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Euro-Krise: Banken diktieren Bedingungen für Griechen-Hilfe

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Sie sollen zahlen, aber nur freiwillig: Europas Politiker möchten Banken und Versicherungen zur Hilfe bei der Rettung Griechenlands überreden. Doch die Geldkonzerne stellen Bedingungen - und dürften sich damit durchsetzen.

Banken-Hochhäuser in Frankfurt: Finanzkonzerne sollen für Griechenland zahlen Zur Großansicht
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Banken-Hochhäuser in Frankfurt: Finanzkonzerne sollen für Griechenland zahlen

Hamburg - Beteiligen sich die deutschen Banken an der Rettung Griechenlands? Möglicherweise - aber bestimmt nicht ohne Gegenleistung. So lautet die Botschaft des Bankenverbandes vom Montag. Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer verlangt wirtschaftliche Anreize, damit Institute neue Anleihen des hochverschuldeten Euro-Staats kaufen. Als Beispiel nannte er eine bessere Bonität der Papiere durch "gewisse Sicherheiten". Das könnten zum Beispiel Bürgschaften der Euro-Staaten, höhere Renditen oder eine vorrangige Bedienung im Pleitefall sein.

In der Nacht auf Montag hatten die Euro-Finanzminister in Luxemburg zuvor sieben Stunden lang darüber diskutiert, wer für die Griechen-Rettung zahlen soll. Das Ergebnis fiel mager aus: Die nächste Milliardenüberweisung soll erst dann fließen, wenn das Parlament in Athen das neueste Sparpaket beschlossen hat. Private Gläubiger sollen "informell und freiwillig" Kosten für die Rettungsaktionen mittragen.

Konkret heißt das: Investoren sollen neue Griechenland-Anleihen kaufen, wenn die alten Papiere auslaufen. Es soll dabei um rund 30 Milliarden Euro gehen. Da die neuen Staatsanleihen eine längere Laufzeit hätten, käme dies einem Zahlungsaufschub für Griechenland gleich, ohne den Schuldenstand zu reduzieren.

Der Plan dürfte nicht aufgehen

Es ist ein typisch europäischer Formelkompromiss. Jeder ist ein bisschen zufrieden. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) muss zwar von seiner Forderung abrücken, die privaten Gläubiger zu einem "substantiellen Beitrag" zu zwingen. Doch im Gegenzug bewegten sich auch andere Länder. Frankreich etwa wollte anfangs überhaupt keine Beteiligung der Investoren, weil französische Banken einen beträchtlichen Teil der griechischen Schulden in ihren Bilanzen haben.

Doch die entscheidende Frage klärten die europäischen Minister nicht: Wie können Banken und Versicherungen dazu gebracht werden, dem hochverschuldeten Griechenland freiwillig länger Geld zu leihen?

Die Antwort ist ernüchternd: Der Plan einer freiwilligen Umschuldung dürfte nicht aufgehen. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Erstens können die Finanzkonzerne darauf setzen, dass die EU Griechenland nicht fallenlässt. Denn ein Staatsbankrott könnte schlimmere Folgen haben als die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Der luxemburgische Ministerpräsident und Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker warnte, Krisenländer wie Portugal und Irland könnten in den Strudel einer Pleite geraten. Das Kalkül der privaten Gläubiger: Wenn sie bei einer Umschuldung nicht mitmachen, werden eben am Ende doch die europäischen Steuerzahler mit Milliarden einspringen. Experten sehen deshalb kaum eine Chance, dass Finanzkonzerne einfach auf Milliarden verzichten. "Es gibt im Prinzip keine freiwillige Umschuldung oder Laufzeitverlängerung", sagte Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim.
  • Zweitens funktionieren Umschuldungen nur, wenn alle mitmachen. "Wir brauchen eine Sanierungsvereinbarung, in der alle privaten Gläubiger sich verpflichten, mitzumachen", sagt Burghof. Ein Gruppenzwang sei notwendig, damit es unter den privaten Gläubigern keine Verlierer gebe, forderte auch Hans-Peter Schwintowski, Experte für Bankenrecht an der Humboldt-Universität Berlin. "Es kann nicht sein, dass zum Beispiel nur 90 Prozent einwilligen, ihre Anleihen zu verlängern und die übrigen zehn Prozent sich auf Kosten der anderen retten lassen", sagte Schwintowski. "Es muss darauf hinauslaufen, dass sich alle Gläubiger zu gleichen Anteilen beteiligen."
  • Doch ein solcher Gruppenzwang könnte drittens wiederum bei den Rating-Agenturen für Argwohn sorgen. Sie beobachten genau, inwiefern auf die Finanzkonzerne Druck ausgeübt wird. Und die Politik fürchtet das Urteil der Agenturen. Denn wenn diese einen erzwungenen Umtausch der Anleihen in länger laufende Papiere feststellen, könnten sie dies als Zahlungsausfall Griechenlands werten. Ein solcher Staatsbankrott könnte dramatische Folgen für das weltweite Finanzsystem haben.

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Grafiken: Die Schuldenkrise in Griechenland
Entsprechend sieht der Chefvolkswirt des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, kaum eine Chance für den Plan der Euro-Minister. "Ich denke, eine freiwillige Beteiligung von Banken ist Symbolpolitik", sagte er. Es gehe aber um einen substantiellen Beitrag, damit Griechenland sich wieder Luft verschafft. Die Banker seien nicht in der Pflicht, Schaden vom deutschen Steuerzahler abzuwenden. Ohne Zwang sei ein Beitrag des Privatsektors deshalb nicht zu bekommen.

