Zweifel an Bankenhilfe: Investoren wetten erneut gegen Spanien

Spanien soll von den EU-Partnern Milliarden bekommen - trotzdem verlieren Anleger das Vertrauen in das Land: Die Regierung in Madrid muss für neue Schulden Rekordzinsen zahlen. Das Wirtschaftsblatt "Expansión" spekuliert bereits, ob bald neue Finanzhilfen nötig werden.

Börse in Madrid: Anleger sind schon wieder verunsichert Zur Großansicht
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Börse in Madrid: Anleger sind schon wieder verunsichert

Madrid/Athen - Die Angst der Anleger vor einer neuen Eskalation der Euro-Krise nimmt zu. Die Nervosität an den Finanzmärkten hat die Renditen zehnjähriger spanischer Anleihen auf neue Rekordstände getrieben. Die Papiere wurden am Dienstagnachmittag in der Spitze mit rund 6,9 Prozent verzinst. Das heißt: Die Regierung in Madrid muss für das Schuldenmachen Rekordzinsen zahlen.

Dabei hatten die EU-Partner Spanien gerade erst Unterstützung für seine maroden Banken zugesagt - und zwar bis zu hundert Milliarden Euro. Die Erleichterung darüber währte jedenfalls nur einen Tag, am Montag hatten die Börsen weltweit mit Kurssprüngen reagiert. Von der Euphorie ist nun nicht mehr viel übrig: Spanien steht erneut im Fokus der Euro-Krise.

Schlechte Nachrichten kommen auch aus Italien. Die Rendite italienischer Staatsanleihen zog ebenfalls deutlich an und lag bei 6,3 Prozent. Der Euro rutschte auf ein Tagestief von 1,24 Dollar, der Dax Chart zeigen drehte ins Minus. Nachdem der Leitindex zeitweise wieder unter 6100 Punkte gefallen war, ging er aber mit einem Plus von 0,3 Prozent bei 6161 Punkten aus dem Handel.

Rating-Agentur Fitch stuft 18 spanische Banken herab

Grund für die wachsende Panik an den Märkten ist Händlern zufolge vor allem die bevorstehende Wahl in Griechenland. Am Sonntag dürfte sich entscheiden, ob die Gegner des Sparprogramms die Oberhand gewinnen und damit der Austritt des Landes aus der Euro-Zone droht.

Zudem zweifelten viele Investoren daran, dass Spanien allein mit den geplanten Finanzhilfen für den Bankensektor seine Schuldenkrise in den Griff bekommt. Dem Wirtschaftsblatt "Expansión" zufolge ist die Wirksamkeit der Hilfen auch unter Experten stark umstritten, das Blatt titelt: "Wird eine neue Rettung erforderlich?" Beim zweiten Mal, schreibt die "New York Times" auf ihren Meinungsseiten, müsste allerdings nicht nur der Bankensektor sondern gleich Spanien selbst gerettet werden.

Die Rating-Agentur Fitch hat indes die Kreditwürdigkeit von 18 weiteren spanischen Banken herabgestuft. Das Potential für die Kreditbestände einiger Banken könne sich weiter verschlechtern, begründete die Rating-Agentur am Dienstag die Entscheidung. Dies gelte vor allem für Banken, die viele Kredite an den Bausektor vergeben hätten oder die über keine solide Basis verfügten.

Unter den 18 betroffenen Banken ist das drittgrößte Finanzinstitut CaixaBank, dessen Bonität um zwei Stufen auf BBB gesenkt wurde, sowie die viertgrößte Bank Banco Popular, die um ein Grad auf BBB- herabgestuft wurde. Bankia, die mit 23,5 Milliarden Euro aus öffentlichen Mitteln gestützt werden soll, wurde ebenfalls um eine Note auf BBB herabgestuft. Erst am Montag hatte Fitch die Kreditwürdigkeit der beiden größten spanischen Banken, Santander und BBVA, herabgestuft.

EU prüft Szenarien für griechischen Euro-Austritt

Nach den Notkrediten für Spaniens Banken will auch Griechenland das eigene Milliarden-Hilfspaket nachverhandeln - die Griechen fordern spanische Spar-Konditionen. Doch die Erfolgsaussichten sind gering. Ein Sprecher der EU-Kommission dämpfte am Dienstag in Brüssel entsprechende Hoffnungen: "Unsere Position ist unverändert: Wir erwarten, dass die Griechen alle eingegangenen Verpflichtungen erfüllen", hieß es.

Europa wappnet sich derweil für einen möglichen Euro-Austritt Griechenlands nach der Wahl am Sonntag. Auf europäischer Ebene wird deswegen über Maßnahmen wie Grenzkontrollen beraten, um eine drohende Kapitalflucht einzudämmen. Diskutiert wurde auch über eine Begrenzung der Bargeldabhebung in dem Land.

