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Unsichere Bilanzen: EU stellt staatliche Bürgschaften für griechische Banken infrage

EZB-Hauptquartier in Frankfurt: Fragwürdige Papiere in Bankenbilanzen Zur Großansicht
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EZB-Hauptquartier in Frankfurt: Fragwürdige Papiere in Bankenbilanzen

Die EU-Kommission verdächtigt mehrere südeuropäische Regierungen, notleidende Geldhäuser mit unzulässigen Staatshilfen zu stützen. Der Fall könnte neue Schockwellen durch den Bankensektor schicken - vor allem in Griechenland.

Die EU-Kommission prüft laut einem Zeitungsbericht fragwürdige Papiere in den Bilanzen von Banken in Griechenland, Spanien, Portugal und Italien. Ein Expertenteam versuche herauszufinden, ob die Regierungen dieser Länder auf illegale Weise für notleidende Banken bürgen, berichtete die "Financial Times" ("FT") am Montagabend.

Konkret geht es um sogenannte deferred tax assets. Auf solchen Papieren sind normalerweise Verluste verbucht, die Banken später von der Steuer absetzen können. Die Regierungen in Griechenland, Spanien, Portugal und Italien hatten ihre nationalen Gesetze im vergangenen Jahr so geändert, dass Banken solche Papiere zu ihrem Kernkapital zählen können - also zu jenen Mitteln, die den Instituten dauerhaft zur Verfügung stehen und mit denen im Notfall Gläubiger bedient werden können. Das hatte geholfen, finanziell angeschlagene Geldhäuser zu stabilisieren.

Manche Wettbewerbshüter in Brüssel halten diese Gesetzesänderungen für unfaire Staatshilfen, denn wenn einer der betroffenen Banken wirklich der Kollaps droht, müsste die nationale Regierung sie vor der Pleite retten, indem sie für den in der Bilanz verrechneten Steuervorteil einspringt.

Die Diskussion in der EU-Kommission könnte weitreichende Konsequenzen haben. Denn ohne deferred tax assets würden die Kapitalpuffer mancher südeuropäischer Banken bedenklich dahinschmelzen. Laut EZB-Zahlen vom Oktober wären in den vier betroffenen Ländern bis zu 40 Milliarden Euro Kernkapital gefährdet. In Griechenland bestehe das Kernkapital der größten nationalen Banken gar zu 30 bis 40 Prozent aus deferred tax assets, berichtet die "FT".

Die EU-Kommission prüft derzeit, ob sie ein offizielles Verfahren in dem Fall einleitet. Die Regierungen der vier betroffenen Länder wollten den Bericht nicht kommentieren.

ssu

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insgesamt 84 Beiträge
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1. deferred tax assets
Mavomi1981 07.04.2015
...könnte man auch mit ?latenten Steuerforderungen? (d.h. Rückzahlungsanspüchen) übersetzen.
2. Kartenhaus EU
conny1969 07.04.2015
Der Euro ist so was von tot. Staatliche Bürgschaften für Banken. Pleitestaaten bürgen für Pleitebanken. Super System, am Ende haftet der Steuerzahler.
3.
MarkusH. 07.04.2015
ja bitte in Schnellverfahren abschaffen. resultat? Griechenland pleite oder gleich Hilfspaket 3+4 nötig. beides bringt uns nicht weiter, ausser man lasst GR endlich konkurs gehen
4. upps, endlich aufgewacht?
genugistgenug 07.04.2015
Die EU-Kommission verdächtigt mehrere südeuropäische Regierungen,..... wieso so spät? Mal sehen wann endlich die Frage kommt: Wer hat diesen Ländern Kredite genehmigt ohne die vorgelegten Zahlen zu prüfen? Oder diese: Wieso wurde nicht gefragt, wie man die Zinsen/Tilgung erwirtschaften kann? Erwirtschaften, nicht das bisherige und gewünschte Schneeballsystem damit alle ihre Ruhe haben und Spesen machen können!
5. Wie in einem Tollhaus
kopp 07.04.2015
Aber der Euro ist natürlich völlig alternativlos. Die Finanzwelt ist verrückt. Am Besten den € durch die Währung Öl ersetzen.
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