Euro-Krise España oje

Portugal und Spanien sind wirtschaftlich eng verflochten - zieht die Krise des kleinen Landes auch das große mit nach unten? Tatsächlich entscheidet sich die Zukunft des Euro in Madrid, die Regierung Zapatero muss das Unmögliche schaffen: den Staat sanieren und gleichzeitig die Konjunktur ankurbeln.

Karikatur: Spaniens Finanzministerin Salgado und Ministerpräsident Zapatero
Rainer Ehrt für manager magazin

Karikatur: Spaniens Finanzministerin Salgado und Ministerpräsident Zapatero

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Hamburg - Es sind wohl die härtesten Jobs, die die europäische Politik derzeit zu vergeben hat. Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero und seine Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado müssen ihr Land vor dem Konkurs retten - und nebenbei auch noch den Euro.

So eilen und jetten die beiden von einem Krisengipfel zum anderen, antichambrieren auf Roadshows bei potentiellen Investoren. Und zwischendurch müssen sie im eigenen Land Arbeitgeber und Gewerkschaften zu harten Konzessionen zwingen und das verunsicherte Volk beruhigen.

Europa schaut sorgenvoll auf die iberische Halbinsel. Die Dominotheoretiker an den Finanzmärkten unken schon seit Wochen: Nach Griechenland und Irland werden bald Portugal und Spanien fallen. Portugal hat bereits um EU-Hilfe gebeten. Und in Spanien, so sieht es aus, entscheidet sich die Schlacht um den Euro.

Es steht also viel auf dem Spiel: Sollte die Sanierung dieses größten unter den Krisenländern scheitern, dann, so raunen Brüsseler Insider, drohten auch bislang stabile, aber hoch verschuldete Länder wie Italien und Belgien in den Sog der Finanzmarktpanik zu geraten. Die Folge wäre ein europäischer, vermutlich aber auch globaler Crash der Anleihemärkte. Ein perfekter Sturm, der alle bisherigen Höhepunkte der globalen Finanzkrise in den Schatten stellt.

Zapatero und Salgado kämpfen derzeit gegen die schwerste Wirtschaftskrise, die ihr Land je durchlitten hat. Die jäh geplatzte Immobilienblase riss Löcher in die Haushalte des Staates (der die Sparkassen retten muss) und vieler Privatpersonen. Und - noch schlimmer - die Realwirtschaft steckt in einem Teufelskreis von geringer Produktivität, hoher Arbeitslosigkeit, mangelnder Wettbewerbsfähigkeit und Minuswachstum. Dabei müsste die Wirtschaft kräftig wachsen, um die Löcher im Haushalt stopfen zu können.

"Spanien ist nicht Irland und Griechenland schon gar nicht"

Geht das überhaupt? Kann ein Land gleichzeitig drastisch sparen, die Lohnkosten senken, die Produktivität steigern und dabei aus den Schulden herauswachsen? Funktioniert die europäische Sanierungsstrategie der harten Schnitte - oder treibt sie die Problemländer womöglich noch tiefer in die Krise?

Elena Salgados mächtiges Ministerium hat auf Druck der EU-Partner und der Finanzmärkte einen Reformfahrplan ausgearbeitet. Es gilt als oberste Direktive: Die Budgetziele müssen eingehalten werden. Unbedingt. Es gebe, sagen Insider, bereits einen "Plan B", eine Prioritätenliste mit weiteren Kürzungen für den Fall, dass die Haushaltszahlen schlechter auszufallen drohen als erwartet.

In einem Versammlungsraum des Wirtschaftsministeriums sitzt Generaldirektor Ángel Estrada und erläutert geduldig, was seine Chefin bereits getan hat und noch tun will. Doch gleich zu Beginn ist ihm wichtig zu sagen, dass Spanien nicht Irland ist und Griechenland schon gar nicht. "Schauen Sie sich unsere Verschuldungsquote an", sagt er und schiebt eine Grafik herüber: Spaniens Schulden betrugen demnach 2010 nur 64,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Weniger als in Deutschland oder Frankreich und weit unter dem Schnitt der Euro-Länder von 84 Prozent.

Ja, konzediert er dann, Spanien habe ein Problem mit den Sparkassen. Aber bei der Lösung sei man schon weit vorangeschritten. Das Ministerium und die Zentralbank haben die mehr als 40 Sparkassen, die Cajas, zu Fusionen gezwungen, und bis spätestens September 2011 sollen die verbliebenen 17 Cajas ihre Kernkapitalquote erhöhen - oder sie werden verstaatlicht.

Schon 15 Milliarden Euro hat der Fusionsprozess den Staat gekostet, weitere 20 Milliarden Euro fallen dieses Jahr an, rechnete das Ministerium aus. "Das ist sehr konservativ geschätzt", sagt der Bankenexperte Pablo Tramazaygues von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group in Madrid. Manche taxieren den Finanzbedarf gar auf bis zu 120 Milliarden Euro.

Auch die Ratingagentur Moody's setzt den Kapitalbedarf für die Rekapitalisierung der krisengebeutelten Sparkassen deutlich höher an, und zwar mit 50 Milliarden Euro. Die Entscheidung der Ratingagentur, die Bonität Spaniens Anfang März um eine Stufe herabzusetzen, ist ein offenes Misstrauensvotum gegenüber der Regierung in Madrid.

Laut den neuen Mindestkernkapitalauflagen müssen Spaniens Geldhäuser mindestens acht Prozent Kernkapital aufweisen. Geldhäuser, die nicht zu mindestens 20 Prozent privaten Investoren gehören, benötigen sogar zehn Prozent Kernkapital. Um diese Vorgaben zu erfüllen, brauchen die Cajas mindestens sieben Milliarden Euro, wie sich aus den Ende März bei der Zentralbank vorgelegten Rekapitalisierungsplänen ergibt.