Wenn die Griechen am Sonntag radikale Kräfte wählen, die die Vereinbarungen für das Rettungsprogramm tatsächlich aufkündigen, dann bliebe dem Land keine andere Wahl, als die Währungsunion zu verlassen. Das aber würde laut Experten dazu führen, dass die Hellenen ihre Banken stürmen, um ihre Euro vor einer Umwandlung in abgewertete Drachmen im Ausland in Sicherheit zu bringen. Seit 2009 sind nach Behördenangaben schon 80 Milliarden Euro von griechischen Banken abgezogen worden, zurzeit werden in Griechenland täglich dreistellige Millionenbeträge abgehoben.

bos/Reuters/dpa/dapd/AFP

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1.
Ron777 12.06.2012
Die Philosophie der Rettungsgelder ist am Ende. Bislang erkauften sie immerhin Zeit - die man am Ende jedoch nicht nutzte - doch jetzt sind sie nur noch teure Lachnummern zu Lasten der deutschen Steuerzahler. All die Gelder, die bereits ausgeschüttet sind oder noch ausgeschüttet werden sollen, sind vergeudet, weil sie am eigentlichen Problem der Strukturprobleme nichts ändern. Diese sind die Begleiterscheinung unserer gemeinsamen Chaoswährung. Wenn jetzt schon wieder die Eliten schreien, dass Eurobonds, Bankenunionen oder Fiskalpakte die Rettung bringen, dann ist das ein ausgemachter Blödsinn, der direkt in die ungeordnete Katastrophe für ganz Europa mündet. Wir dürfen nicht zulassen, dass eine Währung und eine Betonkopf-EU in Brüssel ganz Europa abbrennen. Der Euro ist wie Flasche leer - und wird auch nicht wieder voll. Deutschland hat bereits ein Jahrzehnt für Kohls Desasterpolitik mit Lohnverzicht, Wohlstandsabbau und Arbeitslosigkeit geblutet. Soll das das Modell für ganz Europa sein? Welche Zukunftsperspektiven gebt ihr uns - ihr verstrahlten Politiker? Ein echter Demokrat muss jetzt endlich handeln und die Untergangswährung durch die Wiedereinführung nationaler Währungen abwickeln. Wir brauchen wieder nationale Verantwortungen, damit ein denokratisches Europa der Völker eine Zukunft hat. Wir brauchen eine Totalreform und einen Rückbau in Brüssel. Die Briten haben Recht: das real existierende Europa mutiert zu einer negativen Krake, die alles umschlingt und aussaugt. Wir brauchen eine Rückbesinnung auf wahre europäische Werte: freier Handel, Völkerverständigung, demokratisch legitimierte politische Absprachen. Stattdessen opfern wir ganze Generationen von Bürgern für eine hohle und blutleere Ideologie.
2. wieso wetten
Nonvaio01 12.06.2012
Zitat von sysopSpanien soll von den EU-Partnern Milliarden bekommen - trotzdem verlieren Anleger das Vertrauen in das Land: Die Regierung in Madrid muss für neue Schulden Rekordzinsen zahlen. Das Wirtschaftsblatt "Expansión" spekuliert bereits, ob bald neue Finanzhilfen nötig werden. Euro-Krise: Spanien muss Rekordzinsen für Anleihen zahlen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,838451,00.html)
Es waehre Nett wenn einer im Spon mit etwas ahnung von Fiananzen solche Artikel schreibt. Die 100Mrd sind NUR fuer die Banken, Spanien selber hat aber auch ein problem, dafuer holt Spanien sich aber noch Geld am Markt, der Markt bezweifelt das Spanien das structur problem in den Griff bekommt, also werden mehr Zinsen faellig. Zinsen spigel das vertrauen wieder, das hat nichts mit Wetten zu tun.
3. Zocker
bettelarm 12.06.2012
Hm, gestern habe ich geschrieben das die 'Marktberuhigung' keine zwei Wochen andauern wird, nun bin ich eines Besseren belehrt worden-es dauert keine 24 Std. ! Das ist alles so vorhersehbar-wenn man einen gesunden Menschenverstand hat. Anscheinend haben Frau Merkel und Ihr Finanzkumpan auf heißen Rädern völlig den Überblick und die Kontrolle verloren. Anders kann ich mir diese seit nunmehr 4 Jahre andauernden katastrophalen Fehlentscheidungen nicht erklären. Realitätsverlust in seiner puresten Form.
4. Noch ist es nicht zu spät
der_pirat 12.06.2012
Noch ist es nicht zu spät, etwas zu ändern. Es gibt Strom und Wasser, die Menschen haben Essen und Benzin. Wenn es zu einem Kollaps kommt, dann ist es damit vorbei. Und wie schnell ein Chaos herrscht wird vor allem davon abhängen, welche Reserven die Menschen haben. Und damit meine ich: Lebensmittel! Wer würde schon mehr als ein paar Tage mit dem was er hat auskommen? Aber noch ist es nicht zu spät. Wir können darüber nachdenken, was an unserem Geldsystem falsch ist. Wir könnten z.B. eine zweite Währung einführen, die nicht auf SCHULDEN basiert. Beispielsweise indem man jedem Bürger einen Betrag von x,- Talern jeden Monat zur Verfügung stellt. Dieser Taler würde natürlich ständig an Wert verlieren. Die Folgen: Die Menschen versuchen zu investieren und nicht zu bunkern... Aber was rede ich hier... Politik und Menschenverstand liegen soweit auseinander, dass noch nicht einmal Gravitationskräfte mehr wirken.
5. Es sind mal wieder die Deutschen
helloworld1 12.06.2012
Klar, ich finde auch, es sind wieder mal die Deutschen. Die Deutschen hätten, dieser Art der Währungsunion nie beitreten dürfen. Den EURO hätte es erst geben dürfen, wenn es vorab in kleinen Schritten eine Fiskalunion mit einem europäischen Finanzminisiter und gleichem Steuerrecht und gleicher Exekutive zur Durchsetzung dieser gegeben hätte. Ich meine, die Deutschen und einige andere Lädner werden den EURO verlassen müssen, da das Wirrwar so einfacher zu entflechten geht. Auf jeden Fall würde so etwas über Nacht ohne große Ankündigung vonstatten gehen.
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So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.