Euro-Krise: IWF dementiert Plan für direkte Anleihekäufe

Die Äußerungen sorgten für Aufregung: Der Internationale Währungsfonds könnte möglicherweise Staatsanleihen von Euro-Krisenländern aufkaufen, sagte dessen Europa-Chef am Mittag. Jetzt nimmt er die Idee wieder zurück - man erwäge keinen Eingriff in den Markt.

IWF-Europa-Chef Antonio Borges: Keinen Eingriff in die Märkte Zur Großansicht
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IWF-Europa-Chef Antonio Borges: Keinen Eingriff in die Märkte

Brüssel/Washington - Auf der verzweifelten Suche nach einer Lösung in der Euro-Krise hat der Internationale Währungsfonds ( IWF) am Mittwoch eine neue Idee präsentiert: Der Europa-Direktor des IWF, Antonio Borges, sagte, der Fonds erwäge den Kauf von Anleihen von Spanien und Italien. Auf diese Weise könnten die Finanzprobleme von Euro-Schuldensündern verringert werden.

Die vorgestellte Option sorgte für Aufregung an den Märkten. Doch Borges ruderte später in einer schriftlichen Erklärung zurück: "Der Währungsfonds kann nur Geld an Staaten geben", hieß es darin. Der IWF könne aber seine Ressourcen nicht nutzen, um direkt am Anleihenmarkt zu intervenieren.

"Wir leihen verschiedenen europäischen Staaten Geld, die uns um Unterstützung gebeten haben." Der Fonds habe aber keine zusätzlichen Bitten erhalten und erwäge keinen Eingriff in die Märkte zusammen mit dem Euro-Rettungsschirm EFSF. Dafür seien Änderungen in den Strukturen des Fonds nötig - solche seien aber nicht mit den Mitgliedern diskutiert worden. Der IWF ist an den milliardenschweren Hilfspaketen für Euro-Schuldensünder zu je einem Drittel beteiligt, den Rest schultern die Euro-Partner.

Borges hatte in Brüssel den IWF-Bericht zur wirtschaftlichen Lage Europas vorgestellt - am Rande der Veranstaltung fielen die später dementierten Äußerungen zu den Anleihen. In dem Bericht kritisiert der Fonds, der seinen Sitz in Washington hat, das Krisenmanagement der Europäer in der Euro-Schuldenkrise. Dieses müsse "über den jetzigen Ansatz hinausgehen, um Erfolg zu haben" und einen europäischen Ansatz verfolgen.

Die Konjunkturaussichten für Europa sind dem Bericht zufolge düster. Wie auch die EU-Kommission erwartet der IWF für das laufende Jahr in den Euro-Ländern nur noch ein Wachstum von 1,6 Prozent. Für 2012 geht der Währungsfonds von 1,1 Prozent aus. 2010 betrug das Wirtschaftswachstum in der Union laut IWF noch 1,8 Prozent.

Neben der Euro-Krise nennt der IWF die weltwirtschaftliche Lage sowie die Krise in den USA als Ursachen für die schlechteren Aussichten. Unter der schwachen Nachfrage aus Übersee und Europa leidet vor allem die Exportnation Deutschland. Entsprechend schlecht sehen die Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum aus: Für 2011 rechnet der IWF noch mit 2,7 Prozent, für 2012 nur noch mit 1,3 Prozent.

lgr/dpa-AFX/dapd

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Jedes Dementi …
wika 05.10.2011
… ist der beste Beweis dafür dass es so kommen wird. Die Not des Geldes wird es am Ende regeln, es liegt doch schon in der Luft. Und wenn dann die Superblase platzt, wir endlich die Umverteilung und Privatisierung aller Güter hinter uns haben, dann, ja dann bekommen wir endlich wieder unsere gute alte Mark zurück. Nein, nicht die D-Mark … die noch etwas ältere Variante … die *„Deutsche Knochen Mark“* und dann wirtschaften wir mal wieder so richtig aus der Substanz … Lnk (das geht auf die Knochen) (http://qpress.de/2011/09/12/euro-ade-deutschland-fuhrt-knochen-mark-ein/), dank unserer Politiker die bis dahin dann alles im Namen des Volkes verzockt haben werden. Mal sehen ob diese Politiker-Brut danach schlauer geworden ist oder ob sie es zulassen werden, dass die Casino-Banken dann ihr Spiel erneut für drei Generationen treiben dürfen. Genau dieses sollte eigentlich verhindert werden, indem das jetzige Geld-System kastriert wird und wir endlich mal ein nachhaltiges bekommen, welches exponentielles Wachstum des Geldes fernab der Realwirtschaft unterbindet. Noch allerdings kann ich nicht erkennen dass da eine nennenswerte Zahl an Politikern erwacht sind. Bislang lassen sie sich die Lösungswege noch von den Bankstern erarbeiten. Wir könnten also auch die Regierungsgeschäfte direkt einer Abteilung der Deutschen Bank überlassen … käme auf dasselbe raus.
2. verkürzte Haltwertzeiten
weltbetrachter 05.10.2011
Die Haltwertzeiten von Ankündigungen, zurückgenommene Ankündigungen und sonstige Mitteilungen werden immer kürzer. Konnte man sich früher darauf verlassen, ja sogar Investitionsentscheidungen darauf aufbauen, so sind die Haltwertzeiten heute auf unter 3 Monaten gesunken. -- Wie soll denn nun die Realwirtschaft auf solche Dinge reagieren. Ich meine bewußt nicht die Finanz-Casino-Zocker, sondern die kleinen, mittleren und auch großen Unternehmen, die nicht in kurzen, sondern in langfristigen Zeiträumen denken und planen - m ü s s e n !!!
3. klassische Marktmanipulation
mitwisser 05.10.2011
Das sind für mich klassische Marktmanipulationen, die den Banken viel Geld bringen und anderen herbe Verluste bescheren. Für mich sind das alles strafbare Handlungen - bewußte oder unbewußte. Vermutlich aber absichtlich, um die Märkte vor dem Fall zu retten. Der kommt aber dennoch...
4. #
Tom-d 06.10.2011
Zitat von sysopDie Äußerungen sorgten für Aufregung: Der*Internationale Währungsfonds*könnte möglicherweise Staatsanleihen von Euro-Krisenländern aufkaufen, sagte*dessen*Europa-Chef am Mittag. Jetzt nimmt er die Idee wieder zurück - man erwäge keinen Eingriff in den Markt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,790165,00.html
Falls er das wirklich gesagt hat, sollte er wohl entlassen werden. Wäre auch ein Riesen-Skandal, das Geld der Chinesen, Brasialianer, Afrikaner usw. ungefragt für Europa zu verballern
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.