Streit um Strompreise: EU eröffnet Kartellverfahren gegen Deutsche Bahn

Der Deutschen Bahn droht Ärger mit der EU-Kommission. Die Brüsseler Behörde hat ein Kartellverfahren gegen den Konzern und mehrere Tochtergesellschaften eingeleitet. Das Staatsunternehmen soll von seinen Konkurrenten zu hohe Strompreise verlangt haben.

ICE in Dortmund: Der Strom kommt von einer Bahn-Tochter Zur Großansicht
DPA

ICE in Dortmund: Der Strom kommt von einer Bahn-Tochter

Brüssel - Die EU-Kommission knöpft sich die Deutsche Bahn vor. Sie prüft in einem förmlichen Kartellverfahren, ob eine Tochtergesellschaft die Konzernmutter beim Verkauf von Bahnstrom bevorzugt hat. "Es besteht der Verdacht, dass sich diese Unternehmen an einem wettbewerbswidrigen Preissystem beteiligt haben", erklärte die Kommission am Mittwoch in Brüssel.

Die Wettbewerbsaufsicht werde untersuchen, ob die Bahn-Tochter Energie GmbH dem Mutterkonzern mehr Rabatt auf Bahnstrom gebe und Konkurrenten über höhere Preise benachteiligt würden. Über die Höhe der möglichen Einsparungen ist bislang nichts bekannt. Sollte sich der Verdacht erhärten, drohen der Bahn hohe Geldbußen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes. Nach den Geschäftszahlen für 2011 entspräche das rund 3,8 Milliarden Euro. Eine Frist für das Verfahren gibt es nicht. Ein Bahnsprecher sagte, man werde "wie in der Vergangenheit zur Klärung des Sachverhalts beitragen".

Wettbewerber der Bahn hatten sich bei der EU über das Preissystem beschwert. Daraufhin hatten Beamte der Behörde im vergangenen Jahr unangemeldet Geschäftsräume der Bahn durchsucht und Unterlagen sichergestellt. Damals hatte sich die Deutsche Bahn "überrascht" gezeigt und erklärt, das seit 2002 bestehende Preissystem für Bahnstrom sei vor Einführung intensiv mit dem Bundeskartellamt erörtert worden. Außerdem habe die Bahn in dieser Sache bereits mehrere Prozesse gewonnen.

In Deutschland ist die Bahn-Tochter Energie GmbH faktisch der einzige Anbieter für Bahnstrom, der im Eisenbahnnetz für den Antrieb elektrischer Lokomotiven und Bahnen verwendet wird und dessen Frequenz sich von der des allgemeinen Stromversorgungsnetzes unterscheidet.

