Stresstest EZB sieht Banken für Zinswende gerüstet

Die EZB hat die Folgen einer Zinswende sorgfältig geprüft. Ergebnis: Die Banken in Europa wären derzeit recht gut gegen Zinssteigerungen gewappnet.

Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main
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Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main


Die großen Geldhäuser in der Eurozone können nach einem Stresstest der EZB kräftige Zinsänderungen in der Geldpolitik insgesamt gut wegstecken. Höhere Zinssätze würden bei der Mehrheit der Institute zu einem Anstieg des Nettozinseinkommens in den nächsten Jahren führen, aber zu einem niedrigeren Wert des Bankenbuchs, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) mit. "Die Resultate zeigen, dass zumindest im Durchschnitt die Banken gerüstet sind, um mit Veränderungen im Zinsumfeld zurechtzukommen", sagte EZB-Generaldirektor Korbinian Ibel.

Die Resultate des Tests sollen in die diesjährige Bankenprüfung einfließen. Insgesamt sollen sich die Kapitalanforderungen für die Geldhäuser durch die Resultate nicht ändern. Sie könnten aber für einzelne Banken angepasst werden. An dem Test nahmen 111 Institute teil. Die EZB wollte überprüfen, wie anfällig Anlagebücher und Zinseinnahmen wären, sollte es zu deutlichen Zinsschwenks in der Geldpolitik kommen. "Über Nacht wachen die Banken auf und haben ein neues Zinsumfeld. Was würde passieren, wenn das neue Umfeld dann für immer bestehen bleibt?", sagte Ibel.

Ein zentrales Ergebnis des Tests: Ein Anstieg der Zinsen um zwei Prozentpunkte würde bei den Instituten bis 2019 zu einem Anstieg der Nettozinseinnahmen um 10,5 Prozent führen. Allerdings würde der Wert des Anlagebuchs unter anderem wegen einer Neubewertung von Krediten und Anleihen um 2,7 Prozent sinken. Eine Fortsetzung der Niedrigzinspolitik hingegen würde die Zinseinkünfte deutlich drücken. Laut dem Stresstest würden die Zinseinnahmen um 7,5 Prozent schrumpfen, sollten die Sätze in den nächsten Jahren auf dem aktuellen Rekordtief verharren.

Die Euro-Notenbank hält ihren Leitzins schon seit Längerem extrem niedrig. Mittlerweile liegt er bei 0,0 Prozent. Banken müssen zudem Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht bei der EZB Geld parken. Der Einlagensatz liegt bei minus 0,4 Prozent. Die EZB ist seit Herbst 2014 für die Aufsicht über die großen Banken im Währungsraum zuständig. Inzwischen kontrolliert sie direkt 120 Institute - darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank.

In Deutschland hatten Bundesbank und die Finanzaufsicht BaFin unlängst geprüft, wie die rund 1500 kleineren deutschen Institute und Sparkassen mit dem aktuellen Niedrigzinsumfeld zurechtkommen. Den Ergebnissen zufolge können die Geldhäuser dies zwar besser verkraften als noch vor Jahren. Dennoch würden sie auch in den kommenden Jahren unter den absehbar niedrigen Zinsen leiden. Die Institute hatten angegeben, dass auf Sicht von fünf Jahren ihr Gewinn vor Steuern gemessen an ihrer Bilanzsumme um 16 Prozent schrumpfen wird. In Deutschland sind Bundesbank und BaFin für die Kontrolle der kleineren Geldhäuser zuständig.

mik/Reuters

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
carahyba 09.10.2017
1.
Der Artikel verliert kein einziges Wort darüber wie sich die Erhöhung der Zinsen auf die Staatsschulden auswirken würde. Der Artikel hat demnach keinerlei Aussagekraft, der wichtigste Aspekt wird mit keinem Wort erwähnt.
jupp78 09.10.2017
2.
Zitat von carahybaDer Artikel verliert kein einziges Wort darüber wie sich die Erhöhung der Zinsen auf die Staatsschulden auswirken würde. Der Artikel hat demnach keinerlei Aussagekraft, der wichtigste Aspekt wird mit keinem Wort erwähnt.
Weil es darum nicht ging.
carahyba 09.10.2017
3. EZB prüft Folgen der Zinswende ...
Zitat von jupp78Weil es darum nicht ging.
Die EZB hat die Folgen einer Zinswende geprüft, steht im Artikeltrailer. Die Folgen betreffen nicht nur die Banken, vor allem die Staatsschulden. Die hinteren Reifen von meinem Auto sind gut. Es wird so schnell keine Zinswende geben.
jupp78 09.10.2017
4.
Zitat von carahybaDie EZB hat die Folgen einer Zinswende geprüft, steht im Artikeltrailer. Die Folgen betreffen nicht nur die Banken, vor allem die Staatsschulden. Die hinteren Reifen von meinem Auto sind gut. Es wird so schnell keine Zinswende geben.
Und in der Überschrift, dass es um die Banken geht und nicht um Staaten, Einzelpersonen oder was auch immer.
carahyba 09.10.2017
5.
Zitat von jupp78Und in der Überschrift, dass es um die Banken geht und nicht um Staaten, Einzelpersonen oder was auch immer.
Na dann können die Banken ihre Zinsen erhöhen um die genannten 2-2,5%. Es geht ja nur um Banken, nicht um Staaten oder Einzelpersonen oder was auch immer.
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