Riskante Anlage Gericht spricht Drogerie-Unternehmer Müller Schadensersatz zu

Seine Bank hat ihn nicht ausreichend beraten, nun muss sie dem Drogerie-Unternehmer Erwin Müller 45 Millionen Euro zahlen. Das urteilte das Oberlandesgericht Stuttgart. Er hatte in einen hochriskanten Fonds investiert.

Bank Sarasin (Archiv)
REUTERS

Bank Sarasin (Archiv)


Der Ulmer Drogerie-Unternehmer Erwin Müller hat sich im Streit um 45 Millionen Euro Schadensersatz wegen falscher Anlageberatung erneut gegen die Schweizer Bank Sarasin durchgesetzt.

Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart wies die Berufung der Bank gegen ein Urteil des Landgerichts Ulm zurück, das im vergangenen Jahr bereits zu Gunsten Müllers entschieden hatte.

Der Chef der vor allem in Süddeutschland bekannten gleichnamigen Drogeriemarktkette hatte Ausgleich für Verluste verlangt, die ihm bei Investitionen in den hochriskanten Luxemburger Sheridan-Fonds entstanden waren.

Pflichten verletzt

Nun urteilte auch das OLG, dass der Drogerie-Unternehmer Anspruch auf die 45 Millionen Euro habe. Die Bank mit Sitz in Basel habe ihre Pflichten verletzt und Müller beim Kauf von Anteilen an dem Luxemburger Fonds nicht ausreichend informiert, befanden die Richter. Gegen das Urteil ist noch Revision möglich.

Der Unternehmer hatte geltend gemacht, er sei über das umstrittene Geschäftsmodell des Fonds sowie über die damit verbundenen Risiken für seine private Millioneninvestition im Unklaren gelassen worden. Er habe nie in einen "Cum-Ex"-Fonds investieren wollen, sagte er. Fünf Millionen Euro hatte die Bank bereits vor dem Prozess zurückgezahlt.

Der Sheridan-Fonds arbeitete mit der umstrittenen Cum-Ex-Methode. Das sind Aktien-Transaktionen rund um den Dividendenstichtag eines Unternehmens, die zu einer doppelten Erstattung der Kapitalertragsteuer führen, obwohl diese nur einmal gezahlt wurde.

Fotostrecke

4  Bilder
Cum und Ex: Vereinfachtes Modell eines Dividendendeals

Diese Praxis, bei der eine Gesetzeslücke ausgenutzt wurde, gilt inzwischen als nicht mehr zulässig. Spätestens seit 2012 geht der Fiskus massiv dagegen vor. Anleger verloren Millionen, nachdem das Bundesfinanzministerium die Praxis gestoppt hatte. Der Schaden für den Staat wird von Experten auf bis zu zwölf Milliarden Euro geschätzt.

brt/dpa/Reuters



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.