EU-Plan: Deutsche Stromkunden sollen griechische Wirtschaft ankurbeln

Griechenlands Wirtschaft muss angekurbelt werden - aber wie? Nach SPIEGEL-Informationen könnte die deutsche Ökostrom-Förderung auf griechische Solarfirmen ausgeweitet werden, einen entsprechenden EU-Plan prüft die Bundesregierung. Die Rechnung würden die Verbraucher hierzulande zahlen.

Solaranlage in Athen: Griechischer Wirtschaftsboom durch Sonnenenergie? Zur Großansicht
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Solaranlage in Athen: Griechischer Wirtschaftsboom durch Sonnenenergie?

Hamburg - Griechenland braucht nach Ansicht vieler Ökonomen nicht nur ein radikales Sparprogramm, sondern auch einen Plan, wie die Wirtschaft wieder angekurbelt werden kann. Eine Möglichkeit hat die EU-Kommission nach SPIEGEL-Informationen jetzt in ihre Pläne für ein neues griechisches Wachstumsprogramm geschrieben. Demnach soll die in Deutschland geltende gesetzliche Förderung erneuerbarer Energien auch für griechische Unternehmen geöffnet werden, die Strom ins europäische Elektrizitätsnetz leiten.

So sollen Anreize für Investitionen in griechische Solarparks oder Windkraftanlagen geschaffen werden. Zusätzlich soll es für Ökostrom-Investitionen in Griechenland Hilfen der bundeseigenen Staatsbank KfW geben. Die Bundesregierung prüft den EU-Plan bereits.

In Deutschland wird die Förderung von Solar- und Windstrom über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt. Für jede Kilowattstunde Ökostrom, die ins Netz eingespeist wird, erhalten die Produzenten einen festgelegten Betrag, der zum Teil deutlich über dem Marktpreis liegt. Die Mehrkosten tragen die Verbraucher über ihre Stromrechnung. Sollte diese Regelung auch für Solar- und Windstrom aus Griechenland gelten, würde dies bedeuten, dass die Verbraucher hierzulande für den Aufbau der Wirtschaft in dem südeuropäischen Land zahlen müssen.

Die griechische Regierung hatte schon im Herbst 2011 mit dem Projekt "Helios" um deutsche Investoren geworben. Die Idee: Die Solarerzeugung in Griechenland soll bis 2020 auf 2200 Megawatt ausgebaut werden. Fünf Prozent der benötigten Investitionen in Höhe von 20 Milliarden Euro wollte die deutsche Solarbranche beisteuern.

Die Möglichkeiten scheinen groß: Griechenland hat 300 Sonnentage im Jahr. Bisher erzeugt das Land den größten Teil seines Stroms mit umweltschädlicher Braunkohle und mit Schwerölkraftwerken - eine Energiewende ist also dringend nötig. Branchenexperten äußerten aber bereits Bedenken: Die hohen Investitionskosten für neue Stromleitungen machten das "Helios"-Projekt enorm teuer.

Zögerliches Sparen verärgert Troika

Aus Brüssel ist gleichzeitig viel Kritik an der aktuellen griechischen Politik zu hören. EU-Vertreter bemängeln die zögerliche Art und Weise, wie Athen versucht, die Finanzkrise in den Griff zu bekommen.

So hält es die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) für erforderlich, die Arbeitskosten um 15 bis 20 Prozent zu drücken. Noch immer liege der gesetzliche Mindestlohn um rund 50 Prozent über dem Niveau Portugals, heißt es in dem Bericht des Überwachungsgremiums, der diese Woche vorgelegt werden soll.

Allerdings wächst in Brüssel auch der Widerstand gegen allzu harte Sparauflagen. "Wenn man Gehälter weiter kürzt, stellt man die Bereitschaft der griechischen Bevölkerung in Frage, aus der Krise herauszukommen", sagt der deutsche Energiekommissar Günther Oettinger. "Das Sparen muss jetzt von Maßnahmen zur Abmilderung der Rezession begleitet werden."

