Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Ukraine-Konflikt: EU bereitet sich auf Ausfall russischer Gaslieferungen vor

Wladimir Putin, Xi Jinping: Vertrag über Gaslieferungen unterzeichnet Zur Großansicht
AFP/RIA-NOVOSTI

Wladimir Putin, Xi Jinping: Vertrag über Gaslieferungen unterzeichnet

Speicher aufstocken, Notfallpläne erstellen: Die EU empfiehlt ihren Mitgliedsländern mehrere Maßnahmen, um mögliche Lieferausfälle aus Russland ausgleichen zu können. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Osteuropa.

Brüssel - Seit dem Ausbruch des Ukraine-Konflikts haben sich die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Russland abgekühlt. Wegen des Konflikts um Gaslieferungen bereitet sich die Europäische Union (EU) bereits auf mögliche Lieferstörungen im nächsten Winter vor.

Die Kommission hält mehrere Maßnahmen zur Vorsorge für notwendig: So sollen die EU-Staaten ihre Speicher aufstocken, nationale Notfallpläne erstellen und Gaslieferungen Richtung Osten ermöglichen. Das steht in einem Entwurf für ein Papier der EU-Kommission zur Versorgungssicherheit der Europäischen Union, meldet die Nachrichtenagentur dpa.

Das Papier werde "in ein oder zwei Wochen" vorgestellt, kündigte EU-Energiekommissar Günther Oettinger bei einer Energiekonferenz in Brüssel an. Darin geht es um "Sofortmaßnahmen, um die Fähigkeit der EU zu steigern, eine größere Störung im Winter 2014/2015 zu überwinden."

Polens Staatschef Tusk spricht von "Gassklaverei"

"Es geht um Diversifikation von Quellen, von Routen, von Anbietern", sagte Oettinger. Zu wenig Pipelines und Stromnetze in Europa könnten "zu Abhängigkeit und Erpressbarkeit führen", unterstrich der Energiekommissar: Energie dürfe kein Instrument der Politik sein, sondern müsse "eine Ware, ein Produkt, eine Dienstleistung in offenen Märkten" sein.

Besonderes Augenmerk legt der Entwurf auf osteuropäische Staaten, die in ihrer Gasversorgung teilweise zu 100 Prozent von Russland abhängig sind. Dazu zählen etwa Estland oder Bulgarien; in Polen sind es etwa 60 Prozent.

Polens Ministerpräsident Donald Tusk forderte auf der Konferenz, die EU müsse im Kampf gegen die "Gassklaverei" an einem Strang ziehen und grenzüberschreitende Netze massiv ausbauen. Tusk präsentierte seinen Plan einer "Energieunion", womit der Netz- und Speicherbau in Europa angekurbelt werden müsse. Ein anderes Kernelement des Konzepts ist eine zentrale EU-Einkaufsstelle für Gas.

Ende April hatten die Ukraine und die Slowakei ein Memorandum unterzeichnet, wonach die Ukraine künftig Gas aus der Slowakei beziehen kann, um weniger abhängig von Russland zu sein. Bereits 2009 hatte Russland wegen unbezahlter Rechnungen der Ukraine das Gas zeitweilig abgedreht. Das führte zu Engpässen auch in der EU.

Russland treibt derweil seine Hinwendung zu China voran. Staatliche Konzerne beider Länder unterzeichneten am Mittwoch nach jahrelangen Verhandlungen einen Vertrag über Gaslieferungen.

bos/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
marthaimschnee 21.05.2014
Zitat von sysopAFP/RIA-NOVOSTISpeicher aufstocken, Notfallpläne erstellen: Die EU empfiehlt ihren Mitgliedsländern mehrere Maßnahmen, um mögliche Lieferausfälle aus Russland ausgleichen zu können. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Osteuropa. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eu-unterbrechung-von-gaslieferungen-putin-russland-china-a-970942.html
Willkommen im Kapitalismus, Herr Oettinger! Dummerweise werden mehr Stromleitungen und Pipelines da nicht helfen, denn wir werden bereits von denen (von den wenigen!) erpreßt, die diese füttern? Seit der Forderung der Energiekonzerne nach staatlicher Übernahme der Atomaltlasten müßte das auch der allerletzte kapiert haben!
2. ja is schon klar
schuldenguru 21.05.2014
der Oettinger bekannt geworden durch seine Redewendigkeit...hahaha...nur gut das wir und die EG seine Ratschläge annehmen. Die Elite der EU folgt dem Blinden, respekt, respekt. Das normale Fußvolk muß Himmel und Hölle in bewegung setzen, seine Familie satt zu kriegen, aber ohne Gas essen wir etwas weniger und kalt, spar'n wir Energiekosten und Geld. Die Kanzelerin und Elite von der EG wissen was sie machen müssen, das wir kein Geld übrig behalten.
3. Russische Sanktionen...?!
empirios 21.05.2014
Nie was darüber gelesen oder etwas gehört...! Obwohl die Russen wegen Serbien, Irak, Lybien, Syrien u.a. hätten eigentlich berechtigtweise ankündigen können... Warum nimmt sich der Westen das Recht, die Welt wie die eigene Kolonie zu behandeln... Wer mit dem Feuer spielt, muss nicht wundern, dass er sich die Finger abbrennt...! Ich freue mich heute diebisch über die gezeigten Grenzen...
4. Rüstungsgelder
Landkaertchen 21.05.2014
Oettinger ist eine Seite. Vielleicht macht es Sinn, öffentliche Gelder im Bereich "Rüstung" (von der defensiven Charakteristik seiner Armee ist man ja in Westeuropa überzeugt) in volkswirtschaftlich sinnvolle Projekte zu verlegen, die ebenfalls defensiv sind und die die EU ein wenig aus der Schusslinie nehmen, wo Putin gerade seine Spielbälle hin und her wirft. Selbst im theoretischen Kriegsfall, für die ja Armeen ausgerüstet werden, ist Energie, verpackt in verschiedenen Medien wie Gas, Kohle, Atomstrom, Öl, notwendig. Rein strategisch ist nicht unbedingt ein Land mit den modernsten Waffen im Vorteil, sondern eins, wo die Volkswirtschaft und die Versorgung der Bevölkerung im Ernstfall gesichert ist. Und der doppelte Nutzen: Auch andere Ernstfälle, wie Katastrophen, politische Auseinandersetzungen oder von mir aus auch Terroranschläge werden damit abgefedert. Abgefedert, in dem Chaos, Anarchie und Not vermieden wird.
5. da lacht das Huhn...
bebe_flusi 21.05.2014
"Energie dürfe kein Instrument der Politik sein, sondern müsse "eine Ware, ein Produkt, eine Dienstleistung in offenen Märkten" sein." aber Öl wohl schon...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: