 27 Millionen Euro aus dem Restvermögen des Unternehmens. Auch die zwölf Mitglieder des Gläubigerausschusses teilen sich eine Millionensumme.

Geretteter Karstadt-Konzern: Knapp 22 Millionen Euro Zuschläge für den Insolvenzverwalter Zur Großansicht
dapd

Geretteter Karstadt-Konzern: Knapp 22 Millionen Euro Zuschläge für den Insolvenzverwalter

Essen - Stattlicher Lohn für einen Finanz-Feuerwehrmann: Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hat die Essener Warenhauskette Karstadt gerettet - und erhält nun für sich und sein Team 27,2 Millionen Euro netto. Das bestätigte am Donnerstag sein Sprecher Thomas Schulz. Zudem erhalten die zwölf Mitglieder des Gläubigerausschusses zusammen rund zwei Millionen Euro. In dem Gremium sitzen unter anderem Vertreter von Banken, Versicherungen, Betriebsrat und der Bundesagentur für Arbeit.

Das Geld für Görg und den Ausschuss kommt aus der Karstadt-Insolvenzmasse. Nach früheren Angaben Görgs betragen die Gerichtskosten zehn Millionen Euro. Die Gesamtkosten des Verfahrens bezifferte er auf 50 Millionen Euro. Das Insolvenzverfahren hatte 16 Monate gedauert. Mittlerweile ist Karstadt gerettet: Zum 1. Oktober hatte Investor Nicolas Berggruen die Warenhauskette übernommen.

Wieviel ein Insolvenzverwalter bekommt, richtet sich nach dem Wert des vorhandenen Vermögens am Ende des Verfahrens. Die Summe muss vom zuständigen Amtsgericht genehmigt werden. Nach der "Insolvenzrechtlichen Vergütungsverordnung" erhält der Verwalter von den ersten 25.000 Euro 40 Prozent. Danach sinkt sein Anteil. Bei Summen von mehr als 50 Millionen Euro stehen ihm 0,5 Prozent zu.

Auf dieser Basis hätte Görg Anspruch auf 5,4 Millionen Euro gehabt. Sein höherer Verdienst erklärt sich durch Zuschläge. Sie sind möglich, wenn das Insolvenzverfahren für den Verwalter überdurchschnittlich aufwendig ist. Dies war bei Karstadt der Fall: Görg musste 120 Warenhäuser mit 25.000 Mitarbeitern führen, 13 Filialen schließen, mit Tausenden Gläubigern verhandeln und einen Käufer finden.

Auch nach der Aufhebung des Karstadt-Verfahrens bleibt Görg weiter Insolvenzverwalter für mehr als 40 Einzelgesellschaften des ehemaligen Karstadt-Mutterkonzerns, Arcandor. Die Dachgesellschaft und Quelle gelten noch als größere Verfahren.

ulz/dpa/dapd

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Forum - Was wird aus dem Karstadt-Konzern?
insgesamt 163 Beiträge
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1. Reibach für Banken
hypnos 08.06.2010
Zitat von sysopMit Investor Nicolas Berggruen scheint ein finanzstarker Retter für die marode Karstadt-Gruppe gefunden. Kann der Deutsch-Amerikaner das Traditionsunternehmen aus der Krise führen? Diskutieren Sie mit anderen SPIEGEL-ONLINE-Lesern.
Und wieder die Banken! Sie pokern bei den Mieten. Quelle hat man schon systemrelevant kaputtgehen lassen.
2. Banken
chris7516 08.06.2010
Zitat von hypnosUnd wieder die Banken! Sie pokern bei den Mieten. Quelle hat man schon systemrelevant kaputtgehen lassen.
(1) Erstmal hat Highstreet 2006 Karstadt gerettet, in dem sie die Immobilien für ein paar Milliarden gekauft haben. Ohne die "Banken" (Highstreet) wäre Karstadt damals schon Pleite gewesen. (2) Warum sollen die Banken schuld daran gewesen sein, dass Quelle Pleite gegangen ist? Quelle hat es eben versäumt, sich den neuen Herausforderungen (internet) zu stellen.
3. Berggruen hat Recht, muss aber aufpassen
Ernst Robert 08.06.2010
Zitat von sysopMit Investor Nicolas Berggruen scheint ein finanzstarker Retter für die marode Karstadt-Gruppe gefunden. Kann der Deutsch-Amerikaner das Traditionsunternehmen aus der Krise führen? Diskutieren Sie mit anderen SPIEGEL-ONLINE-Lesern.
Die Kunst wird sein, die überhöhten Mieten möglichst geräuschlos, aber maßvoll zu senken. Denn nur so kann man die auch in Deutschland (in den meisten Standorten) überbewerteten Immobilien vor einem Crash wie in Japan oder den USA retten. Je mehr Lärm jetzt darum gemacht wird, umso schädlicher. Berggruen hat den Finger in die Wund gelegt, aber er hat Recht. Fairerweise müsste man zugeben, dass auch auf Seiten der Beschäftigten gewisse Zugeständnisse nötig sind, um die Kaufhauskette zu retten.
4.
hypnos 08.06.2010
Zitat von chris7516(1) Erstmal hat Highstreet 2006 Karstadt gerettet, in dem sie die Immobilien für ein paar Milliarden gekauft haben. Ohne die "Banken" (Highstreet) wäre Karstadt damals schon Pleite gewesen. (2) Warum sollen die Banken schuld daran gewesen sein, dass Quelle Pleite gegangen ist? Quelle hat es eben versäumt, sich den neuen Herausforderungen (internet) zu stellen.
Karstadt: "Rettung" durch überhöhte Mieten? Quelle: Die Konditionen für die Ratenkäufe wurden verschlechtert (Zinserhöhung).
5. steilvorlage
altruist 08.06.2010
wenn die vermieter karstadt drohen,was besseres kann dem investor doch garnicht passieren.dann schliesst er die filiale und zeigt auf den bösen vermieter.so einfach ist die welt.
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Kaufhaus-Drama: Karstadt kämpft ums Überleben

