Härtere Regeln: EU-Kommissar will Manager-Boni begrenzen

Großzügige Bonusregelungen für Unternehmenschefs stehen in der Kritik - vor allem Aktionäre gehen immer häufiger gegen hohe Vergütungen der Top-Manager vor. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier schlägt jetzt vor, dass die Anteilseigner über die Gehälter der Chefs mitentscheiden.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier: Aktionäre sollen Top-Gehälter bestimmen Zur Großansicht
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EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier: Aktionäre sollen Top-Gehälter bestimmen

Brüssel - Vor allem in den USA und Großbritannien kritisieren Aktionäre immer häufiger unangemessen hohe Vergütungen von Vorstandschefs. Sie verwehrten Citigroup-Chef Vikram Pandit die Zustimmung zu seinem 15-Millionen-Dollar-Gehaltspaket. Beim Pharmakonzern AstraZeneca und dem britischen Medienkonzern Trinity Mirror kostete der Widerstand der Anteilseigner die jeweiligen Chefs sogar den Posten.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hat diese Stimmung aufgegriffen und einen weitreichenden Vorschlag präsentiert: Aktionäre sollen bei Gehältern und Boni des Managements mehr mitreden dürfen. Börsennotierte Unternehmen müssten transparenter werden und Anteilseigner mehr Verantwortung erhalten, sagte der für Binnenmarkt und Dienstleistungen zuständige EU-Kommissar.

So könnten zum Beispiel Abstimmungen von Aktionären über die Gehälter des Vorstandes fest vorgeschrieben werden. Die Anteilseigner könnten künftig festlegen, wie hoch der individuelle Bonus eines Managers im Verhältnis zu seinem Fixgehalt ausfallen darf. Zudem sollten die Aktionäre auch das Verhältnis des niedrigsten zum höchsten Gehalt einer Firma festlegen dürfen.

Mit einer Begrenzung von Bonuszahlungen soll Managern der Anreiz genommen werden, zu hohe Risiken einzugehen. Ähnliche Gesetze gibt es in Europa bisher nur in Schweden, Norwegen und in den Niederlanden. Hohe Boni gelten als eine der Ursachen der Finanzkrise, die im Wesentlichen auf die Fehlspekulation von Bankern zurückgeht. Die Vorschläge von Barnier könnten den Weg für ein EU-weites Gesetz im kommenden Jahr bereiten. Zugleich erhöht er den Druck in der Debatte um Boni und hohe Managergehälter.

Ein weiterer Vorschlag könnte für größere Transparenz in der Bezahlung der Manager sorgen: Unternehmen sollen künftig veröffentlichen müssen, wie viel Geld ihre 20 bis 30 Topverdiener jährlich bekommen. In deutschen Unternehmen müssen die Vorstandsgehälter bisher lediglich als Gesamtsumme veröffentlicht werden, nicht auf einzelne Manager bezogen - einige Konzerne tun das allerdings bereits freiwillig.

nck/Reuters

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Wer ist Eigentümer?
jdm11000 16.05.2012
Zitat von sysopGroßzügige Bonusregelungen für Unternehmenschefs stehen in der Kritik - vor allem Aktionäre gehen immer häufiger gegen hohe Vergütungen der Top-Manager vor. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier schlägt jetzt vor, dass die Anteilseigner über die Gehälter der Chefs mitentscheiden. EU-Kommissar Barnier will Aktionäre über Manager-Boni bestimmen lassen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,833540,00.html)
Mich wundert es eh, dass ein Vorstandsvorsitzender sich nicht dem Eigner selber wirklich verantworten muss. Die Aktionäre sind die Eigentürmer der Gesellschaft und sonst niemand. Diese tragen das finanzielle Risiko, müssen im Verlustfalle sogar Kapital nachschiessen etc. Das dann ein Vorstand sich nicht wirklich rechtfertigen muss, wie zB im Falle der Commerzbank als die Dresdner Bank ohne Zustimmung der Aktionäre gekauft wurde, ist mehr als ein Drama. Es ist lange an der Zeit den Eigentümern mehr Mitbestimmung an die Hand zu geben - das was sie eigentlich sind, sollten sie auch sein: Anteilseigner und nicht gedultete Geldgeber.
2. optional
bundeslach 16.05.2012
Warum nicht eine einheitliche Staffelboni? Als Millionär bekommt man doch auch nicht mehr Punkte in Flensburg, oder?
3. optional
wylly 16.05.2012
wenn schon solche schwachsinnigen Vorschläge was hält die EU in Brüssel davon die Gehälter für die überlüssigen EU Beamte um 50 % zu kürzen? Dann bekäme z.B. ein Pförtner nicht mehr ein wesentlich höhes Einkommen als eiin deutscher Facharbeiter
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