Euro-Krise: EU-Kommissarin kritisiert deutschen Ego-Kurs

Von manager-magazin-Redakteur Henrik Müller

Die Vize-Präsidentin der EU-Kommission übt scharfe Kritik am deutschen Verhalten in der Euro-Krise. Die Bundesrepublik habe von der Währungsunion profitiert - nun erwarte sie von den Unternehmen und der Regierung ein klares Bekenntnis zu Europa.

EU-Politikerin Reding: "Kommen nicht weiter" Zur Großansicht
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EU-Politikerin Reding: "Kommen nicht weiter"

Hamburg - Die Vize-Präsidentin der EU-Kommission hat die Zurückhaltung der Deutschen in der Euro-Krise kritisiert. Sowohl mit der Regierung als auch mit der Privatwirtschaft ging sie hart ins Gericht. "Von den großen deutschen Unternehmen und ihren Topmanagern erwarte ich viel mehr öffentliches Eintreten für die europäische Sache", sagte Viviane Reding im Interview mit dem manager magazin. "Schließlich haben sie von Binnenmarkt und Währungsunion enorm profitiert."

Mit Unverständnis kommentierte Reding auch die Debatte über die geplante Bankenunion und die Garantien für andere Euro-Staaten. Ihr Heimatland Luxemburg stelle pro Kopf mehr Mittel in der Euro-Krise bereit als die Deutschen. "Aber das finden wir in Ordnung - weil wir die Notwendigkeit dieser Solidarunion sehr wohl verstehen."

Die Deutschen dürften nicht vergessen, dass ihr Land in der Vergangenheit stark davon profitiert habe, "dass ihm von seinen Nachbarn ein großer Vertrauensvorschuss entgegengebracht wurde". Als Beispiel nannte sie die Unterstützung der europäischen Partner bei der Wiedervereinigung.

Ohne gegenseitiges Vertrauen lasse sich auch die Euro-Krise nicht lösen: "Wenn wir allein in den Kategorien von Anreizen und Sanktionen denken, kommen wir nicht weiter", sagte Reding mit Blick auf die Linie der Bundesregierung, die eine Vergemeinschaftung von Schulden strikt ablehnt.

Weltbank-Chef warnt vor globaler Rezession

Zuvor hatten schon andere Manager internationaler Institutionen die Zurückhaltung der Euro-Krisenmanager kritisiert. Der Internationale Währungsfonds moniert, dass in der Währungsunion noch immer die grundsätzlichen Werkzeuge fehlen, die die negativen Wechselwirkungen zwischen Staatshaushalten, Banken und der Realwirtschaft aufbrechen könnten. Es gebe keine "ambitionierte Politik" zur Eindämmung der Krise.

Weltbank-Chef Jim Yong Kim forderte die europäischen Staaten auf, alles daran zu setzen, die Stabilität ihrer Finanzmärkte wiederherzustellen. "Um es deutlich zu sagen: Was heute in Europa passiert, betrifft den Fischer im Senegal und den Programmierer in Indien", sagte Kim. Selbst wenn es gelinge, die Krise im Euro-Raum einzudämmen, könnte sie zu einem Wachstumseinbruch in den meisten Regionen der Erde um bis zu 1,5 Prozent führen. Bei einer anhaltenden Euro-Krise drohe die globale Rezession.

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1.
beuerlein 19.07.2012
Zitat von sysopAFPDie Vize-Präsidentin der EU-Kommission übt scharfe Kritik am deutschen Verhalten in der Euro-Krise. Die Bundesrepublik habe von der Währungsunion profitiert - nun erwarte sie von den Unternehmen und der Regierung ein klares Bekenntnis zu Europa. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,845320,00.html
Man hat sich in Europa schon daran gewöhnt das die Deutschen immer alles bezahlen. Gerade Deutschland und Franreich habe die europäische Einingung vorangetrieben.
2. Oh.... was verpasst ?
ton.reg 19.07.2012
Die EU bzw. die Eurostaaten haben sich an den Kosten der Wiedervereinigung signifikant beteiligt ? Oder war deren Solidarität lediglich dessen abnicken ? Apropos Vertrauen. Die Deutsche Bundesbank sowie unsere Industrie haben langsam ein 1000 Mrd. € Vertrauen in den Target 2 stecken. Das, neben demr realen Einkommensverlust ist der hohe "Profit" durch den Euro. Was soll also dieses erpresserische Genörgle ?
3.
Maya2003 19.07.2012
Zitat von sysopAFPDie Vize-Präsidentin der EU-Kommission übt scharfe Kritik am deutschen Verhalten in der Euro-Krise. Die Bundesrepublik habe von der Währungsunion profitiert - nun erwarte sie von den Unternehmen und der Regierung ein klares Bekenntnis zu Europa. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,845320,00.html
."dass ihm von seinen Nachbarn ein großer Vertrauensvorschuss entgegengebracht wurde". Die "europäische Sache" muß ja wirklich noch tiefer im Dreck stecken als wir und vorstellen wenn jetzt zur braunen Karte gegriffen wird. Von Luxemburg, dieser Bank mit angehängtem Land - wer hat da wohl was zu verlieren ?
4. ...
anderton 19.07.2012
Zitat von sysopAFPDie Vize-Präsidentin der EU-Kommission übt scharfe Kritik am deutschen Verhalten in der Euro-Krise. Die Bundesrepublik habe von der Währungsunion profitiert - nun erwarte sie von den Unternehmen und der Regierung ein klares Bekenntnis zu Europa. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,845320,00.html
Richtig Frau EU-Kommissarin, die "Unternehmen" und die "Top-Manager" haben am "meißten provitiert". Aber was rede ich, von Bürgern und dem Volk redet sowieso keiner mehr. Es geht nur noch um Märkte, Milliarden und Banken...
5. Ausgerechnet das Steuer und Bankenparadies Luxenburg
FreeEurope 19.07.2012
..sitzt zu gericht über Deutschland. Wie viele UNternehmen haben um steuern zu sparen nach Luxenburg verlagert? Wie groß sind die Steuerausfälle Duetschlands drch das Steuerdumping in Luxenburg? Die Luxenbuerger Kommisarin sollte sich zurückhalten! Luxenburg kann nicht erwarten, das noch mehr von unten nach oben umverteilt wird, nur damit die Banken in Luxenburg keine Abschreibungen machen müssen! Das Großkapital verkauft die Bankenrettung als Europäische Angelegenheit. Doch was kommt beim Griechen tatsächlich an? Ist es OK, das der Milliardär SPiros Latsis 4,2 Milliarden bekommen hat - er alleine?
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