Euro unter 1,20 Dollar Frankreich und Ungarn erschrecken den Devisenmarkt

Der Euro ist erstmals seit vier Jahren wieder unter 1,20 Dollar gefallen: Händler begründeten die Schwäche der Gemeinschaftswährung unter anderem mit Äußerungen aus Frankreich und Ungarn. Die belasteten auch die Börsen - der Dax sackte erneut unter die 6000-Punkte-Marke.

Zwei-Euro-Münze: Gemeinschaftswährung unter Druck
dpa

Zwei-Euro-Münze: Gemeinschaftswährung unter Druck


Frankfurt am Main - Der Euro hat am Freitagabend stark an Wert verloren: Zwischenzeitlich sank die Gemeinschaftswährung bis auf 1,1973 Dollar - und kostete damit so wenig wie seit März 2006 nicht mehr. Noch am Morgen hatte ein Euro mehr als 1,22 Dollar gekostet. Seit Jahresbeginn büßte der Euro in Dollar Chart zeigen rund 16 Prozent an Wert gegenüber der US-Währung ein.

"Der Euro ist heute zunächst durch Äußerungen aus Frankreich belastet worden", sagte Marc Burgheim, Leiter des Devisenhandels bei der BayernLB. So hatte sich Frankreichs Premierminister François Fillon vor Journalisten positiv zur "Parität" des Euro geäußert. Fillon bezog sich dabei aber offenbar nicht auf ein mögliches Eins-zu-eins-Verhältnis des Euro zum Dollar, sondern auf die allgemeine Wechselkursentwicklung. Das französische Wort "parité" kann sowohl einen Gleichstand zwischen Euro und Dollar als auch den jeweiligen Wechselkurs bedeuten. Beigetragen zum neuen Tiefstand hätten zudem Berichte über Verluste der französischen Großbank Société Générale im Handel mit Derivaten.

Darüber hinaus hatten ungarische Regierungspolitiker mit Äußerungen zur Finanzlage des Landes die Angst vor einer Staatspleite geschürt. Ein ranghohes Mitglied der regierenden Fidesz-Partei hatte am Donnerstag die Haushaltslage seines Landes mit der von Griechenland verglichen. Ein Sprecher von Ministerpräsident Viktor Orban sagte am Freitag, diese Einschätzung sei nicht übertrieben gewesen. Die Folge waren nicht nur Kursverluste der ungarischen Währung Forint, sondern auch Druck auf den Euro und Aktien europäischer Banken.

"Ein richtiger Schock für die Märkte"

Im Verlauf des Nachmittags lasteten zudem enttäuscht aufgenommene US-Arbeitsmarktdaten auf dem Euro. "Die unerwartet schlechten Zahlen aus den USA waren ein richtiger Schock für die Märkte", sagte ein Händler. Im Mai waren in den USA außerhalb der Landwirtschaft 431.000 Stellen hinzugekommen, Analysten hatten im Schnitt mit 513.000 neuen Jobs gerechnet.

"Derzeit reichen wenige Meldungen aus, um die Verunsicherung an den Märkten anzufachen", sagte Devisenanalyst Ralf Umlauf von der Helaba. Der Euro habe momentan kaum Potential für einen Aufwärtstrend. Händlern zufolge kam nach einem eher ruhigen Handel gegen Mittag Nervosität auf, als klar geworden sei, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) anders als in der Vergangenheit nicht zur Stützung des Euro eingreife. "Das hat den Abwärtstrend deutlich beschleunigt", sagte ein Händler. Zum Schweizer Franken fiel der Euro auf ein Rekordtief von 1,3904 Franken.

Die Zahlen vom US-Arbeitsmarkt haben auch den Dax Chart zeigen belastet - und den deutschen Leitindex wieder unter die Marke von 6000 Punkten gedrückt. Er schloss 1,91 Prozent tiefer, bei 5939 Punkten. Die zweite Reihe an der Frankfurter Börse reagierte ebenfalls auf die schlechten Nachrichten. Der MDax Chart zeigen gab um 2,3 Prozent auf 7943 Punkte nach. Der TecDax Chart zeigen sank um 1,4 Prozent auf 746 Zähler. An der New Yorker Börse notierte der Dow Jones zum europäischen Handelsschluss ebenfalls im Minus.

wit/dpa-AFX/Reuters/apn/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 46 Beiträge
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Rainer Helmbrecht 04.06.2010
1. Titel verweigert!
Zitat von sysopDer Euro ist erstmals seit vier Jahren wieder unter 1,20 Dollar gefallen: Händler begründeten die Schwäche der Gemeinschaftswährung unter anderem mit Äußerungen aus Frankreich und Ungarn. Die belasteten auch die Börsen - der Dax sackte erneut unter die 6000-Punkte-Marke. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,698859,00.html
Na ja, im Moment ist das etwas ungünstig, Mutti sucht den neuen Bundespräsidenten, aber wenn das abgeschlossen ist, dann geht sie wieder rüber in die Bundesdruckerei. Sie kann nicht alle Problem auf einmal lösen. Ein Glück, dass ihr die Wirtschaftspartei in Gestalt des Guido zur Seite steht. MfG. Rainer
sukowsky, 04.06.2010
2. Der Reigentanz der Zocker
Der Reigentanz der Zocker knabbert schon wieder am Euro und sie sägen den Ast ab worauf sie sitzen.
franklinber, 04.06.2010
3. Na hauptsache
Unsere Beamten, Politiker und der ÖD hat immer seinen Inflationsausgleich, egal was aus den anderen wird!
anbue 04.06.2010
4. trau schau wem
Ungarn wird spannend, dort kann man jetzt beweisen, ob die Krise am Euro liegt oder nicht, ob den Griechen die Drachme geholfen hätte oder uns die DM.
Ali Mente 04.06.2010
5. Ich gehöre.....
Zitat von franklinberUnsere Beamten, Politiker und der ÖD hat immer seinen Inflationsausgleich, egal was aus den anderen wird!
zwar nicht diesen Berufsgruppen an, trotzdem möchte ich bemerken, dass das totaler Blödsinn ist!! Und zur Eurone..... ich kann mich noch an das Geschrei erinnern als der Euro auf 1,12 Dollar geklettert ist! Viel zu teuer, der ganze Export geht den Bach runter und solche Gezeter!! Und jetzt kann der Euro nicht hoch genug sein. Was soll dieser Quatsch?? Und das Dax und Dow und wie sie alle heissen, abschmieren, ist auch nicht schlimm! Mit der Realität hat das was dort "gehandelt" wird eh nix zu tun.
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