Ethische Banken Die Krötenwanderung

Ethische Banken boomen: In der Krise wachsen sie gegen den Trend, weil immer mehr Menschen nicht ihre Gewinne maximieren wollen, sondern ihr Geld lieber nachhaltig anlegen. Doch trotz des raschen Wachstums ist der Einfluss der jungen Branche noch gering.

Nina Eggemann

Von Marc Winkelmann


Es war im Frühjahr 2008, als Georg Schürmann zum ersten Mal ins Grübeln kam. Fast 20 Jahre lang hatte der Manager bei der Deutschen Bank Chart zeigen Karriere gemacht und immer wieder neue Aufgaben übernommen. Zuletzt war er Mitglied der Geschäftsführung Private Banking Deutschland. Doch dann, die Krise zeichnete sich bereits ab, stieß er auf den Namen Triodos. Eine Bank, die ihr Geld nur nach strengen ethischen Kriterien investiert? Das war ihm neu. Also recherchierte er - und lernte seine Branche von einer ganz anderen Seite kennen. Ein Jahr später kündigte er.

Seit vergangenem Sommer ist Schürmann wieder Geschäftsführer, diesmal bei Triodos. Von seinem Firmensitz in Frankfurt aus bereitete er mit 20 Kollegen den Markteintritt der einst in Holland gegründeten Bank vor und nahm Anfang Dezember das Geschäft in Deutschland auf. Er sagt: "Mir sind Werte wichtig geworden, die in den vergangenen 20 Jahren keine Rolle gespielt haben in meinem Beruf."

Die Chancen stehen gut, dass er auf Basis dieser Werte erfolgreich ist. Ethische Banken boomen. Die Zahl der Menschen, die ihr Geld nachhaltig investieren, nimmt zu. Triodos verdoppelte ihre Bilanzsumme in den letzten vier Jahren, die GLS Bank, Deutschlands älteste ethische Bank, wuchs im letzten Jahr um 33 Prozent. Um das zu bewältigen, stellte sie 51 neue Mitarbeiter ein.

Nur fünf deutsche Anbieter

"Die ethischen Banken sind immer schon gewachsen, in der Krise ist ihre Aufwärtsentwicklung aber besonders deutlich", sagt Jörg Weber, Chefredakteur des Branchenportals Ecoreporter.de. Anders als die herkömmlichen Banken konnten sie deutlich machen, dass sie keine abgehobenen Anlagen anbieten, sondern einfache, solide Produkte. "Ihr Geschäft ist sehr bodenständig."

Trotzdem zählen sie immer noch zu den Exoten. Neben einigen Kirchenbanken, die zumeist für die Mitarbeiter und Einrichtungen der Kirchen tätig sind, gibt es gerade mal fünf deutsche Anbieter: Triodos, GLS Bank, Umweltbank, Ethikbank, Noa Bank. Ihr Marktanteil ist verschwindend gering. Die Bilanzsumme der Triodos Bank, die bislang in vier europäischen Ländern aktiv war, lag Ende 2009 bei drei Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Geschäftsbericht der Deutschen Bank wies 2008 bereits 2,2 Billionen Euro aus.

In Konkurrenz zu seinem alten Arbeitgeber will Georg Schürmann allerdings gar nicht treten. Nicht Gewinnmaximierung ist sein Ziel, sondern der Einklang der "drei Wege Mensch, Umwelt und Wirtschaft", wie es im Leitbild der Bank heißt. Die Idee: Was den Kunden und der Umwelt dient, ist auch gut für die Wirtschaft. Von spekulativen Anlagen hält sich die Bank fern, nur in ethisch und ökologisch vertretbare Produkte wird investiert.

Gerade einmal rund 200.000 Euro Gewinn

Derzeit sind das vor allem die Branchen erneuerbare Energien, Naturkosthandel und nachhaltige Immobilien. Begonnen hat Schürmann in Deutschland mit einfachen Produkten, Tagesgeld und Sparplänen. Girokonten sollen Geschäftskunden ab Ende April, Privatkunden ab Ende 2010 eröffnen können. Wer in die Bank investieren will, kann sich an der holländischen Stiftung beteiligen, zu der Triodos zu hundert Prozent gehört. Die Anteile und Stimmrechte sind allerdings begrenzt, und die Gewinne werden zur Hälfte ausgeschüttet. Der Rest fließt ins Eigenkapital, um das Wachstum zu finanzieren.

Auch Thomas Jorberg ist nicht daran interessiert, das Geld seiner Kunden möglichst gewinnbringend anzulegen. Gerade mal 202.000 Euro Gewinn weist seine GLS Bank in ihrem Geschäftsbericht 2009 aus. Viel ist das nicht, wichtig sei aber etwas anderes. "Es ist ein Missverständnis, dass Banken Geld verdienen müssen", sagt der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaftsbank. "Wir wollen das Kernbedürfnis befriedigen, den Geldtransfer zu regeln." Geld aufbewahren, Kredite ausreichen - so nennt er das. Dass Kunden dabei auf etwas verzichten müssten, sei ein Irrtum. "Wir haben schon immer marktübliche Konditionen geboten."

Jorberg kennt das Unternehmen seit den Anfängen. 1977, drei Jahre nach der Gründung, stieg er als erster Azubi ein, seit acht Jahren führt er die Bank mit dem anthroposophischen Hintergrund. Heute ist sie ein Vorzeigemodell, und Jorberg muss in Interviews erklären, warum seine Bank gegen den Trend wächst.

