Euribor: EU will Banken wegen Zinsmanipulation verklagen

Den europäischen Geldinstituten droht eine Klage der Europäischen Union wegen möglicherweise manipulierter Referenz-Zinssätze. Die EU steht laut "Wall Street Journal" kurz davor, eine Reihe von Banken wegen illegaler Absprachen bei der Euribor-Festsetzung zu verklagen.

Brüssel - Im Skandal um die Manipulation des europäischen Marktzinses Euribor sind die Ermittlungen der Aufseher gegen internationale Großbanken auf der Zielgeraden. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin will ihre Untersuchung bis Jahresende abschließen.

Noch größeres Ungemach könnte den Banken auf europäischer Ebene drohen: Die Europäische Union (EU) werde schon bald mehrere Institute wegen versuchter Geheimabsprachen beim Euribor verklagen, berichtete das "Wall Street Journal" am Montag.

Seit dem Sommer nimmt die deutsche Aufsicht BaFin acht deutsche Geldhäuser unter die Lupe, die an der Festlegung des Euribor beteiligt sind. Dazu zählen Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank, LBBW, BayernLB, Helaba, NordLB und die Landesbank Berlin. Die Bafin könnte eine Sonderprüfung anordnen - das schärfste Schwert der deutschen Finanzaufseher. Eine solche Prüfung führt die Bafin bereits bei der Deutschen Bank durch.

Hintergrund ist die Manipulation des Londoner Referenzzinssatzes Libor. Sowohl beim Libor als auch beim Euribor sollen Großbanken in der Finanzkrise falsche Angaben gemacht haben, um ihre tatsächlichen Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen.

Die britische Bank Barclays - die auch als erste eine Libor-Strafe gezahlt hatte - habe bereits Manipulationsversuche des Euribor-Zinssatzes zugegeben und von anderen Banken dürften ähnliche Schuldeingeständnisse folgen. Unter den Instituten, die wegen einer möglichen Zusammenarbeit mit Barclays in Sachen Euribor unter der Lupe sind, sind dem Bericht zufolge die Deutsche Bank, die französischen Institute Credit Agricole und Societe Generale sowie die britische Bank HSBC. Die Deutsche Bank wollte sich dazu im Detail nicht äußern. Sie bekräftigte allerdings, zur Aufklärung des Zinsskandals mit verschiedenen Aufsichtsbehörden rund um den Globus zusammenzuarbeiten.

Falls sich herausstellt, dass die Institute schuldig sind, kann die EU-Behörde hohe Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen. Dem "WSJ"-Bericht zufolge wurden im Oktober mindestens ein Dutzend Banken durchsucht.

