Preisabsprachen: EU verhängt Milliardenbuße gegen TV-Hersteller

Die EU spricht von Kartellen "wie aus dem Lehrbuch". Sieben Hersteller von Bildröhren müssen eine Geldstrafe von insgesamt 1,47 Milliarden Euro zahlen. Laut den Wettbewerbshütern teilten sie die Märkte über einen Zeitraum von fast zehn Jahren unter sich auf.

TV-Geräte (Archivbild von 2002): Höchste Strafe für Philips Zur Großansicht
dapd

TV-Geräte (Archivbild von 2002): Höchste Strafe für Philips

Brüssel - Die EU-Kommission hat Rekordbußgelder von insgesamt 1,47 Milliarden Euro gegen zwei Kartelle von Bildröhren-Herstellern verhängt. Betroffen sind sieben namhafte internationale Konzerne, die Fernseher und Computerbildschirme produzieren und verkaufen: Samsung, Philips, LG Electronics, Technicolor, Panasonic, Toshiba und Chunghwa.

"Fast zehn Jahre lang (von 1996 bis 2006) trafen diese Unternehmen Preisabsprachen, teilten Märkte und Kunden untereinander auf und beschränkten ihre Produktion", teilte die Kommission mit.

Laut dem zuständigen EU-Kommissar Joaquín Almunia handelt es sich um die höchste Strafe, die die Behörde je in einem Kartellfall verhängt hat. Er sagte: "Diese Bildröhren-Kartelle sind Kartelle wie aus dem Lehrbuch: Hier wurde das Wettbewerbsrecht durch Verhaltensweisen, die in Europa tätigen Unternehmen strengstens verbotenen sind, in gravierender Weise verletzt." Bildröhren sind wesentliche Komponenten für Fernseher und Computerbildschirme und machen 50 bis 70 Prozent des Preises eines Bildschirms aus. "Das lässt erahnen, wie schwerwiegend dieses rechtswidrige Verhalten über die Jahre auch den Verbrauchern geschadet hat", sagte Almunia.

Die höchste Strafe muss das niederländische Unternehmen Philips zahlen: Die EU-Kommission sprach ein Bußgeld in Höhe von 313,4 Millionen Euro aus. Philips kündigte an, in Berufung zu gehen. Die Strafe sei unverhältnismäßig und betreffe eine Sparte, die bereits im Jahr 2001 verkauft worden sei.

Der Firma Chunghwa wurde die Buße nach der Kronzeugenregelung vollständig erlassen, sie hatte die Kommission als erstes Unternehmen über die Kartelle informiert. Ein Unternehmen habe zudem erklärt, es könne die Strafe nicht zahlen. Die Kommission gewährte eine Ermäßigung.

cte/dapd/dpa

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insgesamt 34 Beiträge
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1. Wer guckt hier in die Röhre?
huettenfreak 05.12.2012
Es sind ja nicht die Hersteller (von denen es einige mittlerweile gar nicht mehr geben dürfte) oder die EU/der Staat, der jetzt die Milliardenstrafe einsammelt und für seine Zwecke verwendet. Die Zeche haben die Verbraucher zahlen dürfen, einfach weil sie zuviel für ihre Bildröhrengeräte hinlegen mussten. Deshalb gucken vor allem die Verbraucher in die "Röhre".
2.
happy2010 05.12.2012
wer bezahlt eigentlich meinen Schaden den ich als Kosument erlitten habe? Und zahlen die Manager von damals Ihre Bonis zurück? Die einzige richtige Vorgehensweise wäre die konsequente Zwangseinteigung der Besitzer und übergang in Staatsbesitz bei Kartellbildung.
3.
professor_now 05.12.2012
Ich dachte schon es ist ein Fehler passiert... Aber nein: Es geht um Bildröhren. Könnte man sich nicht um die Kartellfälle kümmern, die aktuell noch Auswirkungen haben? Bildröhren sind tot und begraben. Außer vielleicht für manche Nischenprodukte, bei denen LCD, LED oder Beamer nicht in Frage kommen. Bitte, liebes Kartellamt, kümmere Dich doch lieber um aktuell bedeutsame Kartelle, nicht um Bildröhren/Dampfeisenbahnen/Telefraphen/...
4. Dazu noch die Obsoleszenz
abominog 05.12.2012
Preisabsprachen sind schon übel, aber richtig fies wird es, wenn man die Obsoleszenz berücksichtigt! Die heutigen Flachbildschirme taugen echt nicht die Bohne - zumindest nicht die Geräte für den gewöhnlichen Standardbürger. Ich kenne eventuell überdurchschnittlich viele Bürger dieses Landes. Fast jeder (!) hat schon irgendwo einen defekten Flachbildschirm rumstehen. Geht es euch auch so? Diese Flachbildfernseher gehen bei kleinsten Kleinigkeiten schon kaputt, sowas störanfälliges an High Tech habe ich persönlich echt nicht für möglich gehalten, lol! Früher konnte man sich einen Fernseher kaufen, der 15 bis 20 Jahre problemlos funktionierte. Die heutigen Geräte geben meistens kurz nach Ablauf der Garantie plötzlich den Geist auf. Weil ich soviele Fälle kenne, glaube ich längst nicht mehr an Zufall. Jede Wette, es steckt mehr dahinter...
5.
happy2010 05.12.2012
wer bezahlt eigentlich meinen Schaden den ich als Kosument erlitten habe? Und zahlen die Manager von damals Ihre Bonis zurück? Die einzige richtige Vorgehensweise wäre die konsequente Zwangseinteigung der Besitzer und übergang in Staatsbesitz bei Kartellbildung.
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