Doch der Politik läuft die Zeit davon. Die Zahl der privaten Gläubiger wird immer kleiner: Berichten zufolge haben sich Banken und Versicherungen in den vergangenen Monaten in großem Stil von Griechenland-Anleihen getrennt.

Somit steht für die Finanzkonzerne immer weniger auf dem Spiel. Das gilt auch für deutsche Banken und Versicherer. Sie gehören zwar zusammen mit französischen Instituten zu den größten Geldgebern Griechenlands, doch mit einem Volumen von weniger als 20 Milliarden Euro ist das Gesamtengagement der Finanzbranche überschaubar. Zum Vergleich: Schätzungen gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) zwischen 40 und 50 Milliarden Euro an griechischen Papieren im Portfolio hat.

Eine Pleite des Euro-Landes würde die privaten Unternehmen also nicht so stark treffen, dass sie per se an einem Rettungspaket teilnehmen, sagen Banker. Deshalb seien wirtschaftliche Anreize nötig.

Und wie könnten diese aussehen? In der Diskussion ist unter anderem, dass die Euro-Länder für neue Anleihen Staatsgarantien abgeben und private Gläubiger diese im Gegenzug kaufen. Das könnten die Politiker dann als "freiwillige" Beteiligung feiern - und am Ende würden doch die Steuerzahler für eine Pleite zahlen. Damit würde die Politik die Forderungen des Bankenverbandes erfüllen.

Mit Material von Reuters

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Forum - Euro - kann Griechenland in der Währungsunion bleiben?
insgesamt 2448 Beiträge
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1. Märchen
ewspapst 18.06.2011
Kanzlerin Merkel rechnet damit, dass die Banken sich auch ohne Zwang an der Griechenland-Hilfe beteiligen. Ich war immer der Meinung, dass uns die Brüder Grimm alle Märchen presentiert hatten, dieses jedoch noch nicht. Frau Merkel hat nicht recht, dass sie auf die Dummheit des Volkes hofft, wie hier manche Foristen schreiben. Sie hat die Gewissheit, dass das Volk durch jahrzehnte lange BILDung dumm geworden ist und so etwas alternativlos finden muss und applaudiert. Ich bin mir gewiss, dass Volk wird sich nicht wehren gegen Zwangs-Steuerzahlungen und freiwiliig zahlen , wie die Banken.
2.
Das Kombinat 18.06.2011
Zitat von ewspapstKanzlerin Merkel rechnet damit, dass die Banken sich auch ohne Zwang an der Griechenland-Hilfe beteiligen. Ich war immer der Meinung, dass uns die Brüder Grimm alle Märchen presentiert hatten, dieses jedoch noch nicht. Frau Merkel hat nicht recht, dass sie auf die Dummheit des Volkes hofft, wie hier manche Foristen schreiben. Sie hat die Gewissheit, dass das Volk durch jahrzehnte lange BILDung dumm geworden ist und so etwas alternativlos finden muss und applaudiert. Ich bin mir gewiss, dass Volk wird sich nicht wehren gegen Zwangs-Steuerzahlungen und freiwiliig zahlen , wie die Banken.
Wo sehen Sie Anzeichen dafür, daß es ein "Notopfer Griechenland" geben wird? Ich sehe dafür keine Anzeichen.
3. ttt
marant 18.06.2011
Zitat von ewspapstKanzlerin Merkel rechnet damit, dass die Banken sich auch ohne Zwang an der Griechenland-Hilfe beteiligen. Ich war immer der Meinung, dass uns die Brüder Grimm alle Märchen presentiert hatten, dieses jedoch noch nicht. Frau Merkel hat nicht recht, dass sie auf die Dummheit des Volkes hofft, wie hier manche Foristen schreiben. Sie hat die Gewissheit, dass das Volk durch jahrzehnte lange BILDung dumm geworden ist und so etwas alternativlos finden muss und applaudiert. Ich bin mir gewiss, dass Volk wird sich nicht wehren gegen Zwangs-Steuerzahlungen und freiwiliig zahlen , wie die Banken.
... wenn man wie durch für ersetzt, dann um so weniger, ist halt nicht so populistisch.
4. Euro-kann Griechenland in der Währungsunion bleiben
Papillon2 18.06.2011
Die EU hat bei der Aufnahme Griechenlands gravierende Fehler begangen und nicht genau die abgelieferten Daten geprüft.Zu dem ganzen Desaster gehören aber immer 2.Einer,der nicht genau hinschaut und die Griechen,deren List und Tücke seit Odysseus bekannt sind.Um einen vernünftigen Schnitt,also Schuldenerlaß wird man nicht herumkommen unter Beteiligung der Privatwirtschaft,notfalls auch mit Zwang.Die Griechen sollten danach selber neu abstimmen über einen weiteren Verbleib in der EU.Es müssen ja nicht unbedingt alle mitmachen genauso wie es die Schweiz und England vormachen.
5. Notopfer?
Transmitter, 18.06.2011
Zitat von Das KombinatWo sehen Sie Anzeichen dafür, daß es ein "Notopfer Griechenland" geben wird? Ich sehe dafür keine Anzeichen.
Wenn GR crasht (Staatsbankrott) sind die Deutschen IMMER ein paar hundert Milliarden los wegen GR-Hilfe I, GR-Rettungsschirm, IWF-Beteiligung D, EZB-Beteiligung D. Kann jedermann ganz einfach nachrechnen. Was wäre das dann? Etwa kein "Notopfer Griechenland"?
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