Europäischer Ableger Las Vegas will sich in Spanien klonen

Viva Las Vegas, mag derzeit manch spanischer Lokalpolitiker denken: Ein US-Casinobetreiber will die Glücksspielmetropole nach Europa holen - und hofft dabei in Spanien auf mehr Entgegenkommen als in China oder Indien.  

AP

Hamburg - Eine geplatzte Immobilienblase, horrende Staatsschulden und europaweit die höchste Arbeitslosenquote: Spaniens Wirtschaft kann gute Nachrichten derzeit gut gebrauchen. Eine solche kommt nun aus den USA: Der Casinobetreiber Las Vegas Sands will einen Ableger des Spielerparadieses in Spanien errichten. Dadurch könnten Zehntausende neue Arbeitsplätze entstehen, schreibt die spanische Zeitung "El País".

"Ich will ein Mini-Vegas in Europa schaffen", wird der Chef von Las Vegas Sands, Sheldon Adelson, zitiert. Der Name des Projektes könne "Europa Vegas" oder "EuroVegas" lauten, mögliche Standorte seien Madrid oder Barcelona. Für rund 15 Milliarden Euro sollen dort neben Casinos auch Mega-Hotels mit etwa 20.000 Zimmern, Einkaufs- und Kongresszentren entstehen.

Im krisengeplagten Spanien hofft Las Vegas Sands offenbar auf besonderes Entgegenkommen der Regierung, nachdem der Expansionskurs des Unternehmens in anderen Ländern zuletzt wenig erfolgreich war. So betreibt Las Vegas Sands neben den Hotels Venetian und Palazzo in Nevada auch Casinos in Singapur sowie der chinesischen Sonderverwaltungszone Macao. Der Bau eines weiteren Casinos in Macao sei jedoch kürzlich an staatlichen Einschränkungen gescheitert, schreibt "El País". Auch Investitionen in Indien und Vietnam habe Las Vegas Sands wegen zu strenger Vorgaben verworfen.

Die Stadt Madrid bestätigte hingegen bereits gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur Efe, dass sie derzeit zwei bis drei mögliche Standorte des Mini-Las-Vegas prüfe. Offenbar nimmt man sich die Worte von Sheldon zu Herzen. "Wir brauchen die Hilfe der Regierung", sagte er. Dazu gehörten auch "Garantien, dass die Baupläne schnell genehmigt werden".

dab



insgesamt 36 Beiträge
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Systemrelevanter 21.02.2011
1. Wie in der Simulation
Mancheiner kennt es aus Wirtschaftssimulationen: Die Warscheinlichkeit, ein Casino politisch durchzuboxen steigt, wenn es dem Land schlecht geht. Die letzte Raison heißt dann: Wir nehmen Geld, egal von wem. Auch wenn es Suchtgefahr, Verschuldung und Kriminalität drastisch in die Höhe schnellen lässt. Pathologisch naiv, wer glaubt, dass ein solches Projekt nachhaltig Entwicklung leisten kann. Andererseits findet sich in Spanien sicherlich eine Ecke mit dem Charme einer Kießgrube, wo Las Vegas authentisch nachgebaut werden kann. Und ich bin mir auch sicher, dass sich die spanischen Lokalpolitiker mit Subventionsgeschenken gegenseitig überbieten werden, den fremdes Geld verschenkt sich leicht. Warum also nicht die Glücksspielmafia?
Trondesson 21.02.2011
2. Klasse
Genau das, was unsere Manager und Banker brauchen, um ihre Gehälter und Boni sinnvoll anzulegen. Was sollen sie auch sonst damit tun, sie haben ja schon alles. Außerdem kann man beim Zocken im Casino Arbeit und Vergnügen miteinander kombinieren, ohne gleich seinen Job auf's Spiel zu setzen.
lug&trug 21.02.2011
3. Europa? Indien? China?
Zitat von sysopViva Las Vegas, mag*derzeit manch spanischer Lokalpolitiker denken: Ein US-Kasinobetreiber will die Glücksspielmetropole*nach Europa holen*-*und hofft dabei in Spanien*auf*mehr Entgegenkommen als in China oder*Indien.** http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,746757,00.html
Hmm, ich wusste bisher gar nicht, dass China und Indien in Europa liegen. Oder warum sollten ausgerechnet die beiden Ländern dafür eintreten, dass das Ding nach Europa kommt?
Hubert Rudnick, 21.02.2011
4. Casino statt Wirtschaft?
Zitat von sysopViva Las Vegas, mag*derzeit manch spanischer Lokalpolitiker denken: Ein US-Kasinobetreiber will die Glücksspielmetropole*nach Europa holen*-*und hofft dabei in Spanien*auf*mehr Entgegenkommen als in China oder*Indien.** http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,746757,00.html
Wenn man nicht in der Lage ist eine ordentliche Wirtschaft auf die Beine zu stellen, dann versucht man es wie die Mafia mit dem Glücksspiel. Ist das die Zukunft von Europa?
Hannowald 21.02.2011
5. na ja,
man könnte die Sache doch dem Beck in Mainz stecken. Da könnte er vielleicht aus der Nürburging-Pleite noch was machen.
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