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Finanzkrise in Europa: Kontinent der wankenden Banken

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Die Angst um Europas Banken ist zurück: Die Griechen räumen vor der Parlamentswahl ihre Konten leer, Spanien braucht bis zu hundert Milliarden Euro, um seine Finanzinstitute zu stützen - auch in Italien wächst die Sorge. In welchen Ländern der EU droht ein Bankenbeben? Ein Überblick.

Der Finanzdistrikt in London: Warten auf das Bankenbeben Zur Großansicht
AP

Der Finanzdistrikt in London: Warten auf das Bankenbeben

Hamburg - Das Endspiel um den Euro hat begonnen. In den kommenden Wochen und Monaten dürfte sich entscheiden, ob die Währungsunion noch eine Zukunft hat. Wie eng das Schicksal der Staaten dabei mit dem der Banken verknüpft ist, zeigt der Fall Spanien. Die Regierung in Madrid kündigte am vergangenen Wochenende an, bis zu hundert Milliarden Euro Hilfsgelder der europäischen Partnerländer zu beantragen - nicht etwa, um ihre Staatsschulden zu bedienen, sondern um ihre Finanzinstitute zu retten.

Das Problem ist nicht allein auf Spanien beschränkt. Auch Griechenland und Irland haben bereits Milliardenhilfen erhalten, um ihre heimischen Banken zu stützen. Je schlechter die Lage der Staaten, desto brenzliger wird es auch für die Banken. Das wissen auch die Rating-Agenturen. Eine Verschlechterung der Erwartungen für die Euro-Zone, warnt Standard & Poor's, "könnte uns dazu bewegen, auch unsere Kreditprofile der europäischen Banken zu senken".

Die Verknüpfung ist in der Krise noch enger geworden. Einerseits helfen die Banken der angeschlagenen Länder ihren Regierungen mit dem Aufkauf heimischer Staatsanleihen. Andererseits springen die Staaten ein, wenn es für ihre eigenen Banken kritisch wird. So ist eine wechselseitige Abhängigkeit entstanden, die im Ernstfall in die Katastrophe führen kann. "Ich halte jedes Bankensystem für gefährdet, in dem massiv eigene Staatsanleihen gekauft wurden", sagt Hans-Peter Burghof, Bankenexperte an der Universität Hohenheim.

Ein Austritt der Krisenländer würde die Banken 360 Milliarden Euro kosten

Die Notenbanken der Welt bereiten sich offenbar bereits auf ein Beben an den Finanzmärkten vor. Auslöser könnte die Parlamentswahl in Griechenland am kommenden Sonntag sein. Sollten die reformfeindlichen Parteien gewinnen, würde dies womöglich das Ende der Hilfszahlungen und damit auch den Austritt des Landes aus dem Euro bedeuten. Laut der Nachrichtenagentur Reuters wollen die großen Notenbanken der Welt in einem solchen Fall die Finanzmärkte mit Geld fluten, um ein Einfrieren der Kreditmärkte zu verhindern. "Das Euro-System wird zahlungsfähigen Banken weiter Liquidität bereitstellen, wenn das benötigt wird", sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Freitag.

Nicht nur die Banken in den Krisenländern der Euro-Zone müssen eine Verschärfung der Krise fürchten. Auch die Schweizer Notenbank SNB sorgt sich um ihre beiden heimischen Großbanken Credit Suisse und UBS. "Das Risiko des Zusammenbruchs einer großen Bank bleibt substantiell", schreibt die SNB in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Bericht zur Finanzstabilität.

Die Analysten der Rating-Agenturen sind ebenfalls besorgt. Standard & Poor's zweifelt in einer aktuellen Studie an der Solvenz und Kapitalausstattung vieler Institute. Von den 50 größten europäischen Banken hat die Rating-Agentur deshalb 27 mit einem negativen Ausblick versehen oder auf die Beobachtungsliste gesetzt. Die Kollegen von Moody's stufen seit Wochen immer wieder europäische Bankwerte herab. Am Freitag traf es fünf niederländische Institute.

Wie schlimm es im Ernstfall kommen kann, haben die Experten der Credit Suisse Chart zeigen ausgerechnet. Das Ergebnis ist erschreckend: Sollte sich die Euro-Zone aufspalten und die Krisenländer Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien aus der Währungsunion austreten, lägen die Verluste für die großen europäischen Banken bei 360 Milliarden Euro. Das entspricht 58 Prozent ihres aktuellen Börsenwerts. Einige Institute würden einen solchen Schock nicht überleben.