Der Karstadt-Retter
Nicolas Berggruen, Sohn des berühmten Kunstsammlers Heinz Berggruen, wurde am 10. August 1961 in Paris geboren. Er wuchs in England, Frankreich und der Schweiz auf und verdiente nach einem Finanzwirtschaftsstudium schon früh an der Wall Street sein eigenes Vermögen. Seit einigen Jahren konzentriert sich der Investor, der keinen festen Wohnsitz hat und in Hotels wohnt, auf nachhaltige Investments. So gehören zu seinem Firmen- und Immobilienimperium auch Reisfarmen in Kambodscha und eine Ethanolfabrik. Mehr auf der Themenseite...
Karstadts Kampf ums Überleben
9. Juni 2009
Die Insolvenzanträge für die Holding Arcandor und die Töchter Karstadt und Quelle werden gestellt.
1. September 2009
Das Essener Amtsgericht eröffnet die Insolvenzverfahren für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften, darunter die Karstadt Warenhaus GmbH. Insgesamt muss das Essener Gericht über rund 40 Einzelanträge entscheiden.
10. November 2009
Gläubiger stimmen dem Verkauf von Karstadt an einen Investor zu. Dennoch stehen harte Einschnitte bevor, einige Häuser müssen schließen.
1. Dezember 2009
Nach Angaben der Insolvenzverwaltung sollen zehn Karstadt-Standorte mit zum Teil mehreren Häusern geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen. 112 Waren- und Sporthäuser sowie acht Schnäppchencenter mit insgesamt mehr als 25.000 Beschäftigten sollen erhalten bleiben.
15. März 2010
Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt.
12. April 2010
Die Gläubiger stimmen dem Insolvenzplan zu.
23. April 2010
Als erster Interessent legt der Finanzinvestor Triton ein Angebot für Karstadt vor.
21. Mai 2010
Es wird bekannt, dass die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Investmentgesellschaft Berggruen Holdings Ltd. sämtliche Karstadt-Geschäftsaktivitäten übernehmen will.
28. Mai 2010
Unmittelbar vor einer Sitzung des Gläubigerausschusses wird das Angebot des Karstadt-Vermieters Highstreet bekannt. Nach der Präsentation der drei Rettungskonzepte vertagt der Ausschuss die Entscheidung über einen Zuschlag auf den 7. Juni. Der Kaufvertrag soll am 9. Juni unterschrieben werden.
1. Juni 2010
Nach monatelangen Gesprächen mit bundesweit 94 Kommunen über einen Verzicht auf Gewerbesteuer haben bis auf drei alle Kommunen zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.
3. Juni 2010
Kurz vor der Entscheidung im Karstadt-Bieterrennen bekräftigt der Handelskonzern Metro sein Interesse an Teilen der insolventen Warenhauskette.
7. Juni 2010
Nach langen Verhandlungen am Konzernsitz in Essen erteilt der Gläubigerausschuss dem Inverstor Nicolas Berggruen den Zuschlag für den Kaufhauskonzern. Karstadt-Vermieter Highstreet und der deutsch-skandinavische Investor Triton überzeugten mit ihren Angeboten nicht.
2. September 2010
Investor Berggruen bekommt die Zustimmung aller Gläubiger zu Mietsenkungen. Dies ist die vorletzte Hürde auf dem Weg zur Rettung des Konzerns. Noch fehlt die Zustimmung des Essener Insolvenzrichters zum Rettungsplan.

3. September 2010
Das Essener Amtsgericht billigt den Insolvenzplan. Damit ist die Übernahme der Warenhauskette durch Berggruen in letzter Instanz bestätigt. Karstadt kann das Insolvenzverfahren abschließen und schuldenfrei weitergeführt werden.
1. Oktober 2010
Letze Gläubiger ziehen ihre Beschwerden gegen den Insolvenzplan zurück. Damit ist der pünktliche Einstieg Berggruens bei Karstadt gesichert. jok/ulz/dpa
Juli 2012
Karstadt kündigt an, 2000 Stellen abbauen zu wollen. Dabei hatte Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen noch bei der Übernahme des Warenhauskonzerns versprochen, alle Jobs zu erhalten und die Rahmenbedingungen nicht zu verschlechtern.