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Steinmeier in Indien: "Eurofighter"-Konsortium darf wieder auf Mega-Deal hoffen

Aus Neu-Delhi berichtet

"Eurofighter"-Produktion in Bayern (Archivbild): Riesenthema in Indien Zur Großansicht
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"Eurofighter"-Produktion in Bayern (Archivbild): Riesenthema in Indien

In Indien wird wild spekuliert: Bekommt die Rüstungsschmiede Cassidian doch noch einen der größten Deals der Branchengeschichte? In Neu-Delhi deutet Außenminister Steinmeier an, dass das Rennen für die "Eurofighter"-Lieferung noch offen ist.

Das europäische Rüstungskonsortium Cassidian, inzwischen umfirmiert in Airbus Defence & Space, hat offenbar doch noch Chancen auf den größten Rüstungsdeal der Welt. Bei seinem Indienbesuch bestätigte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) Gerüchte, dass sich die Inder bei dem geplanten Einkauf von mehr als 120 Kampfjets für die Modernisierung ihrer Luftwaffe noch nicht auf ein Produkt festgelegt haben und auch der "Eurofighter" des Konsortiums aus Großbritannien, Deutschland, Italien und Spanien damit immer noch im Rennen um das gigantische Rüstungsgeschäft ist.

Der Außenminister wollte allerdings selber nicht als Werber für das gigantische Waffengeschäft dastehen. Beim Gespräch mit dem neuen Premier Narendra Modi habe das Thema keine Rolle gespielt. Allerdings hatte Steinmeier in einem Interview den "Eurofighter" selbst auf die Agenda seines Besuchs gesetzt. "Wir glauben, dass das 'Eurofighter'-Konsortium ein gutes Angebot vorgelegt hat, und wir unterstützen es", sagte der Politiker der Zeitung "The Hindu". Der Deal ist in der indischen Presse seit Jahren ein Riesenthema, mit einem Volumen von bis zu 15 Milliarden Euro sprengt er Rekorde.

Nach dem Gespräch mit Modi blieb Steinmeier vor den mitgereisten deutschen Journalisten bewusst zurückhaltender. Noch immer lägen den Indern seines Wissens zwei Angebote für den gigantischen Rüstungsdeal vor. "Die Inder müssen noch entscheiden, welches Angebot für sie das beste ist", so der Minister vor der Residenz des neuen Premiers. Bisher war man davon ausgegangen, dass sich die Inder bereits 2012 für das französische Konkurrenzprodukt "Rafale" entschieden hatten, für Cassidian war das ein harter Rückschlag.

Wilde Spekulationen in der indischen Presse

Der Milliarden-Deal ist seit Jahren heiß umstritten und immer wieder mischte sich die Politik in die zähen Verhandlungen mit den Indern ein. So reisten Politiker aus allen beteiligten Ländern oft nach Asien und umwarben die dortige Regierung, hinter den Kulissen wurden wie oft bei Rüstungsdeals Rabatte versprochen. Die Inder wiederum verhandelten hart, vor allem wollte Neu-Delhi Zugeständnisse, dass Teile der Produktion nach Indien verlagert werden. Zudem wünschte man sich Garantien über die Wartung der Jets und vieles mehr.

Deutschland spielte bei der Werbetour für den Kampfjet genauso mit wie Großbritannien oder Italien. Im Februar 2011 flog der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eigens für anderthalb Tage nach Indien, um bei einer Rüstungsmesse Werbung für den Cassidian-Jet zu machen. Guttenberg war damals explizit im Auftrag der deutschen Regierung unterwegs, ähnliche Missionen wiederholte später auch sein Nachfolger Thomas de Maizière (CDU) bei anderen Interessenten aus den Golfstaaten.

In der indischen Presse überschlugen sich in den vergangenen Wochen bereits die Gerüchte über den Mega-Deal. Angeblich habe Cassidian nach dem Regierungswechsel in Indien ein neues, günstigeres Angebot vorgelegt, um doch noch einen Fuß in die Tür zu bekommen. So war von einem Preisunterschied von mehr als einer Milliarde Euro die Rede. Überprüfen lassen sich solche Angaben kaum, die Rüstungsindustrie ist bei ihren weltweiten Deals sehr verschwiegen, die beteiligten Regierungen machen die Geschäfte ebenfalls ungern transparent.

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1. Das Konkurrenzprodukt...
privado 08.09.2014
...heißt nicht "Raffael", sondern "Rafale". Mein Gott Spon, bei euch sind nur noch Praktikanten im Dienst.
2. Man kann gar nicht genug essen, wie man....
ernstullrichschultz 08.09.2014
Ich bin fassungslos, wie man über solche "Mega-Deals" so unkritisch schreiben kann. Als einer der größten Waffenexporteure der Welt haben wir jegliche Glaubwürdigkeit verloren, Frieden in den Krisenregionen schaffen zu wollen. Herr Steinmeier und die anderen Politiker sollten sich schämen. Wenn ein deutscher Entwicklungshilfeminister nahtlos zu Rheinmetall wechselt, dann stinkt das zum Himmel. Das ist nicht nur Problem der sterbenden FDP. Wo blieb der Aufschrei der "christlichen" und "sozialdemokratischen" Parteien?
3. Oh man, die Inder...
tomy1983 08.09.2014
Es ist nicht leicht mit ihnen Deals zu machen. Scheinbar hat die alte Regierung es nicht mehr geschafft, den Vertrag mit Dassault resp. Frankreich unter Dach und Fach zu bringen. Und die neuen Entscheidungsträger müssen natürlich neu "umworben" werden. Da lassen sich Cassidian und der saubere deutsche Staat natürlich nicht 2 mal bitten. ;-) aber die Franzosen haben das gleiche vorher auch schon einmal gemacht. Denn vor einigen Jahren galt der Eurofighter-Deal auch schon mal als sicher. So können gleich mehrere Legislaturperioden von Politikern kassieren...
4. Über den Wolken der deutschen Heuchlerei
Toll-s-toy 08.09.2014
Und hier fragt sich KEINER -weder Grün, noch Rot, noch farblos- in welche Hände diese „€urofighter“ doch „landen“ könnten!?
5. Vertrauen in franzoesische Industrie?
Ganzgeber 08.09.2014
Ich vermute, dass sich Indien am Ende gegen die Rafale entscheiden wird. Frankreich hat sich in den letzten Jahren, auch dank Euro, das äußerst schädliche Image einer sterbenden Industrienation zugezogen.
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