Von Stefan Kaiser
Hamburg - Das Statement des Internationalen Bankenverbandes IIF klang gefasst: "Wir begrüßen die Ankündigung der Euro-Gruppe, dass sie Europa stabilisieren, das europäische Bankensystem stärken und Griechenlands Reformanstrengungen unterstützen will", verkündete Geschäftsführer Charles Dallara am Donnerstagmorgen.
In den Stunden zuvor hatten sich Europas Staatenlenker auf ein neues Rettungspaket für Griechenland verständigt. Für die Bankenvertreter war die Nacht nicht gerade angenehm verlaufen. Dem Vernehmen nach sollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy sie mehr oder weniger gezwungen haben, "freiwillig" auf 50 Prozent ihrer Forderungen an Griechenland zu verzichten. "Wir haben nur ein einziges Angebot gemacht und gesagt, dass es unser letztes Angebot ist", sagte die Kanzlerin.
Das, was dabei herauskam, ist für die Banken und Versicherungen deutlich härter als der zahme Beschluss des letzten Krisengipfels im Juli. Damals hatten die Euro-Staaten den Finanzkonzernen nur einen eher symbolischen Beitrag zur Lösung der Griechenland-Krise abgerungen.
Sie sollten auf 21 Prozent ihrer Forderungen an das Land verzichten - allerdings ging es damals nicht um den Nominalwert der Anleihen, sondern um den sogenannten Gegenwartswert. Die Finanzbranche musste also nicht 21 Prozent dessen abschreiben, was sie Griechenland geliehen hatte. Die Prozentzahl bezog sich vielmehr auf einen anderen Wert - nämlich das, was die Institute zum aktuellen Zeitpunkt an Rückzahlung plus Zinsen von den Anleihen erwarteten. Das Opfer wäre am Ende deutlich kleiner gewesen, als es die reine Zahl vermuten ließ.
Jetzt sollen die Banken wirklich auf 50 Prozent des verliehenen Geldes verzichten. Das entspricht in etwa dem Wert, zu dem die griechischen Anleihen derzeit auf dem Markt gehandelt werden - wenn sie überhaupt jemand kaufen will. Insgesamt sollen 100 Milliarden Euro zusammenkommen. Der griechische Gesamtschuldenstand soll so von derzeit 160 Prozent auf 120 Prozent im Jahr 2020 sinken. Griechenland wäre damit in etwa auf dem heutigen Niveau Italiens angekommen.
Experten sprechen von "vernünftigem Kompromiss"
Die Anleger an den Börsen hatten offenbar erwartet, dass es für die Banken sogar noch schlimmer ausgehen könnte. Die Kurse von Finanzaktien schossen am Donnerstag in ganz Europa nach oben. Papiere der Deutschen Bank
gewannen zeitweise mehr als elf Prozent, Aktien der französischen BNP Paribas
lagen sogar mit gut 14 Prozent im Plus. Und selbst die Aktionäre der National Bank of Greece konnten sich über einen Kurssprung von zehn Prozent freuen.
Das könnte damit zusammenhängen, dass sich die Banken ihren Verzicht durch frisches Staatsgeld versüßen lassen. Im Tausch gegen ihre alten, unsicheren Griechen-Anleihen sollen sie neue Papiere bekommen, die mit Mitteln des Euro-Rettungsfonds (EFSF) abgesichert werden. Dafür stehen insgesamt 30 Milliarden Euro bereit.
"Das ist ein vernünftiger Kompromiss", sagt Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanz-Zentrums. Andere Experten sind skeptischer. "Der Schuldenschnitt von 50 Prozent für Griechenland ist eher an der unteren Grenze", meint Janwillem Acket, Chefvolkswirt bei der Bank Julius Bär. "Wir haben eher für 70 Prozent plädiert."
Außer dem griechischen Schuldenschnitt droht Europas Banken noch weiteres Ungemach: Damit sie die europäische Staatsschuldenkrise besser überstehen, wollen die EU-Staaten ihnen deutlich härtere Kapitalregeln vorschreiben als bisher. Bis Mitte 2012 müssen sie ihre Kernkapitalquote auf mindestens neun Prozent erhöhen.
Das sogenannte harte Kernkapital umfasst eigene Aktien und einbehaltene Gewinne. Die Quote bezieht sich auf das Verhältnis dieses Eigenkapitals zu den risikogewichteten Aktiva, also Wertpapieranlagen und vergebene Kredite. Die Banken können die Quote erhöhen, indem sie sich entweder mehr Kapital beschaffen oder ihre Kredite und Anlagen zurückfahren.
Um die Quote zu erreichen, brauchen die Institute laut Berechnungen der europäischen Bankenaufsicht EBA insgesamt 106 Milliarden Euro. Um zu klären, wie viel eine einzelne Bank braucht, hat die Behörde auch die bisherigen Wertminderungen anderer europäischer Staatsanleihen von Ländern wie Portugal, Irland, Italien und Spanien berücksichtigt.
Die Doppelbelastung aus griechischem Schuldenschnitt und verschärften Kapitalvorschriften trifft die Finanzhäuser in den verschiedenen Ländern unterschiedlich hart. Ein Überblick.
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