"Neben den sozial-ökologischen Kriterien ist es den Kunden heute wichtig, dass sie ihre Anlage verstehen. Das hören wir sehr häufig", so Jorberg. Transparent müsse das Geschäft sein, sagt er und verweist auf das GLS-Magazin "Bankspiegel", das dreimal im Jahr veröffentlicht wird. Darin listet die Bank penibel sämtliche Kredite auf, die Schulen, Kindergärten, Biohöfe oder Parteien erhalten haben. "Landschwein GmbH, Großdubrau, Fotovoltaik-Anlage, 138.500 Euro", heißt es dann, oder "79 Mikrokredite an Kleinstunternehmen, Gesamtsumme: 556.743 Euro".

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cineast78 24.05.2010
1. noa bank - Tagesgeld ist "ausverkauft"
Naja, das Konzept der noa bank - hohe Verzinsung für Tages- und Festgeld bieten und das Geld dann als Kredite ökoloethischwasauchimmer weitergeben - ist offenbar ein Reinfall: Das Tagesgeld (2,2%, das ist top) ist seit Wochen "ausverkauft", siehe https://www.noabank.de/tagesgeld/antrag Das Geld wurde z.T. bei den Konkurrenzbanken angelegt oder in andere dubiose Unternehmen, großteils auch in eine noa-Tochter, wenn ich mich richtig erinnere. Nix öko. Meine Meinung: Wer wirklich öko/ethisch etc. sein will, kommt mit "Grün wählen", "Greenpeace gut finden", "traurig schauen", "überteuert Bio kaufen" oder "bei Ethikbank anlegen" nicht weit. Da gehört mehr dazu, da muss man wirkliche Opfer bringen.
MaximilianSchmitz 24.05.2010
2. Unnütz
Ein Bericht über ethische Banken und keine Erwähnung von Islamic Banking, die eine weltweite Kaiptalisierung von 1,5 Billionen Dollar aufweist. Gering ist der Einfluss nur hierzulande und unser Land ist sicherlich nicht der Nabel der Welt. Das scheinen die Berichterstatter aber zu vergessen.
Silverhair, 24.05.2010
3. Ehrliche Kaufleute
Zitat von cineast78Naja, das Konzept der noa bank - hohe Verzinsung für Tages- und Festgeld bieten und das Geld dann als Kredite ökoloethischwasauchimmer weitergeben - ist offenbar ein Reinfall: Das Tagesgeld (2,2%, das ist top) ist seit Wochen "ausverkauft", siehe https://www.noabank.de/tagesgeld/antrag Das Geld wurde z.T. bei den Konkurrenzbanken angelegt oder in andere dubiose Unternehmen, großteils auch in eine noa-Tochter, wenn ich mich richtig erinnere. Nix öko. Meine Meinung: Wer wirklich öko/ethisch etc. sein will, kommt mit "Grün wählen", "Greenpeace gut finden", "traurig schauen", "überteuert Bio kaufen" oder "bei Ethikbank anlegen" nicht weit. Da gehört mehr dazu, da muss man wirkliche Opfer bringen.
Na, eigentlich doch mal ein gutes Zeichen das nicht immer der Eindruck erweckt wird Geld gäbe es immer in beliebiger Höhe und Menge .. Fingertips auf Computern würden ausreichen. Die Ganze Giralgeld-Schöpfung ist doch dagegen reinste Augenwischerei .. Weil die Kunden doch "eigentlich ihr Geld nie ganz abheben - nehmen die Banken dieses Geld, und verleihen es wieder und Wieder .." ebenso der Geldmultiplikator .. die EZB verlieht 1 Mrd. Kredite an die Banken - die Banken machen daraus 20 Mrd. "Kredite" -merkt ja keiner das sich da plötzlich 20 Leute den gleichen "Schein" teilen - ist ja alles virtuell geworden. Pech nur das NIE eine relevante Menge von Leuten IHR Geld abholen dürfen , den dann stellt sich schnell raus das dort nichts btw. weniger als 1/20 Geld für "jeden" nur noch existiert! Klar kann man so "beliebig viel Geld beliebig oft vergeben" aber das ist eher das Zeichen für "unehrliche Banker" den für ehrliche. Wenn "Geld" Wert haben soll, dann darf es nicht beliebig vermehrbar sein - ansonsten hat es eben schlichtweg keinen Wert! Die dt. Bank verleiht über 700 Mrd. an krediten ... aber ihr eigenes kapital liegt nur bei ca. 45 Mrd. .. .mhh, was denken wir wieviel echtes und wieviel "frei erfundenes" Geld dort "verliehen" wurde!
aceofspade 24.05.2010
4. Sinnhaftigkeit
Zitat von sysopEthische Banken boomen: In der Krise wachsen sie gegen den Trend, weil immer mehr Menschen nicht ihre Gewinne maximieren wollen, sondern ihr Geld lieber nachhaltig anlegen. Doch trotz des raschen Wachstums ist der Einfluss der jungen Branche noch gering. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,694795,00.html
Vollkommen bloedsinnige Praemisse: Geld mit Gewinn anlegen IST nachhaltig anlegen. Ohne Gewinn wird das Geld bald nicht mehr da sein.
frank_lloyd_right 24.05.2010
5. Moment...
Zitat von aceofspadeVollkommen bloedsinnige Praemisse: Geld mit Gewinn anlegen IST nachhaltig anlegen. Ohne Gewinn wird das Geld bald nicht mehr da sein.
...im Namen des Herrn unterwegs wie Blankfein ? Das meinte er ja... Entweder ist reines Geldgeschäft AN SICH unethisch oder wir sollten lieber versuchen, eine Art Genfer Konvention für existierende Geldprostituten durchzudrücken (don´t be evil) als nach grünen Banken zu rufen. Weil, das ist schon paradox und ich traue den Brüdern auch nicht.
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