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Seite 1
Michael Giertz, 11.04.2011
1. Auch ohne Portugal ist Spanien dran
Zitat von sysopPortugal und Spanien sind wirtschaftlich eng verflochten - zieht die Krise des kleinen Landes auch das große mit nach unten? Tatsächlich entscheidet sich die Zukunft des Euro in Madrid, die Regierung Zapatero muss das Unmögliche schaffen: den Staat sanieren und gleichzeitig die Konjunktur ankurbeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,755918,00.html
Machen wir's einfach: auch ohne Portugal wäre Spanien demnächst fällig. Eine Nation mit grasierender (Jugend)Arbeitslosigkeit (U30-Jährige) kann nicht ewig so weiterfunktionieren, irgendwann leidet die Wirtschaft. Und sei es nur, weil sich die Jugend eine Familiengründung nicht leisten kann, und damit der Nachwuchs fehlt. Wer kommt also nach Spanien an die Reihe? Italien? Irgendein kleineres osteuropäisches Eurozonenland? Sehen wir's mal realistisch: über kurz oder lang geht's einmal rundum mit den "Krisen". Ist also nur eine Frage der Zeit, bis der schwarze Peter bei Deutschland ankommt ... und dann gibt's 'ne gesalzene Rechnung für den Euro.
bunterepublik 11.04.2011
2. Ja und?
Zitat von sysopPortugal und Spanien sind wirtschaftlich eng verflochten - zieht die Krise des kleinen Landes auch das große mit nach unten? Tatsächlich entscheidet sich die Zukunft des Euro in Madrid, die Regierung Zapatero muss das Unmögliche schaffen: den Staat sanieren und gleichzeitig die Konjunktur ankurbeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,755918,00.html
Was soll's? der Herr Zapatero schafft es ohnehin nicht, Spanien ist eben am Ende.... Es geht nur durch Lohnkürzungen, Reduzierung des Lebensstandards, Kürzung von Sozialleistungen....solange Deutschland trotz allen Krisen so wettbewerbsfähig ist, werden es alle anderen schwer haben, mit uns zu konkurrieren, wenn sie nicht deutlich weniger Kosten generieren.....
mitwisser, 11.04.2011
3. olala
Zitat von sysopPortugal und Spanien sind wirtschaftlich eng verflochten - zieht die Krise des kleinen Landes auch das große mit nach unten? Tatsächlich entscheidet sich die Zukunft des Euro in Madrid, die Regierung Zapatero muss das Unmögliche schaffen: den Staat sanieren und gleichzeitig die Konjunktur ankurbeln. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,755918,00.html
...das schafft der Schuster bestimmt...
Tarja13, 11.04.2011
4. .
Spanien halte ich für ein Paradbeispiel der negativen Konsequenzen der nichtexistenten EU-Wirtschaftspolitik. Die Wirtschaftspolitik ist eben immer noch regional, höchsten national ausgerichtet, ebenso die Haushaltspolitik, aber ein entscheidendes Segment für beide Bereiche, nämlich die Währungspolitik, ist für Spanien praktisch nicht mehr beeinflussbar. Griechenland hat das gleiche Problem, wenn auch in wesentlich stärkerem Maße. Portugal geht es ähnlich, Italien wird es vermutlich noch bekommen, Irland hat es schon längst. Für all diese Länder wäre normalerweise die Abwertung ihrer Währung das logische Heilmittel ihrer Situation. Geht aber nicht, weil man ja unbedingt den Euro haben wollte. Wenn aber die Währungspolitik - was ich grds für richtig halte - nur noch EU-gesteuert ist, sollte das gleiche auch für die Wirtschafts- und Haushaltspolitik und zumindest Teilbereiche der Außenpolitik gelten. Es zeigt sich immer mehr, dass ein Bündnis mit ein paar wenigen Merkmalen eines gemeinsamen Staates, deren Mitglieder aber andererseits bei jeder sonstigen Gelegenheit auf nationale Eigenständigkeit pochen, nicht funktioniert. Das hätte man wissen können. Da es keine gemeinsame EU-Politik sondern nur 27 nationale Politiken in jedweder Frage gibt, hätte man sich denken können, dass eine gemeinsame Währung früher oder später Probleme bekommen wird. Die Konsequenz ist, dass die wenigen Länder, die wirtschaftlich leistungsfähig sind, nur noch die Wahl haben zwischen einer Transferunion mit einem sich sukzessive verstärkenden Transfer in die wirtschaftlich an die Wand gefahrenen Länder aber ohne den Vorteil einer größeren politische Einheit einerseits und einem hastigen Zusammenzimmern eines europäischen Staatenbundes mit einer gemeinsamen Regierung auf EU-Ebene, die alle wichtigen Politikfelder (v.a. Außenbeziehungen, Wirtsschaft, Finanzen einschließlich Währung, Verteidigung) regelt, andererseits - und das wäre erst recht mit großen finanziellen Opfern der leistungsfähigen Länder verbunden. Die dritte Option wäre eine halbwegs kontrollierte Rückabwicklung der Gemeinschaftswährung bzw eine Spaltung des Euroraumes (die PIIGS-Staaten wären sozusagen Europas "Bad Bank"), die vermutlich wegen nationaler Eitelkeit nicht funktionieren wird und deshalb direkt in die vierte Möglichkeit, nämlich einen unkontrollierten Zusammenbruch des Euro und der EU als solches münden würde. Wie man es dreht und wendet: Für D bleibt sowieso nur die Rolle des Zahlmeisters (zusammen mit einigen wenigen anderen Staaten), und das Schlimme ist, dass es die Großkonzerne, für die man die Gemeinschaftswährung überhaupt eingeführt hat, und die auch den größten Vorteil davon haben, kaum treffen wird. Die wandern entweder in andere Regionen zum Abgrasen ab, oder sie werden sich, falls es eng für sie werden sollte, in bewährter Manier an den Steuerzahler wenden. Hat bisher auch immer funktioniert, also wird es das auch weiterhin. Konsequenz davon: Der Bürger begreift langsam, dass er die von allen gemolkene Kuh ist, und verfällt zurück in hilflose alte Muster, weil er die Zusammenhänge nicht sieht oder zumindest des kurzfristigen Vorteils wegen ignoriert. Das wäre es dann also mit dem geeinten Europa, mit Frieden und wenn es dumm läuft auch mit der Demokratie bei uns. Und die Politik? Business as usual: EU-Politik wird nur unter dem Gesichtspunkt kurzfristiger innenpolitischer Vorteile betrieben. Auch das kann nicht mehr lange gut gehen.
RaMaDa 11.04.2011
5. Goldesel
wie gut, dass es die sicheren Häfen Gold und Silber gibt....
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