Euro-Krise Rating-Riese stuft Irland-Bank auf Ramsch-Status herab

Herber Rückschlag für Irland: Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat ihre Bonitätsbewertung für die hoch verschuldeten Banken des Landes gesenkt. Die Anglo Irish Bank hat jetzt sogar Ramschstatus. Die Entscheidung verschärft das Schuldenproblem der Regierung in Dublin.

Proteste gegen Sparpaket: Neuer Ärger für Irland
DPA

Proteste gegen Sparpaket: Neuer Ärger für Irland


Dublin - Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat irische Banken herabgestuft. Die New Yorker Agentur wertete am Freitag die Anglo Irish Bank auf Ramschstatus an - die wird jetzt mit der Note B bewertet. Die Bank of Ireland und die Allied Irish Bank erhielten die Note BBB+ und BBB. Standard & Poor's prognostizierte, die irische Regierung "könnte gezwungen sein, ihre unterstützende Haltung gegenüber den nicht garantierten Schulden Anglos zu überdenken".

Die Bedeutung der Ratings ist groß. Je schlechter eine Agentur die Bonität von Irlands Banken beurteilt, umso teurer und schwieriger wird es für sie, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab.

Für Irland sind das keine guten Nachrichten. Das krisengeplagte Land verhandelt derzeit über EU-Hilfen in Höhe von 85 Milliarden Euro. Die Banken des Landes haben sich mit windigen Hypothekengeschäften verspekuliert und Milliardenverluste gemacht. In einer beispiellosen Rettungsaktion hatte sich die Regierung in Dublin bereit erklärt, für sämtliche Verpflichtungen ihrer nationalen Banken zu bürgen. Dann aber wurden die Hilfen, die sie geben musste, zu groß. Das Haushaltsdefizit schnellte auf 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts empor.

Um an die EU-Hilfen zu kommen, muss die Regierung in Dublin ein gigantisches Sparpaket stemmen. Um Irland zu sanieren, hatte die Zentralbank zudem drastische Maßnahmen gefordert. Wenn es nach ihm ginge, könne man Irlands Skandalbanken komplett verkaufen, sagte der irische Notenbankchef Patrick Honohan am Dienstag.

Euro sackt unter 1,32 Dollar

Die Irland-Krise setzt auch andere Euro-Länder unter Druck. Derzeit wehren sich Portugal und Spanien mit aller Kraft gegen den Eindruck, als nächste Euro-Staaten auf Finanzhilfen angewiesen zu sein. Die Regierung in Lissabon wies am Freitag einen Zeitungsbericht zurück, laut dem das Land von der Europäischen Zentralbank (EZB) und anderen Euro-Ländern zu einem Hilfsgesuch gedrängt werde.

Die "Financial Times Deutschland" hatte berichtet, durch Hilfen für Portugal solle das Nachbarland Spanien vor einer Rettungsaktion bewahrt werden. Deshalb übe die EZB und eine Mehrheit der Euro-Länder Druck auf die Regierung in Lissabon aus, wie zuvor Irland unter den Rettungsschirm zu schlüpfen. Die Kosten, falls Spanien in den Strudel der Euro-Krise geraten würde, werden auf ein Vielfaches der Rettungsaktion für Irland eingeschätzt, für das rund 85 Milliarden Euro an Hilfen bereitgestellt werden sollen.

Die Regierung in Madrid schloss kategorisch aus, den Euro-Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen. Spanien denkt aber wegen der steigenden Zinsen darüber nach, die Ausgabe von Staatsanleihen bis Jahresende zu begrenzen. Möglicherweise werde die Höhe der Emissionen leicht reduziert, sagte Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado am Freitag in Madrid. Spekulationen, die Ausgabe könne bis auf weiteres ganz gestoppt werden, wies die Ministerin kategorisch zurück.

Die weiter schwelende Schuldenkrise belastet den Euro massiv. Am Freitag sackte er zeitweise unter die Marke von 1,32 Dollar. Bis zum späten Nachmittag erholte sich die Gemeinschaftswährung wieder etwas, büßte im Vergleich zur Vorwoche aber mehr als fünf US-Cent an Wert ein.

