EU-Vorstoß Brüssel plant stärkere Kontrolle von Schattenbanken

Sie gelten als Gefahr für das globale Finanzsystem: Hedgefonds und Zweckgesellschaften werden bislang deutlich schwächer kontrolliert als normale Banken. EU-Kommissar Barnier will das nun laut einem Zeitungsbericht ändern. Die Pläne sind allerdings noch unkonkret.

EU-Kommissar Barnier: Neue Regulierungspläne
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EU-Kommissar Barnier: Neue Regulierungspläne


Berlin - Die EU treibt eine schärfere Kontrolle von Kreditgebern außerhalb des regulierten Bankengeschäfts voran. Binnenmarktkommissar Michel Barnier hat laut "Financial Times Deutschland" Vorgaben für sogenannte Schattenbanken zusammengestellt. Das berichtet die Zeitung unter Berufung auf einen Entwurf Barniers, der ihr vorliegt.

So könnten regulären Banken strikte Grenzen bei der Auslagerung von Aktivitäten in diese Gesellschaften gesetzt werden. Zudem schlage Barnier einen stärkeren Informationsaustausch der Aufseher vor. Auch wolle er prüfen, ob die Regeln für Wertpapiergeschäfte noch strikter gefasst werden müssten.

Als Schattenbanken gelten alle Marktteilnehmer, die im weitesten Sinne am Kreditvergabeprozess mitwirken, ohne der Bankenregulierung zu unterliegen. Also etwa Hedgefonds und Zweckgesellschaften, aber auch Unternehmen, die Hypothekenkredite vergeben.

Die Schattenbanken helfen, den Geldfluss aufrecht zu halten, können das Finanzsystem aber auch leicht ins Wanken bringen. Die jüngst von den Aufsehern bekräftigte Pflicht zu einer höheren Eigenkapitalquote der Banken droht das Schattensystem zu fördern: Die Institute müssen milliardenschwere Bilanzrisiken loswerden und stoßen dabei vor allem bei Schattenbanken auf Interesse.

Barnier will Pläne im März präsentieren

Die Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer dringt seit längerem auf eine bessere Aufsicht über den kaum kontrollierten Sektor, dessen Kreditvolumen vom Finanzstabilitätsrat (FSB) auf 60 Billionen Dollar geschätzt wird. Laut "FTD" macht das 25 bis 30 Prozent des globalen Finanzsystems aus.

Barniers Vorstoß dürfte nun den Auftakt für eine Regulierung bilden. Der Zeitung zufolge heißt es in seinem Papier, von den Schattenbanken könnten große Gefahren für die Stabilität des Finanzsystems ausgehen. Offiziell wolle der EU-Kommissar seine Pläne im März präsentieren.

cte/Reuters/dpa-AFX



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FreieWelt 14.02.2012
1.
Wie wäre es denn, wenn die Damen und Herren aus Brüssel die staatlichen Banken besser kontrollieren würden? Die verzocken proportional immer noch am meisten Steuergeld. Aber vielleicht sticht ein Beamter dem anderen Beamten ungern ein Auge aus und deswegen bleiben diese Banken weiterhin "unbeaufsichtigt".
Dumpfmuff3000 14.02.2012
2. xxx
Zitat von FreieWeltWie wäre es denn, wenn die Damen und Herren aus Brüssel die staatlichen Banken besser kontrollieren würden? Die verzocken proportional immer noch am meisten Steuergeld. Aber vielleicht sticht ein Beamter dem anderen Beamten ungern ein Auge aus und deswegen bleiben diese Banken weiterhin "unbeaufsichtigt".
Wie wäre es denn mit beidem: Sowohl werden strengere Auflagen und schärfere Kontrollen für staatliche Banken entwickelt, als auch werden Schattenbanken stärker reguliert. Ist beides dringend notwenidg. Wird aber übrigens beides niemals passieren. Da wird höchstens irgendeine windelweiche, leicht unterlaufbare Scheinregelung rauskommen. Wir bekommen nämlich seit mindestens drei Jahren permanent sowohl von der BR als auch der EU irgendwelche Ankündigungen zu hören, was jetzt auf dem Finanzmarkt alles reguliert werden soll. Passieren tut: Nichts.
wieauchimmer... 14.02.2012
3. Warum erlaubt man es...
...den "normalen" Banken ueberhaupt, ihre Zockergeschäfte mit den Einlagen ihrer Kunden abzusichern. Diese Geiselhaft der Kundengelder sind doch erst der Grund fuer die angebliche Systemrelevanz. Es ist ein Skandal, daß hier nicht schon laengst Abhilfe geschaffen worden ist, indem man die strikte Trennung von Investmentbereich und Kredit/Spar/Giro - Wesen der Banken erzwingt. Dann koennte man diese Bereiche auch ohne Schwierigkeiten selbst fuer ihre Fehlspekulationen haften lassen und wie jeden anderen erfolglosen Wirtschaftsteilnehmer pleite gehen lassen ! Es ist auch nicht einzusehen, daß hier private Unternehmen per Giralgeldschoepfung Geld verleihen duerfen, daß sie gar nicht besitzen, und dafuer auch noch kraeftig Zinsen kassieren. Auch die zirkulierende Geldmenge wird hier massgeblich bestimmt und somit massiv durch private Interessen beeinflusst. Das Geldwesen ist zentraler Bestandteil unserer Wirtschaft und unsere Volksvertreter haben anscheinend keine Ahnung, was da eigentlich vor sich geht und wie die echte Wirtschaft und Zivilgesellschaft untergraben wird.
sbv-wml 14.02.2012
4. Es wird höchste Zeit,
Zitat von sysopDPASie gelten als Gefahr für das globale Finanzsystem: Hedgefonds und Zweckgesellschaften werden bislang deutlich schwächer kontrolliert als normale Banken. EU-Kommissar Barnier will das nun laut einem Zeitungsbericht ändern. Die Pläne sind allerdings noch unkonkret. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,815090,00.html
dass die Pläne konkret werden. Seit 2008 wird immer nur davon geredet, bis jetzt ist allerdings noch nicht viel passiert. Und wenn jetzt endlich etwas geregelt wird (Die Botschaft hör ich Wohl, allein mir fehlt der Glaube. Frei nach Goethe), dann aber bitte nicht mit tausenden von Schlupflöchern.
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