Aufkauf von Staatsanleihen EZB-Insider planen geheime Zinsobergrenze

Die Europäische Zentralbank will die Zinslast hochverschuldeter Euro-Länder drücken - die Frage ist nur wie. Erst wurde über offizielle Zinsobergrenzen für Staatsanleihen diskutiert, doch der Vorschlag stieß auf Kritik. Nun plädieren mehrere Notenbanker offenbar für geheime Zielvorgaben.

Euro-Skulptur vor der EZB in Frankfurt am Main: Hilfsprogramm für Krisenstaaten
DPA

Euro-Skulptur vor der EZB in Frankfurt am Main: Hilfsprogramm für Krisenstaaten


Berlin - Unter Hochdruck arbeiten die Experten der Europäischen Zentralbank (EZB) an einem Hilfsprogramm für angeschlagene Euro-Staaten. Klar scheint, dass die EZB massiv Staatsanleihen der betroffenen Länder aufkaufen wird, um deren Zinsen zu senken. Doch über den genauen Weg sind sich die Währungshüter noch uneins.

Nach SPIEGEL-Informationen hatten die Notenbanker diskutiert, sogenannte Zinsschwellen zu veröffentlichen, ab denen die EZB mit Anleihenkäufen einschreiten würde. So könnte sichergestellt werden, dass die Zinsen für Staatsanleihen von Ländern wie Spanien oder Italien nicht über ein bestimmtes Niveau steigen. Der Vorschlag stieß allerdings bei einigen Notenbankern und bei der Bundesregierung auf Ablehnung. Ein Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnete die diskutierte Variante als "problembelastet".

Deshalb plädieren einige Notenbanker nun offenbar dafür, die Zinsobergrenzen zwar intern festzulegen, aber nicht zu veröffentlichen. Etliche Notenbanker würden dieses Vorgehen einer zuletzt diskutierten offiziellen Obergrenze vorziehen, berichtet die Zeitung "Die Welt" - und beruft sich dabei auf mehrere mit den Diskussionen vertraute Personen.

FDP-Politiker Brüderle lehnt Zinsobergrenze ab

Der EZB-Rat will in seiner Sitzung am 6. September darüber entscheiden, wie die in Aussicht gestellten Anleihenkäufe aussehen könnten. In den vergangenen Tagen haben die Fachleute der EZB dazu Meinungen aller Notenbanken der Euro-Zone eingeholt, in Kürze werden sie ihre Empfehlungen intern vorlegen. Eine Entscheidung gebe es noch nicht, auch keine Beschlussvorlage des Direktoriums, betonen alle Beteiligten. Es zeichne sich aber ab, dass die Idee einer offiziellen Obergrenze für Anleihenzinsen innerhalb des EZB-Rats wenig Rückhalt habe.

Als Vorteil öffentlicher Zinsobergrenzen gilt deren Wirkung an den Finanzmärkten. Wenn Investoren und Spekulanten wissen, ab welchem Zinsniveau die EZB eingreift, werden sie gar nicht erst versuchen, die Zinsen höher zu treiben. Das zumindest ist die Hoffnung der Befürworter des Vorschlags. Kritiker bemängeln dagegen, öffentliche Zinsschwellen würden Spekulanten gerade dazu einladen, die Grenzen auszutesten.

Ein Zinsobergrenze stößt in der schwarz-gelben Koalition auf Widerstand. Der FDP-Fraktionchef Rainer Brüderle erklärte in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE: "Die EZB wäre meines Erachtens gut beraten, einen solchen Schritt zu vermeiden. Mit einer Zinsfixierung kann es sehr schnell zu einer Überflutung des Marktes mit billigem Geld und damit am Ende zu einer Inflation kommen. Außerdem widerspräche ein solches Vorgehen marktwirtschaftlicher Ordnungspolitik."

stk/dpa-AFX

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Seite 1
lechpirat 23.08.2012
1.
Geheime Treffen, geheime Absprachen, geheime Zinsgrenzen... Der Euro - ein echter Demokrat. "So könne sichergestellt werden, dass die Zinsen für Staatsanleihen für Spanien und Italien nicht über ein gewisses Niveau steigen." Falsch! Sichergestellt wird lediglich, dass niemand mehr Geld für diese Länder bereitstellen wird. Macht aber nix, da die EZB die Gelddruckmaschine anwerfen wird, zu Lasten der Zukunft und der Währungsstabilität in Deutschland und anderer solventer "Nordländer".
papayu 23.08.2012
2. Das ist doch die IDEE!
Am Besten eine einmalige Bearbeitungsgebuehr!! Dann koennte es zurueckgezahlt werden, denn wie lange wuerde es brauchen, bis erstmal nur die Zinsen abgegolten waeren?? Ganz anders herum, nicht der Schuldner zahlt Zinsen, sondern der Glaeubiger!! 95% Vorauskasse, nicht 100%. und dafuer gibts dann keine Boni!!!
glücklicher südtiroler 23.08.2012
3. Zinsen...
Zitat von sysopDPADie Europäische Zentralbank will die Zinslast hochverschuldeter Euro-Länder drücken - die Frage ist nur wie. Erst wurde über offizielle Zinsobergrenzen für Staatsanleihen diskutiert, doch der Vorschlag stieß auf Kritik. Nun plädieren mehrere Notenbanker offenbar für geheime Zielvorgaben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,851584,00.html
Interessant; das macht es dann für alle die mit Anleihen handeln sehr schwierig. Denke das wird ein Weg sein. Der Vorteil gegenüber allen anderen bisherigen Rettungsmaßnahmen ist, daß man ihn so gut wie sofort in die Wege leiten könnte; daß die Struktur(EZB) bereits vorhanden ist und daß aus Sicht der EU Verantwortlichen solche Unwägbarkeiten wie das Deutsche Bundesverfassungsgericht umgangen sind. Aus Sicht der Kanzlerin ist das schön, weil sie keine neuen Rettungspakete und damit keine neuen Gefahren für ihre Koalition im Bundestag fürchten muß. Das Instrument finde ich gut; es ist flexibel und im Gegensatz zu ESM und €Bond kommt man da wieder raus. Also die dritte Möglichkeit der Intervention; die EZB besiegt den Markt. Schian Gruaß...
Litajao 23.08.2012
4. Die Lösungen?? werden immer konfuser!
Zitat von sysopDPADie Europäische Zentralbank will die Zinslast hochverschuldeter Euro-Länder drücken - die Frage ist nur wie. Erst wurde über offizielle Zinsobergrenzen für Staatsanleihen diskutiert, doch der Vorschlag stieß auf Kritik. Nun plädieren mehrere Notenbanker offenbar für geheime Zielvorgaben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,851584,00.html
Diese sogenannten Lösungen werden immer verworrener und konfuser, zeigen, dass die sogenannten "Euro-Retter" immer mehr zu Zauberei und Hexerei tendieren, weil sie einfach nichts mehr wissen. Hätte vor 1 oder 2 Jahren Jemand dieses Szernario beschrieben, er wäre als Spinner verlacht worden, aber nun ist dies Realität.
maemo 23.08.2012
5.
Zitat von sysopDPADie Europäische Zentralbank will die Zinslast hochverschuldeter Euro-Länder drücken - die Frage ist nur wie. Erst wurde über offizielle Zinsobergrenzen für Staatsanleihen diskutiert, doch der Vorschlag stieß auf Kritik. Nun plädieren mehrere Notenbanker offenbar für geheime Zielvorgaben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,851584,00.html
Die Mafia wirkt dagegen wie ein Knabenchor.
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