In Deutschland wäre in einem solchen Negativszenario die Deutsche Bank Chart zeigen mit Verlusten von mehr als 28 Milliarden Euro betroffen, bei der Commerzbank Chart zeigen wären es knapp 17 Milliarden Euro. Verluste in dieser Dimension wären ohne staatliche Hilfe wohl kaum zu stemmen.

So schlimm muss es freilich nicht kommen. Und kleinere Schocks wie einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion dürften die deutschen Institute nach Einschätzung der meisten Experten auch noch verkraften. Das hiesige Bankensystem sei insgesamt "vergleichsweise robust", hatte die Chefin der Bankenaufsicht BaFin Anfang Juni gesagt - wenngleich viele Experten immer die knappe Kapitaldecke der Institute bemängeln.

Andere Länder dürften weitaus größere Probleme bekommen, wenn sich die Krise weiter verschärft. Das gilt vor allem für Krisenstaaten wie Spanien, Griechenland oder auch Portugal - doch nicht nur für sie. Wo stecken die Risiken in Europas Bankensystemen? Welche Länder müssen besonders aufpassen?

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insgesamt 164 Beiträge
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1. ....
nixkapital 15.06.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Angst um Europas Banken ist zurück: Die Griechen räumen vor der Parlamentswahl ihre Konten leer, Spanien braucht bis zu 100 Milliarden Euro, um seine Finanzinstitute zu stützen - auch in Italien wächst die Sorge. In welchen Ländern der EU droht ein Bankenbeben? Ein Überblick. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,838918,00.html
...na hofentlich lesen das auch ganz viele Griechen, damit sie am Sonntag bloß nicht falsch wählen.... Hier wird ja jetzt schon im Stundentakt die Apokalypse an die Wand gemalt...
2. Bankenrettung 3.0
fritzyoski 15.06.2012
"Ein Austritt der Krisenländer würde die Banken 360 Milliarden Euro kosten" Den Banken? Doch wohl ehr dem Steuerzahler. aber 360 ist ja ein richtiges Schnaeppchen. Ein Verbleib wird unendlich viel kosten. Ausserdem waere es mal an der Zeit einige Banke pleite gehen zu lassen anstatt immer nur zu retten. Wer nicht wirtschaften kann der MUSS pleite gehen, sonst geht die gesamte Wirtschaft unter. Banken planen doch inzwischen auf Bailouts. Jede Bank weiss das alles Pisiko beim Steuerzahler liegt waehrend alle Gewinne bei der Bank liegen. Das geht auf Dauer nicht gut.
3. Entweder
hajueberlin, 15.06.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Angst um Europas Banken ist zurück: Die Griechen räumen vor der Parlamentswahl ihre Konten leer, Spanien braucht bis zu 100 Milliarden Euro, um seine Finanzinstitute zu stützen - auch in Italien wächst die Sorge. In welchen Ländern der EU droht ein Bankenbeben? Ein Überblick. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,838918,00.html
den Verantwortlichen bei den Banken weltweit ist nichts aufgefallen, dann sind sie inkompetent oder sie wussten um die Gefahren/die Folgen ihres Tuns und dann sind sie Verbrecher. Ich kann mich nicht entscheiden. Meine Tendenz geht aber zur Inkompetenz.
4. Selbstheilung ...
paulahner 15.06.2012
Der Konkurs, den unsere Wirtschaftsordnung für Unternehmen in einer solchen Lage vorsieht, wird von der Politik aus Angst um Wählerstimmen bewusst ignoriert. Ein Konkurs "reinigt die Luft" und setzt Selbstheilungsprozesse in Gang. Das hat so (irgendwie) auch die FDP zum Konkurs von Schlecker von sich sich gegeben.
5. 360 Mrd.
idealist100 15.06.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Angst um Europas Banken ist zurück: Die Griechen räumen vor der Parlamentswahl ihre Konten leer, Spanien braucht bis zu 100 Milliarden Euro, um seine Finanzinstitute zu stützen - auch in Italien wächst die Sorge. In welchen Ländern der EU droht ein Bankenbeben? Ein Überblick. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,838918,00.html
Das sind doch Peanats zu den Billionen, welche eine Rettung der Bänkster und ihrer Aktionäre sowie der Milionäre und Milliardäre kostet. Alles über 100.000.-€ ist dann halt weg. Gesundschrumpfen heisst die Device, wird aber nicht kommen, denn zahlen soll der kleine dumme Bürger, wetten.
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So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.


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