Kartellverfahren EU will Suchmaschinen-Streit mit Google beilegen

Google kann im Kartellstreit mit der EU auf eine glimpfliche Lösung hoffen. Laut Wettbewerbskommissar Almunia hat der US-Konzern auf die Kritik an der Marktmacht seiner Suchmaschine reagiert. Vor einer endgültigen Einigung sollen aber die Konkurrenten befragt werden.

Google-Zentrale in Mountain View: EU-Verfahren läuft seit 2010
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Google-Zentrale in Mountain View: EU-Verfahren läuft seit 2010


Brüssel - Google und die EU-Kommission stehen im Streit über die Marktmacht des Internetriesen unmittelbar vor einer Einigung. Google habe verbesserte Zusagen gemacht, teilte die Brüsseler Behörde am Mittwoch mit. So garantiere der US-Konzern nun unter anderem, dass bei Suchergebnissen für Restaurants, Hotels oder andere Produkte auch die Angebote von drei Konkurrenten deutlich sichtbar aufgelistet würden.

"Die neuen Vorschläge von Google gehen nach langen und schwierigen Verhandlungen auf die Einwände der Kommission ein", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Seine Behörde will nun die Konkurrenten zu den Zusagen befragen, um den Fall endgültig abzuschließen.

Mit dem Kompromiss würde Google einer möglichen Strafe von bis zu fünf Milliarden Dollar entgehen. Von den Zusagen könnten Konkurrenten wie Microsoft und Yahoo profitieren, die im Geschäft mit Suchmaschinen ins Hintertreffen geraten sind. Mehrere Unternehmen hatten sich über Google beschwert, darunter die US-Online-Reiseanbieter Expedia und TripAdvisor. Sie werfen Google vor, bei der Suchmaschine auf unfaire Weise eigene Dienste in den Vordergrund zu stellen. Die EU hatte daraufhin Ende 2010 ein Verfahren wegen möglicher Wettbewerbsverzerrungen eröffnet.

Klar ist aber auch: Selbst wenn es zu einer Einigung mit der EU kommt, dürfte die Kritik an Google nicht abebben. Europäische Zeitungsverleger und ihre Wirtschaftsverbände hatten den sich abzeichnenden Kompromiss bereits im Vorfeld kritisiert.