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Schritt für Schritt: Wie Irland den Euro-Rettungstopf anzapfen kann

ssu/dapd/dpa/AFP

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kdshp 26.11.2010
1. Mehr Marktwirtschaft
Zitat von sysopHerber Rückschlag für Irland: Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat ihre Bonitätsbewertung für die hoch verschuldeten Banken gesenkt. Die Anglo Irish Bank hat jetzt sogar Ramschstatus. Die Entscheidung verschärft das Schuldenproblem der Regierung in Dublin. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,731424,00.html
Hallo, ja und so ist das nun mal mit der marktwirtschaft und auch irland wollte diese haben. Nur gut das wir in D nicht auch dienstleistungen gesetzt haben! Ich denke es wird sich einpendeln und die länder in der EU die ihr chance hatten aus dem geld was wir ihnen gegeben haben was draus zu machen es aber nicht getan haben eben auf die höhe kommen wo sie hingehören bzw. ohne den EURO/unser geld eben eh geblieben wären. Im grunde kommen griechen und iren dahin wo sie vorher waren also was soll die aufregung in diesen ländern.
orbit72 26.11.2010
2. Die Henne oder das Ei
In Bezug auf Rating-Agenturen liegt ja die Frage nahe, ob die Bank ein schlechtes Ranking bekommt, weil die Kreditwürdigkeit nicht gut ist, oder die Kreditwürdigkeit nicht gut ist, weil die Bank ein schlechtes Ranking hat - vielleicht sollte man Rating-Agenturen wie S&P und wie sie alle heißen, einfach an den Kosten der Rettungspakte beteiligen? Und wenn man gerade dabei ist, möglicherweise auch gleich noch die Spekulanten, die aus diesen Ratings ihre Profite ziehen...
Einhard800 26.11.2010
3. Banken zur Verantwortung ziehen
"Die Banken des Landes haben sich mit windigen Hypothekengeschäften verspekuliert und haben Milliardenverluste gemacht. In einer beispiellosen Rettungsaktion hatte sich die Regierung in Dublin bereit erklärt, für sämtliche Verpflichtungen ihrer nationalen Banken zu bürgen. Dann aber wurden die Hilfen, die sie geben musste, zu groß. Das Haushaltsdefizit schnellte auf 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts empor" Mene Meinung: Einfach mal die ein oder andere Bank über die Klinge springen lassen. Wenn die Regierungen und der Steuerzahler immer wieder für für die unverantwortliche Spekulation gerade stehen wird nie ein Lerneffekt bei den Banken eisetzen. Dann wird das ewig so weiter gehen...
Baikal 26.11.2010
4. Ja, da..
Zitat von sysopHerber Rückschlag für Irland: Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat ihre Bonitätsbewertung für die hoch verschuldeten Banken gesenkt. Die Anglo Irish Bank hat jetzt sogar Ramschstatus. Die Entscheidung verschärft das Schuldenproblem der Regierung in Dublin. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,731424,00.html
.. zeigt sich deutlich, dass die Politik nichts als der Pudel der Finanzwelt ist und natürlich auch, wie sehr die Spekulation in dieser Wirtschaftsordnung als eine Art Menschenrecht angesehen wird.Übrigens: Standard Poor's gehört zum Medienkonzern McGraw Hill.Ob sich da wohl irgendwas ergänzt und als öffentliche Meinung wiederkehrt?
10of9, 26.11.2010
5. Agenda
Zitat von sysopHerber Rückschlag für Irland: Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat ihre Bonitätsbewertung für die hoch verschuldeten Banken gesenkt. Die Anglo Irish Bank hat jetzt sogar Ramschstatus. Die Entscheidung verschärft das Schuldenproblem der Regierung in Dublin. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,731424,00.html
Kann man nicht mal das "Glaubwürdigkeitsrating" dieser Manipulations-Agenturen senken? Solange Schuldner wie die USA und Japan, die einfach schweigen und nichts gegen ihre Defizite unternehmen, erstklassig bewertet werden, muss man an Verstand oder Agenda dieser zwielichtigen Einrichtungen zweifeln.
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