stk/Reuters/dpa/dapd

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1.
sonntagsbrötchen 13.06.2012
Zitat von sysopDPADer Deutschen Bahn droht Ärger mit der EU-Kommission. Die Brüsseler Behörde hat ein Kartellverfahren gegen den Konzern und mehrere Tochtergesellschaften eingeleitet. Das Staatsunternehmen soll von seinen Konkurrenten zu hohe Strompreise verlangt haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,838620,00.html
Solange das Herz der Bahn im 16 2/3 Takt schlägt wird sich daran nicht viel ändern. Vielleicht wäre bis dahin die "Netzöffnung" einen Versuch wert. Bis 2022 könnten die Bahnen dann den Strom direkt am KKW Neckarwestheim (Einziger AKW-Standort mit Bahnstromerzeugung) einkaufen. Damit wäre auch der EnBW geholfen. 2 Filegen mit einer Klappe.
2.
denkpanzer 13.06.2012
Zitat von sysopDPADer Deutschen Bahn droht Ärger mit der EU-Kommission. Die Brüsseler Behörde hat ein Kartellverfahren gegen den Konzern und mehrere Tochtergesellschaften eingeleitet. Das Staatsunternehmen soll von seinen Konkurrenten zu hohe Strompreise verlangt haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,838620,00.html
Das Kartellamt sollte auch mal die Fahrkartenpreise mit denen der Konkurrenz vergleichen. Geht nicht weil es keine echte Konkurrenz gibt? Eben.
3.
antilobby 13.06.2012
Zitat von sonntagsbrötchenSolange das Herz der Bahn im 16 2/3 Takt schlägt wird sich daran nicht viel ändern. Vielleicht wäre bis dahin die "Netzöffnung" einen Versuch wert. Bis 2022 könnten die Bahnen dann den Strom direkt am KKW Neckarwestheim (Einziger AKW-Standort mit Bahnstromerzeugung) einkaufen. Damit wäre auch der EnBW geholfen. 2 Filegen mit einer Klappe.
Der Block 1 mit 16 2/3 Hz Bahnstrom-Erzeugung wurde im März 2011 still gelegt. BTW: Bedeutet der Text "CO2-frei" auf den Bahn-Tickets eigentlich, dass sie mit Atomstrom fahren?
4.
Flari 13.06.2012
Zitat von antilobbyDer Block 1 mit 16 2/3 Hz Bahnstrom-Erzeugung wurde im März 2011 still gelegt. BTW: Bedeutet der Text "CO2-frei" auf den Bahn-Tickets eigentlich, dass sie mit Atomstrom fahren?
Das gilt nur für die Ausfälle.
5.
dr.u. 13.06.2012
Zitat von sysopDPADer Deutschen Bahn droht Ärger mit der EU-Kommission. Die Brüsseler Behörde hat ein Kartellverfahren gegen den Konzern und mehrere Tochtergesellschaften eingeleitet. Das Staatsunternehmen soll von seinen Konkurrenten zu hohe Strompreise verlangt haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,838620,00.html
Wie wäre es denn, wenn man mal vom 16,7Hz Bahnstrom zum "normalen" 50Hz Strom wechselt. Das das durchaus machbar ist (bzw. die Züge mit beiden Frequnezen klar kommen können) zeigen durchgehende Zugverbindungen von Deutschland (16,7Hz) nach Frankreich (50Hz) von ICE und TGV. Dann könnte das Bahnstromnetz die normalen Stromnetze untestützen und mit selbigen gekoppelt werden; ohne aufwendige Frequenzumsetzer. Die Bahn und ihre Konkurrenten könnte ihren Strom auf dem Strommarkt kaufen und wären nicht mehr voneinander abhängig.
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Logistik-Riese: Wichtige Fakten über die Bahn

Deutsche Bahn
Der Konzern
Mit einem Umsatz von 39,3 Milliarden Euro und weltweit 285.000 Mitarbeitern ist die Deutsche Bahn einer der größten Konzerne des Landes. 2012 machte die Bahn einen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro. Jedes Jahr transportiert die Bahn weltweit fast zwei Milliarden Reisende im Fern- und Nahverkehr.
Die Geschäftsfelder
Die Deutsche Bahn bietet neben dem Personenverkehr auch andere Transport- und Logistikdienstleistungen (DB Schenker) an. Gut ein Drittel des Umsatzes erzielt das Unternehmen mit dem Fern- und Nahverkehr und dem Betrieb von Bussen im Stadtverkehr. Der Bereich DB Schenker, in dem unter anderem der Schiengüterverkehr gebündelt ist, trägt rund die Hälfte zum Gesamtumsatz bei.
Der Chef
Rüdiger Grube ist seit Mai 2009 Chef der Deutschen Bahn. Der Top-Manager hat sich von der Hauptschule über eine Berufsausbildung und ein Studium bis an die Spitze des Logistikkonzerns hochgearbeitet. Vor seinem Wechsel zum Staatsunternehmen war er im Vorstand des Autobauers Daimler für die Konzernentwicklung zuständig. Davor arbeitete Grube mehrere Jahre bei der Daimler-Benz Aerospace (DASA), die später im Luft- und Raumfahrtkonzern EADS aufging.