cte/dpa/Reuters

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insgesamt 7 Beiträge
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sapperlot 05.02.2014
1. Die Kleinen hängt man ...
Typisch Politik: Man findet einen Wust von Fehlverhalten bei einem der Großen, der macht ein klitzekleines Zugeständnis, und alles ist plötzlich eitel Freude und Sonnenschein! Über den Größen Rest an Wettbewerbssünden wird der Mantel (hier wohl in der Größe eines Zirkuszelts) gebreitet. Ich frage mich in den letzten Jahren immer öfter, ob wir diese EU-Kommissare wie Joaquín Almunia, Ötttinger usw. und ihre Kommission wirklich brauchen. Schlimm nur, dass dieses so wirtschafts- und großindustriefreundliche Gehabe immer weiter um sich greift. Wir armen (und leider immer noch für dumm gehaltenen) Verbraucher sind immer häufiger die angeschmierten. Und die Bundesregierung tut das, was sie schon seit Jahren tut: Nichts!
schmucklos 05.02.2014
2. Google for President
@sapperlot Yep, Sie sehen es genau wie ich. Das mit dem "Nichtstun" ist inzwischen allerdings so eine Sache: Allmählich sind verschlafene Jahrzehnte ins Land gegangen. Was sollte die "ungemein wichtige" europäische Politik denn jetzt noch in Sachen Google (oder NSA? Oder Internet?) "reißen"? Ich würde sagen: "Der Zug ist abgefahren", ist schon lange aus dem Bahnhof und nicht mehr zu sehen. Google lacht sich doch über das europäische "Gemache" tot. Dies ist ja auch wenig verwunderlich, wenn Sie es permanent mit Bürokraten-Pappnasen zu tun bekommen, die der Bevölkerung das Internet noch im letzten Jahr als "Neuland" verkauft haben...
redbayer 05.02.2014
3. Gerne würde man
Zitat von sapperlotTypisch Politik: Man findet einen Wust von Fehlverhalten bei einem der Großen, der macht ein klitzekleines Zugeständnis, und alles ist plötzlich eitel Freude und Sonnenschein! Über den Größen Rest an Wettbewerbssünden wird der Mantel (hier wohl in der Größe eines Zirkuszelts) gebreitet. Ich frage mich in den letzten Jahren immer öfter, ob wir diese EU-Kommissare wie Joaquín Almunia, Ötttinger usw. und ihre Kommission wirklich brauchen. Schlimm nur, dass dieses so wirtschafts- und großindustriefreundliche Gehabe immer weiter um sich greift. Wir armen (und leider immer noch für dumm gehaltenen) Verbraucher sind immer häufiger die angeschmierten. Und die Bundesregierung tut das, was sie schon seit Jahren tut: Nichts!
ihen zustimmen, es ist genau so. Nur der letzte Satz ist m. E. eine Fehleinschätzung (Bundesregierung tut nichts). Das politische Establishment in Berlin und nun schon die zweite Regierung sind der vollen Überzeugung, dass sie selbst Europa bzw. die EU sind oder sie zumindest führen (seit der Euro Rettung). Aus dieser Position heraus, kann man gar nichts tun, weil ja die "Unterabteilung" in Brüssel schon was tut und wenn etwas dabei herauskommt, hat man das selber gut gemacht und wenn nicht, dann haben die bösen Beamten in Brüssel das vergeigt.
tobilechat 05.02.2014
4. Gehängt wird zumeist, wer sich hängen lässt!
Die Kleinen hängt man vielleicht, wenn sich die Kleinen hängen lassen. Wer materiell arm ist, muss nicht automatisch arm im Geiste sein. So können wir die Großen klein machen, sodass auch sie sich hängen lassen. Gerne wird materieller Reichtum mit immateriellem Reichtum gleichgesetzt. Wer reich ist, ist auch clever, wer arm ist ist dumm. So die Ideologie, so die Indoktrination, so die Gehirnwäsche. Und so ist man vermutlich so dumm, wie es einem eingeredet wird und wohl kaum so dumm, wie man wirklich ist. Etwas dumm nur, wenn man dies nicht erkennt. Wer materiell reich ist, ist für mich keineswegs blitzgescheit, sondern mitunter einfach nur so schwach, dass er sich seine immateriellen Werte entwenden lassen hat. Reiche haben für mich überwiegend kein Gewissen, keine Moral, sind maß- und gnadenlos. Geld ist ein Gradmesser allein für materielle Dinge, aber bei weitem kein Indikator für die Integrität des Charakters einer Person. Im Gegenteil: Geld verdirbt den Charakter, wenn dieser, inklusive Leib, schwach ist. Ein Konzern hat gegen 7 Milliarden Menschen keine Chance. Wenn beispielsweise eine Milliarde Kunden einem Unternehmen wie Google wegbricht, dann geht es im selben Jahr Pleite. Wir als Verbraucher haben die Macht, Konzerne in die Pleite zu schicken, indem wir Waren und Dienstleistungen nur noch von denen beziehen, die uns sympathisch sind. Monopolisten zu knacken ist natürlich schwerer, aber Google ist bei Gott kein Monopolist. Suchmaschinen gibt es wie Sand am Meer und die meisten Metadatensuchmaschinen bedienen sich ja auch Googles, ohne dass Google allzuviel davon hätte. Suchergebnisse kann ich auch handschriftlich in die Adressdatenzeile meines Browsers eingeben, Googles Suchergebnisse klicke ich nie an, auch nicht aus Bequemlichkeit. Das sind einige einfache Möglichkeiten, Google den Datenhahn zuzudrehen. Wer weitere weiß, der füge sie in einer Antwort auf mein Posting an. Es sind schon clevere Leute, die "ihren Moneymaker shaken" (vgl. James Brown, Titel "Sex Machine"). Aber auch der große Rest hat Brains. 5.000.000.000 Menschen bilden letztlich immer noch den größeren und mächtigeren Think Tank als die selbsternannte Elite (unter den 7 Milliarden Menschen to date) von verschwindend geringen 2.000.000 (entspricht den "oberen 10.000" multipliziert mit den etwa 200 Ländern dieser Erde). 6.998.000.000 Menschen lassen sich von 2.000.000 Menschen dominieren, ja terrorisieren?. Stehen wir auf und verteidigen uns gegen zynische Menschen, die unsere Menschenwürde mit Füßen treten, genau so, wie die Demokratie mit ihren drei Säulen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!. Wer nicht nach meinem Gusto wirtschaftlich handelt, dessen Produkte lass ich im Regal liegen, zusätzlich überlege ich mir genau, was nützlich oder lästig ist. Dieser Spuk sollte dann bald vorbei sein. Und industrialisierter, industrieller Massenmord wirklich nur eine Eintagsfliege der Geschichte. Der Kapitalismus und seine Jünger sollten uns nicht beschwichtigen: Sie sind das Problem, keineswegs die Lösung!.
tobilechat 05.02.2014
5. Für mich hat es sich ausgegoogelt
Zitat von sysopAPGoogle kann im Kartellstreit mit der EU auf eine glimpfliche Lösung hoffen. Laut Wettbewerbskommissar Almunia hat der US-Konzern auf die Kritik an der Marktmacht seiner Suchmaschine reagiert. Vor einer endgültigen Einigung sollen aber die Konkurrenten befragt werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eu-will-suchmaschinen-streit-mit-google-beilegen-a-951647.html
Ganz allgemein gesprochen: Empfinde ich ein Unternehmen als unsympathisch, dann kaufe ich seine Waren und Dienstleistungen nicht. Auch wenn das Unternehmen ein Monopolist ist. Denn man braucht zum Leben weniger als man denkt. Außer Essen und Trinken brauche ich nichts, um zu leben. Nahrungsmittelkonzerne brauche ich wiederum auch nicht, bei mir ist von Montag bis Samstag Markt. Gegen einen vernünftigen, mittelmässig begabten Menschen kommt ein Konzern nicht an. Was wollen 2.000.000 Millionen Menschen (die oberen Zehntausend der etwa 200 Länder dieses Planeten) gegen die restlichen 6.998.000.000 schon groß ausrichten?. Und diese "Elite" von 2.000.000 Menschen ist zudem noch überwiegend selbsternannt. Lassen wir uns doch nicht die Demokratie mit ihren drei Säulen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit von irgendwelchen Bekloppten abspenstig machen, die, um Profite zu maximieren, nicht mal vor Gesetzen, ihrem Gewissen, Moral oder der Würde des Menschen und allen anderen immateriellen Werten (beispielsweise Ehrlichkeit, Rechtschaffenheit) halt machen. Wenn diese Elite es will, dann degeneriere sie, dann versinke sie in Dekadenz, wir müssen nur auf eins achten: Wir sollten uns von dieser Elite nicht mit in den Abgrund reißen lassen. Die Massenmörder sind wieder unter uns, wenn wir sie sich selbst überlassen, bringen sie sich von alleine um und der industrielle/industrialisierte Genozid 2.0 kann vermieden werden. Aber vermutlich wollen sie nur spielen und sind gaanz, gaanz lieb.
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