nck

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1. Nichts gegen Solarstrom aus
cottoner 05.02.2012
Griechenland. Aber wie bitte soll sichergestellt werden, dass uns da nicht wieder ganz Schlaue ueber den Tisch ziehen und manipulieren und schummeln, dass die Schwarte kracht ? Nach den bisherigen Erfahrungen mit diesem Chaosstaat ist diese Frage sicherlich berechtigt.
2. Wunderbar!
Ben Major 05.02.2012
Zitat von sysopGriechenlands Wirtschaft muss angekurbelt werden - aber wie? Nach SPIEGEL-Informationen könnte die deutsche Ökostrom-Förderung auf griechische Solarfirmen ausgeweitet werden, einen entsprechenden EU-Plan prüft die Bundesregierung. Die Rechnung würden die Verbraucher hierzulande zahlen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,813384,00.html
Dieser Vorschlag ist doch eine einmalige WinWin Chance, die schwächelnde Solarbranche kriegt noch mehr Subventionen und im korruptem Griechenland werden Großgrundgebesitzer dafür bezahlt, das bei Ihnen die Sonne scheint. Einziger Nachteil ist, das arme Menschen sich in Deutschland wegen der hohen Strompreise ihre Frühstückseier bald auf dem Spirituskocher machen müssen, aber hey, Fortschritt kann auf Einzelschicksale halt keine Rücksicht nehmen.
3. warum eigentlich wir?
keksguru 05.02.2012
die sollen mal die Gürten enger schnallen, ihre Staatsbetriebe entlich mal privatisieren, den Gewerkschaften das Streiken bei jeder kleinigkeit verbieten, das Gewerbe öffnen so wie hier bei uns (wo eine Taxilizenz nicht mit dem Gegenwert eines Eigenheimes bezahlt wird) und letztenendlich, wenn nix anderes hilft, mal drastisch bei der Grundsteuer zulangen, notfalls durch Verpfändung von Grundbesitz. WArum eigentlich nicht.... in Hamburg gehört ca. 15% des Wohnraumbestandes dem Staat... und UND es macht keine Verluste. Nur wer kauft einen verfilzten und korrupten griechischen Staatsbetrieb, der bei jeder auch nur ansatzweise brauchbaren Sparmaßnahme bestreikt wird? Wer kauft überhaupt irgendwas, wenn nach einer Staatspleite vermutlich das ganze Preisniveau ungarische, moldawische oder georgische Verhältnisse annimmt? Am Ende zahlen wir dafür weil woanders nicht vernünftig gewirtschaftet wird.... was umso schmerzhafter ist wenn man den Fast-Stillstand bei den Reformbemühungen betrachtet. Das LKW Transportgewerbe ist IMMER NOCH NICHT liberalisiert, was z.B, ein Vertrgsverletzungsverfahren rechtfertigt, denn es verstößt gegen Grundregeln der freien Berufswahl - und das ist ein Grundrecht das jedes EU Land mit Vollmitgliedschaft seinen Bürgern einzuräumen hat.
4. Damit sich die Deutschen Stromkunden als Ausgleich künftig abzocken lassen?
Roßtäuscher 05.02.2012
Zitat von sysopGriechenlands Wirtschaft muss angekurbelt werden - aber wie? Nach SPIEGEL-Informationen könnte die deutsche Ökostrom-Förderung auf griechische Solarfirmen ausgeweitet werden, einen entsprechenden EU-Plan prüft die Bundesregierung. Die Rechnung würden die Verbraucher hierzulande zahlen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,813384,00.html
Griechische Solarfirmen hauen dann die ohnehin schon mit horrenden Abnehmerpreisen belegten deutschen Haushalte gesteigert übers Ohr (sind jetzt in Europa die teuersten Stromabnehmer). Und Merkel sitzt im Kanzleramt, lernt Stricken und schaut dem bunten Treiben der griechischen Geldvermehrung zu. Ob Juncker, oder andere, die EU ist zum Irrenhaus verkommen und vor ihrer Auflösung. Eine Neuordnung kann nur Neubeginn bedeuten, mit den gemachten Erfahrungen des Negativen.
5. na ist es denn
felisconcolor 05.02.2012
Zitat von sysopGriechenlands Wirtschaft muss angekurbelt werden - aber wie? Nach SPIEGEL-Informationen könnte die deutsche Ökostrom-Förderung auf griechische Solarfirmen ausgeweitet werden, einen entsprechenden EU-Plan prüft die Bundesregierung. Die Rechnung würden die Verbraucher hierzulande zahlen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,813384,00.html
wer hätte das gedacht, das wir es bezahlen als Steuerzahler. wäre nicht mehr als Recht und Billig wenn man uns dafür was von Griechenland überschreiben würde.
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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