mia/dpa/Reuters

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silverhair 10.12.2012
Zitat von sysopDen europäischen Geldinstituten droht eine Klage der Europäischen Union wegen möglicherweise manipulierter Referenz-Zinssätze. Die EU steht laut "Wall Street Journal" kurz davor, eine Reihe von Banken wegen illegaler Absprachen bei der Euribor-Festsetzung zu verklagen. EU will Banken wegen Zinsmanipulation verklagen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eu-will-banken-wegen-zinsmanipulation-verklagen-a-872102.html)
Na die Banken werden da nichts zahlen - es sind einwandfrei die Steuerzahler die hier zur Kasse gebeten werden! Erstens legen natürlich die Banken alle "Kosten" die sie haben auf die Kunden um, zweitens werden ja die Banken inzwischen kontinuierlich von den Steuerzahlern finanziert - Rettungschirme ohne Ende! Wenn man dabei noch bedenkt das die Banken ihren "Interbanken Handel" ja hauptsächlich dazu betreiben um genau ohne Geld auszukommen - den die "Kredite dort" gleichen ja immer präzise ihre "Ausgaben=Überweisungen" aus - so das sich die Bilanzen immer zu null rechnen - das Sie "Scheingeld verleihen" indem sie 25 mal mehr "Schulden/Guthaben" aus dem Nichts erschaffen als sie als Deckung bei der EZB hinterlegen - dann ist dieses "sie sollen mal zahlen" der reinste Witz -wie das gesamte Zwei-Banken Geld System sich inzwischen als reine Farce erweist - da wird kein "Geld" mehr verliehen - da bereichern sich die einen - und die anderen machen ihre Machtspielchen - und die Menschen müssen ihre Lebensarbeitszeit dafür opfern! Banken haben sich zum größten organisierten Betrugsystem entwickelt, nur keiner traut sich da mal die Reisleine zu ziehen bevor dieses ganze System zusammenkracht! Wer hat den sogar im dt. Bundestag noch die Banken und ihr "Interbankensystem" 2008 als so wichtig präsentiert , und das sie Banken doch "Vertrauen" haben müßten - und ansonsten der Steuerzahler dieses Vertrauen durch Arbeit bis zum Umfallen herstellen müsse - war doch Merkelchen die diesen Text aus Ackermanns Feder dort präsentiert hatte! Da unterstützt der eine den anderen nur - und anstelle das Geldsystem aus den Händen von Krankhaften Zockern zu nehmen bürdet man den Steuerzahlern jetzt auch noch Strafzahlungen auf - welcher Irrsinn den noch ?
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Interbankenmarkt und Libor-Zinssatz
Interbankenmarkt
Am Interbankenmarkt versorgen sich Banken untereinander mit Geld. Banken, die kurzfristig Geld übrig haben, verleihen es an Banken mit kurzfristigem Finanzbedarf. Geber- und Nehmerbanken wechseln sich normalerweise regelmäßig ab. Basis ist gegenseitiges Vertrauen, denn für die Kredite gibt es keine Sicherheiten. Dieses Vertrauen ist seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 gestört. Weil deshalb der Interbankenmarkt nicht mehr richtig funktioniert, müssen immer wieder die Notenbanken einspringen und die Geschäftsbanken mit billiger Liquidität versorgen.
Libor-Zinssatz
Der Libor - die London Interbank Offered Rate - wird seit den achtziger Jahren jeden Vormittag von der British Bankers' Association (BBA) in der britischen Hauptstadt festgelegt. Er entspricht dem durchschnittlichen Zinssatz, den die Banken für Verleihgeschäfte untereinander verlangen. Für die Berechnung melden die nach Marktaktivitäten 18 wichtigsten Banken die Zinsen, die sie für Kredite ihrer Konkurrenten zahlen müssen. Aus den Zahlen werden die höchsten und tiefsten Werte gestrichen, um große Manipulationen zu vermeiden. Aus den übrigen Daten wird dann ein Mittelwert gebildet. Das ist der Satz, an dem sich zahlreiche andere Kredite mit variablem Zinssatz orientieren.
Wie kann der Libor manipuliert werden?
Das Problem ist, dass es auf dem Interbankenmarkt im Vergleich zur Preisbildung in der normalen Wirtschaft an Transparenz mangelt. Die Umfrage zur Ermittlung des Libor ist vertraulich. Ob die gemeldeten Daten stimmen, ist nur schwer nachzuprüfen. So könnten die Banken den Satz in ihrem Sinn beeinflussen.
Welches Interesse steht hinter den Manipulationen?
Eigentlich sollte man annehmen, dass die Banken vor allem ein Interesse an höheren Zinsen hätten. Wenn sie höhere Sätze nach London melden, als sie sich untereinander tatsächlich abverlangen, würden sie auch für die Kredite an Privatleute und Firmen mehr Zinsen bekommen. Tatsächlich aber ging es wohl in die andere Richtung: Hintergrund ist das gewaltige Volumen von Absicherungsgeschäften, die auf Basis des Libor berechnet werden. Niedrige Libor-Sätze können dabei jenen Händlern zu Gewinnen verhelfen, die mit Hilfe entsprechender Derivate auf niedrige Zinsen gewettet haben.
Weiß man, wie viel Geld die Zinsmanipulationen eingebracht haben?
Nein. Schätzungen zufolge hängen vom Libor Finanzprodukte im Volumen von 350 Billionen Dollar ab. Selbst Manipulationen im Mini-Promille-Bereich haben also gewaltige Auswirkungen.
Wie unterscheidet sich der Euribor vom Libor?
Während der Libor für Dollar-Geschäfte besonders wichtig ist, ist es der Euribor - Euro Interbank Offered Rate - für den Euro. Er wurde im Jahr 1999 mit der Einführung des Euro ins Leben gerufen. 43 Kreditinstitute melden dabei ihre Zinssätze nach Brüssel, wo der Referenzkurs - ähnlich dem Libor - berechnet wird. Die im Vergleich zum Libor höhere Zahl der beteiligten Banken soll die Betrugsgefahr senken. Doch seit dem vergangenen Jahr ermittelt auch die EU-Kommission wegen möglicher Manipulationen beim Euribor.