Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Europa-Vergleich: Finanzkrise traf Deutschland besonders hart

Kaum ein Land hat so sehr unter dem Finanzcrash gelitten wie Deutschland. Auf dem Höhepunkt der Krise brach die Konjunktur um 6,9 Prozent ein - in Europa schrumpfte die Wirtschaft nur in Ungarn noch stärker. Länder wie Polen konnten laut einer Studie sogar kräftige Zuwachsraten verzeichnen.

Baustelle in Berlin-Mitte: Hohe Exportabhängigkeit stürzte Deutschland ins Minus Zur Großansicht
ddp

Baustelle in Berlin-Mitte: Hohe Exportabhängigkeit stürzte Deutschland ins Minus

Berlin - Die weltweite Finanzkrise hat Deutschland besonders hart getroffen. In keinem anderen europäischen Land außer Ungarn schrumpfte die Wirtschaft stärker. Dies berichtet die "Welt" unter Berufung auf eine Studie der Deka-Bank.

Die Bank untersuchte die Wirtschaftsleistung von weltweit 31 Staaten. Demnach brach die deutsche Wirtschaft zwischen dem ersten Quartal 2008 und dem ersten Quartal 2009 um 6,9 Prozent ein (siehe Tabelle unten).

Außerhalb Europas kamen manche Staaten aber auf ein noch größeres Minus. Weltweit ging das Bruttoinlandsprodukt in der Türkei, in Russland und Singapur am stärksten zurück. Im internationalen Vergleich liegt die Bundesrepublik daher auf Platz acht.

Untersucht wurde das Konjunkturminus jeweils auf dem Höhepunkt der Krise. So musste die türkische Volkswirtschaft Verluste von 14,2 Prozent hinnehmen, die russische Wirtschaft verlor zwischen dem dritten Quartal 2008 und dem zweiten Quartal 2009 elf Prozent.

Unter den großen Industriestaaten schrumpfte die japanische Wirtschaft zwischen Anfang 2008 und Anfang 2009 am stärksten - das Minus belief sich auf 8,3 Prozent. Dass Deutschland und Japan in der Tabelle so weit vorne liegen, "ist sicher keine Überraschung", sagte Deka-Bank-Chefvolkswirt Ulrich Kater dem Bericht zufolge. Beide Länder hingen extrem vom Export ab und seien deshalb besonders stark vom Einbruch der Weltnachfrage getroffen worden.

Dagegen konnten andere Staaten sogar deutliche Zuwachsraten verzeichnen. Dies gilt insbesondere für China und Indien. Aber auch in Europa gab es einen Gewinner: Die polnische Wirtschaft legte im untersuchten Zeitraum um immerhin 2,2 Prozent zu.

So stark schrumpfte die Wirtschaft in der Krise
Land Veränderung des Bruttoinlandsprodukts in Prozent *
Türkei -14,2
Russland -11,0
Singapur -9,9
Mexiko -8,8
Japan -8,3
Hongkong -7,8
Ungarn -7,6
Deutschland -6,9
Finnland -6,8
Italien -6,5
Schweden -6,4
Großbritannien -5,6
Tschechien -5,4
Südkorea -5,1
Dänemark -5,0
Niederlande -4,7
Brasilien -4,5
Österreich -4,4
Spanien -4,1
USA -3,9
Frankreich -3,4
Kanada -3,3
Schweiz -2,8
Südafrika -2,3
Neuseeland -2,2
Griechenland -1,3
Norwegen -1,0
Australien -0,6
Polen +2,2
Indien +7,6
China +10,1
* gegenüber dem Vorjahreszeitraum; untersucht wurde jeweils der Höhepunkt der Krise, in der Regel das erste oder zweite Quartal 2009; Quelle: Deka-Bank, "Welt"

wal/AP

Diesen Artikel...
Forum - Geht es jetzt wieder aufwärts?
insgesamt 1577 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. tja
lalito 13.08.2009
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft wächst wieder, wenn auch nur leicht. Ist die Rezession jetzt vorbei? Oder muss man mit weiteren Rückschlägen rechnen - zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt?
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wär schön, käme es nicht so schlimm wie befürchtet! Mal sehen wie es nach der Wahl wird, wenn die Zeche für die "systemrelevante" Rettung bei jedem einzelnen Individuum des Systems eingefordert wird.
2.
Crom 13.08.2009
Der Arbeitsmarkt wird nicht so schnell nachziehen, aber eine Rezession ist auch eine Chance. Die Unternehmen rationalisieren und werden dadurch wieder profitabel, was Ausgangspunkt für neues Wachstum darstellt.
3. Huch! Kurz vor den Wahlen häufen sich die guten Nachrichten...
sinnsucher, 13.08.2009
...ein Schelm, wer böses dabei denkt... wenn ich mir auch bei sonst nicht vielem mehr sicher bin, eins weiß ich genau: ich möchte nicht, dass alles einfach weiter geht wie VOR der Krise.
4. Der Spiegel
tmayer, 13.08.2009
hat sich hier wohl ein gewaltiges Eigentor geschossen mit seiner ständigen Schwarzmalerei. Düstere Aussichten und ewige Vergleiche mit der Weltwirtschaftskrise von vor 80 Jahren. Jetzt muss man sich die Frage gefallen lassen, ob man mit dieser Negativpolemik nicht gewaltig übertrieben hat und ob der Spiegel nicht an Glaubwürdigkeit verloren hat.
5.
I'm a Substitute 13.08.2009
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft wächst wieder, wenn auch nur leicht. Ist die Rezession jetzt vorbei? Oder muss man mit weiteren Rückschlägen rechnen - zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt?
Meinen Sie diese Frage wirklich ernst? Als Mitarbeiter des Online-Portals eines großen Nachrichtenmagazins, das doch nun wirklich jahrzehntelang deutsche Politik und Wirtschaftsgeschichte begleitet und (zeitweilig sogar kritisch!) unter die Lupe genommen hat, ist Ihnen doch klar, daß ein "numerisches Wachstum" von vielleicht 2% (Containerumschlag im Hamburger Hafen) KEINEN Effekt auf den Arbeitsmarkt besitzt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Von Asset Backed Securities bis Zertifikate - alle Fremdwörter der Finanzkrise einfach erklärt:

Alle Begriffe zur Finanzkrise...



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: